Berlin „Putins Bluthund“: Fünf Fakten über Tschetschenen-Führer Ramsan Kadyrow
Ramsan Kadyrow ist autoritärer Machthaber der Teilrepublik Tschetschenien. Für seine Treue zum russischen Präsidenten wird er als „Putins Bluthund“ bezeichnet. Doch wer ist der Mann?
Der tschetschenische Machthaber Ramsan Kadyrow hat in den Medien den Spitznamen „Putins Bluthund“ erhalten, weil er dem russischen Präsidenten seit Kriegsbeginn treu zur Seite steht und dessen Kriegspropaganda verbreitet. Doch wer ist der Mann?
Seit 2007 ist Kadyrow Präsident von Tschetschenien und folgte damit dem Vorbild seines Vaters Achmat Kadyrow. Doch die Nähe zu Russland strebten beide nicht immer an, 1996 kämpften Vater und Sohn noch für die Unabhängigkeit von Moskau. Nach einem Seitenwechsel von Achmat Kadyrow im zweiten Tschetschenienkrieg wurde er mit der Unterstützung Putins und dessen Streitkräften 2004 Präsident. Nur ein Jahr später starb er bei einem Bombenattentat. Offiziell übernahm danach Alu Alchanow das Amt des Präsidenten, bis Kadyrow im Alter von 30 Jahren übernahm. 2021 wurde sein Amt mittels einer Wahl bestätigt, angeblich mit 99,6 Prozent. Laut Menschenrechtsorganisationen soll es aber schon lange keine freien oder legitimen Wahlen im Land geben, berichtet die Augsburger Allgemeine Zeitung.
„Hier hat niemand etwas zu sagen, ich bin hier der Chef, ich sitze am Steuer. Außer mir gibt es hier niemanden, habt ihr das verstanden? Nur Ramsan, sonst niemanden! Ich bin vorn. Der Name der Familie Kadyrow steht vorn. Es gibt keine anderen Namen in dieser Gegend, es gibt nur einen Namen: Kadyrow!“, zitiert „Deutschlandfunk“ Kadyrow aus einem Video, das vor ein paar Jahren im tschetschenischen Fernsehen ausgestrahlt wurde.
Kadyrow regiert sein Land mit Gewalt. Immer wieder werden ihm Folter, Entführungen und Morde vorgeworfen. Nicht nur Kritiker des Regimes verschwinden, auch Mitglieder der LGBTQ+-Community oder Personen, die dafür gehalten werde, werden verfolgt, festgenommen oder getötet, berichtet die Augsburger Allgemeine Zeitung. Sie bezieht sich auf die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit (OSZE), die 2018 darüber informierte, dass es „überwältigende Beweise“ gebe.
Auch die Menschenrechtsorganisation Amnesty International dokumentierte 2019 laut „t-online“ einer Welle der Verfolgung der LGBTQ+-Gemeinschaft. Mindestens zwei Menschen sollen demnach in einem Geheimgefängnis zu Tode gefoltert worden sein, mehrere sollen misshandelt worden sein.
Kadyrow gilt als loyal zu Russland. Die Politikwissenschaftlerin Miriam Katharina Heß von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik erklärt seine Loyalität gegenüber „t-online“ damit, dass die Unterstützung aus Moskau seine einzige „Machtlegitimation“ sei. Kadyrow verdanke seine politische Position Putin. Heß sieht den übermäßigen Einsatz von Gewalt dementsprechend als einzigen Weg für Kadyrow seine Machtposition zu verteidigen.
Erst Anfang Oktober hat Wladimir Putin den tschetschenischen Machthaber zum Generaloberst befördert. Dabei handelt es sich um den dritthöchsten Dienstgrad im russischen Militär, hinter Marschall und Armeegeneral. Der Kreml habe laut der „Welt“ Kadyrows „heldenhaften Beitrag“ zur Offensive der Ukraine gelobt, seit Beginn beteiligt er sich intensiv. Seine Streitkämpfe befinden sich gemeinsam mit den russischen im Angriffskrieg, involviert ist auch Kadyrows berüchtigte Miliz „Kadyrowzy“.
In dem sozialen Netzwerken Telegram sichert er Putin immer wieder seine Unterstützung zu, so „t-online“. Zudem liefere er Propagandavideos mit Aufmärsche seiner Armee in Tschetschenien und angeblichen Kriegshandlungen in der Ukraine. Im März soll er sich sogar selbst im Kriegsgebiet befunden haben. Unterlegt sind die Videos laut dem Nachrichtenportal häufig mit islamischem Gesang. Mit Aufnahmen, die ihn beim Beten in einer Moschee zeigen, will er als Muslim seinen Glauben inszenieren und die muslimisch geprägte tschetschenische Bevölkerung erreichen, so „t-online“. Für Putin sei dies sinnvoll, da er sich so davor schütze, dass sich die arabische Welt von ihm abwende. Immer wieder äußert Kadyrow Kritik an der russischen Militärführung. Anfang Oktober forderte er beispielsweise „Nuklearwaffen mit niedriger Sprengkraft“ gegen die Ukraine einzusetzen, so der „Stern“.
Der ausschweifende Lebensstil Kadyrows wird nach Aussage verschiedener Medien wie „t-online“ über die Achmat-Kadyrow-Stiftung finanziert. Das habe das Investigativteam „Projek“ sowie das MBCh-Media-Portal herausgefunden. Demnach müssen die Bürger Zwangsabgaben an die Stiftung leisten, 2019 sollen es insgesamt 70 Millionen Euro gewesen sein, die so zusammenkamen.
Kadyrow, Vater von zwölf Kindern, soll mit zwei Frauen liiert sein. Ihnen habe der Machthaber jeweils einen Palast in Grosny, der tschetschenischen Hauptstadt, bauen lassen. Ein dritter soll ihm laut „t-online“ als Regierungssitz dienen. Zudem soll er einen Airbus im Wert von 80 Millionen Dollar und eine Villa auf der Inselgruppe Palm Islands in Dubai besitzen. Nach Angaben von „Der Standard“ führt Kadyrow ein Luxusleben, sammelt Uhren und Autos, besitzt 102 Pferde und bewohnt ein Haus mit eigener Moschee. Allein seine beiden Frauen sollen angeblich Immobilien im Wert von mindestens acht Millionen US-Dollar gehören.