Außer bei Neubau und Sanierung LED-Straßenlaternen sind in Leer noch Zukunftsmusik
Derzeit wird überall nach Möglichkeiten gesucht, Energie einzusparen. Die Umrüstung der Straßenlaternen auf LED wäre eine dieser Möglichkeiten, die die Stadt Leer bisher aber außen vor gelassen hat.
Leer - Rund 6700 Straßenlaternen hat Leer. Der, der diese Zahl nennt, muss es wissen, denn seine Firma ist schon seit Jahrzehnten mit der Wartung der Laternen beauftragt – und Jochen Kruse ist Vorsitzender des Ausschusses für Energie, Klima, Umwelt und Verkehr. In dessen August-Sitzung hatte er bedauert, dass nur ein ganz kleiner Teil der Leeraner Straßenlaternen bis heute auf die energiesparende LED-Technik umgestellt worden sei. Er nannte als Beispiele den Logaer Weg, die Nesse, den Osseweg, und „ein bis zwei Baugebiete“.
Was und warum
Darum geht es: In Leer sind erst wenige der 6700 Straßenlaternen auf LED umgerüstet. Hinter den Kulissen wird aber schon an einem Konzept gearbeitet, wie das geändert werden kann.
Vor allem interessant für: alle, die Energiesparen für wichtig halten
Deshalb berichten wir: Bei all der Diskussion um das Energiesparen haben wir uns gefragt, warum in Leer noch so wenig Straßenlaternen auf LED umgerüstet sind. Die Autorin erreichen Sie unter: k.mielcarek@zgo.de
„Bei der Umstellung alter Straßenlaternen auf LED gibt es noch einiges zu tun“, räumt Stadtsprecher Edgar Behrendt ein. In den vergangenen Jahren sei es teilweise so gewesen, „dass andere Investitionsvorhaben in der Priorität Vorrang bekommen hatten“. Allerdings sei in der Stadt einiges in Bewegung. So gebe es LED-Beleuchtung in den neuen Baugebieten, in der Fußgängerzone, am Hafen, vor dem Zollhaus oder am Zentralen Omnibus-Bahnhof. Also dort, wo entweder neu gebaut oder saniert wird.
Straßenbeleuchtung hat sich mehrfach geändert
Die Straßenbeleuchtung in Leer habe sich in den vergangenen Jahrzehnten mehrfach geändert, erzählt Kruse auf Anfrage aus der Praxis. Lange habe es die so genannten Quecksilber-Dampf-Lampen gegeben. Die dürfen in Deutschland mittlerweile gar nicht mehr neu angeschafft werden. In Leer seien sie komplett durch Natrium-Dampf-Lampen ausgetauscht worden. Damit habe sich der Energiebedarf ungefähr halbiert. Zwischenzeitlich habe es noch Sparbirnen gegeben, die so ähnlich funktioniert hätten wie Leuchtstoffröhren. Ein vollständiges Umrüsten auf LED würde noch einmal mindestens eine Halbierung oder gar eine Reduzierung um 75 bis 80 Prozent bringen.
Laien stellten sich das Umrüsten der Laternen aber oft zu einfach vor, sagt Kruse. Es sei nicht damit getan, einfach eine andere Birne einzudrehen. Die Leuchten müssten auch für das jeweilige Leuchtmittel ausgelegt sein, sonst laufe die Stadt Gefahr, sich bei Unfällen haftbar zu machen.
LED hat mehrere Vorteile
Die Deutsche Energie-Agentur (Dena) rät trotzdem dringend dazu, die Modernisierung der Straßenbeleuchtung einzuleiten und so viel Energie einzusparen. „Dies ist ein wichtiger Beitrag zur Erreichung der europäischen und nationalen Energie- und Klimaschutzziele. Gleichzeitig können langfristig die Stromkosten spürbar gesenkt werden, wodurch auch der Haushalt entlastet wird“, schreibt Geschäftsführer Andreas Kuhlmann in der Broschüre „Energieeffiziente Straßenbeleuchtung. Einsparpotenziale identifizieren und erschließen.“
Neben der Stromeinsparung lohne sich ein Umrüsten trotz der notwendigen Investitionen unter anderem auch, weil die neuen Leuchten deutlich weniger wartungsintensiv sind. Zudem könnten sie flexibler und bedarfsgerecht gesteuert werden als die Vorgängermodelle.
Verschiedene Finanzierungsmodelle
Auch für finanzschwache Kommunen gebe es verschiedene Möglichkeiten, die Investitionen zu stemmen, heißt es in der Broschüre. Neben Bundes- und Landes-Förderprogrammen oder zinsgünstigen Krediten der KfW könnte das ein so genanntes Betreibermodell sein. Die Investition würde dann von einer anderen Stelle getätigt, die über einen bestimmten Zeitraum mit den Einsparungen bei den Stromkosten „bezahlt“ wird. Für die Kommunen hat ein solches Modell den Vorteil, dass sie keine Investitionskosten haben.
Das Thema der Umrüstung der Straßenlaternen beschäftige die Stadtverwaltung unter dem neuen Bürgermeister Claus-Peter Horst (parteilos) aktuell durchaus, teilt Stadtsprecher Behrendt mit. „Wir haben da schon wieder mehr Fahrt aufgenommen und erstellen 2023 ein neues Beleuchtungskonzept, auf dessen Grundlage die LED-Umstellung weiter forciert werden soll“, kündigt er an. Die Stadt sei mittlerweile auf einem guten Weg, findet auch Kruse.