Frist für Ausbau endet Schnelles Internet wird an wichtigen Straßen Pflicht
Bis Januar müssen auf allen Autobahnen und auf wichtigen Bundesstraßen 100 Megabit verfügbar sein. Wie ist es um das mobile Internet in Ostfriesland bestellt?
Ostfriesland - Zwei Monate haben die großen Netzbetreiber noch Zeit – dann muss es überall möglich sein, mit dem Smartphone schnelles Internet zu nutzen. Mindestens 100 Megabit (Mbit) Surfgeschwindigkeit pro Sekunde sind ab Januar vorgeschrieben. Zumindest entlang der Autobahnen sowie der wichtigsten Schienenwege und Bundesstraßen, die Metropolregionen und Oberzentren anbinden. Das schreibt die im November 2019 beschlossene Mobilfunkstrategie der Bundesregierung vor. Das hat auch Auswirkungen auf Ostfriesland.
Was und warum
Darum geht es: wie die Mobilfunkkonzerne das mobile Internet in Ostfriesland ausgebaut haben und noch ausbauen wollen
Vor allem interessant für: Smartphone- und Tablet-Nutzer
Deshalb berichten wir: Uns war eingefallen, dass es ab Januar neue gesetzliche Vorgaben für das deutsche Mobilfunknetz geben soll und wir hatten uns gefragt, welche Auswirkungen das für die Region hat. Den Autor erreichen Sie unter: m.hillebrand@zgo.de
Während der Landstrich zwar keine Metropolregion ist, zählen zu den Oberzentren auch Städte wie das nahegelegene Oldenburg. Außerdem gibt es hier mit der A31 und der A28 zwei Autobahnen, die die Stadt Emden mit den Landkreisen Aurich und Leer verbindet. Wie also ist es um den Ausbau des mobilen Internets in Ostfriesland bestellt? Unsere Zeitung hat die drei großen Netzbetreiber Telekom, Vodafone und O2 Telefónica zum aktuellen Stand des Ausbaus befragt und sich eine unabhängige Abdeckungskarte der Bundesnetzagentur (www.breitbandmessung.de) angesehen.
Einiges ist Ansichtssache
Aus der Karte geht hervor, dass es noch immer mehr oder weniger große „weiße Flecken“ in Ostfriesland gibt. Gebiete also, wo der mobile Internetempfang schlecht ist. Es gibt sogar noch einzelne Orte, wo es noch nicht einmal möglich ist, mit dem Handy zu telefonieren. Die Mobilfunkanbieter hingegen zeichnen ein anderes Bild und begründen, wie sie zu ihren Ergebnissen kommen.
„Vodafone hat sein Mobilfunknetz in Ostfriesland bereits sehr gut ausgebaut und wird auch weiter massiv in die Infrastruktur investieren“, schreibt uns beispielsweise Konzernsprecher Volker Petendorf. „Der mobile Datenverkehr in Ostfriesland wächst rasant – mit einer jährlichen Steigerungsrate von aktuell mehr als 30 Prozent.“ Dank der aktuell 105 Mobilfunkstationen erreiche man eine Netzabdeckung von 99,9 Prozent – nicht nur entlang der wichtigsten Straßen. „Somit bestehen in besiedelten Gebieten keine Mobilfunk-Funklöcher im Vodafone-Netz mehr.“ Verbindungen mit dem Breitband-Internet-Standard LTE gebe es in Ostfriesland in 99,8 Prozent der besiedelten Gebiete.
Bis 2025 soll es überall 5G geben
Was die 100-Mbit-Vorgabe an wichtigen Straßen angeht, so erreiche man schon jetzt überall diese Geschwindigkeit. Sowohl an den beiden Autobahnen als auch an den durch Ostfriesland verlaufenden Bundesstraßen B70, 72, 210, 436 und 461. Bis Mitte kommenden Jahres sollen außerdem jeweils zwei LTE-Funkstationen in Aurich und auf Spiekeroog mit zusätzlichen Antennen ausgestattet werden, um für mehr Internet-Kapazitäten zu sorgen. Das Ziel sei zudem, bis 2025 möglichst die ganze Bevölkerung an das derzeit 5G-Netz anzubinden, also an das derzeit schnellste. Dafür werde man die besagten 105 Mobilfunkstationen nach und nach umrüsten. Derzeit seien schon 63 umgestellt.
Allerdings: Zumindest Vodafone bezieht sich auf seiner eigenen Abdeckungskarte auf die besagten „besiedelten“ Gebiete. „Der Versorgungsauftrag erstreckt sich nicht auf unbewohnte Gebiete abseits von Hauptverkehrswegen“, so der Konzernsprecher weiter. „Ebenso ist bei der Fahrt mit dem Auto die Nutzung der Außenantenne erforderlich, damit auch innerhalb des Wagens ein guter Mobilfunkempfang möglich ist.“ Aber auch an festen Standorten wird „an manchen Adressen“ empfohlen, LTE-Außenantennen zu installieren. „Diese können oftmals den Empfang in den Gegenden verbessern, in denen unser LTE-Netz beim Aufenthalt im Freien verfügbar ist (Outdoor-Versorgung), aber innerhalb von Gebäuden kein LTE-Empfang zu verzeichnen ist (keine Indoor-Versorgung).“
Kritik ist teilweise unbegründet
Schließlich weißt Petendorf noch verteidigend darauf hin, dass nicht jedes Smartphone den schnellen LTE-Standard nutzen könne. Das führe dazu, dass LTE-Funklöcher gemeldet werden, wo keine seien. Die Behauptung, dass die mobile Netzabdeckung in vielen anderen Ländern besser als in Deutschland ist, sei „schlichtweg falsch“ – zumindest, so lange man das mit dem Vodafone-Netz vergleiche. „Allerdings ist es in Deutschland tatsächlich nicht einfach, geeignete Standorte für neue Mobilfunkstationen zu finden.“
Katja Kunicke ist Sprecherin der Telekom AG. Sie schreibt: „Wir sind zuversichtlich, dass wir bundesweit die Vorgaben der Bundesnetzagentur erfüllen werden. Bereits heute erreichen wir mit 5G eine Haushaltsabdeckung von mehr als 92 Prozent, bis 2025 werden 99 Prozent der Haushalte in unserem 5G-Netz surfen können.“
Auch die Telekom will noch ausbauen
In Ostfriesland betreibe die Telekom 170 Mobilfunkstandorte. „Von denen sind heute schon 116 mit Antennentechnik für 5G ausgestattet.“ Um die Bundesstraßen in den Landkreisen Aurich, Leer, Wittmund und der Stadt Emden großflächig mit Mobilfunk abzudecken, werde man bis Ende 2024 zehn neue Standorte errichten. An der A31 zwischen Leer und Emden sollen zwei weitere Standorte hinzukommen. „In den nächsten zwölf Monaten planen wir zusätzlich den Aufbau von drei neuen Standorten in Ostfriesland, um der Nachfrage nach dem ständig steigenden Datenvolumen unserer Kundinnen und Kunden gerecht zu werden.“
Kunicke fährt fort und weist auf die Zufriedenheit der Telekomkunden und auf entsprechende Auszeichnungen hin. Wenn man sich auf die Abdeckungskarte der Bundesnetzagentur bezieht, gibt es so auch zumindest beim Telefonieren im Vergleich zu Vodafone und O2 die wenigsten Funklöcher in Ostfriesland. Bei 5G fällt auf, dass sowohl Vodafone als auch die Telekom zumindest in den meisten Städten und entlang der Hauptstraßen gut abschneiden – teilweise auch darüber hinaus. O2 bildet da mit Abstand das Schlusslicht. Beim etwas langsameren Funkstandard 4G sieht es wiederum um einiges besser aus. Hier gibt es laut der Übersicht keine großen Unterschiede zu Vodafone und der Telekom.
So hat O2 noch vor
O2-Sprecher Florian Streicher nennt auf Nachfrage mehr als 115 eigene Mobilfunkstandorte in Ostfriesland, ein „sehr gut ausgebautes“ Netz. „Damit versorgen wir knapp 100 Prozent der Bevölkerung vor Ort sowohl mit 4G/LTE als auch 2G/GSM. Zudem bauen wir den 5G-Mobilfunkstandard immer weiter aus. Erste 5G-Stationen funken unter anderem in Dornum, Leer, Westoverledingen und Langholt.“
Was die Anbindung an wichtigen Straßen angeht, versorge man „bereits nahezu alle Autobahnen mit Datenraten größer 50 Mbit pro Funkzelle.“ Die ab Januar geltende 100-Mbit-Vorgabe der Bundesnetzagentur werde man erreichen, versichert Streicher. „Wir bauen den 5G-Standard weiter aus, implementieren zusätzliche 4G-Kapazitäten und errichten darüber hinaus auch neue Standorte in bisher unterversorgten Regionen.“