Osnabrück Anna Krez: Protestaktionen von Klimaaktivisten in Museen ernst nehmen
Was ist wichtiger: Kulturgüter schützen oder das Klima? Anna Krez ist Restauratorin und Klimaaktivistin. Sie fordert dazu auf, die Protestaktionen von Klimaaktivisten in Museen nicht nur als Ärgernis zu sehen.
Anna Krez von der deutschen Sektion des Verbandes Museums For Future sieht die Protestaktionen von Klimaaktivisten in Museen den Anlass, die Arbeit von Museen kritisch zu überprüfen. „Museen sind im Kultursektor leider ganz vorne dabei, wenn es um den Energieverbrauch geht. Der CO-2-Abdruck der Museen sollte dringend verringert werden“, sagte Krez im Gespräch mit der Neuen Osnabrücker Zeitung. Hohe Sicherheitsstandards bei der Aufbewahrung von Kunstschätzen und der internationale Leihverkehr für Wechselausstellungen führe dazu, dass Museen einen hohen Energieverbrauch aufwiesen, sagte Krez, die zugleich Restauratorin und Klimaaktivistin ist.
Krez forderte gleichzeitig auf, die Protestaktionen von Klimaaktivisten in Museen differenziert zu betrachten. „Ich kann die Entrüstung bei Museumsmitarbeitern und Bürgern über diese Aktionen verstehen. Zugleich möchte ich aber auch dazu einladen, bei diesen Aktionen in Museen weiter zu blicken und zu sehen, weswegen manche Menschen verzweifelt genug sind, so etwas zu tun: Sie haben Angst vor den Folgen der Klimakrise, vor allem wenn weiterhin politisch zu wenig dagegen unternommen wird“, sagte Krez mit Verweis auf jüngste Protestaktionen. Im Potsdamer Barberini-Museum hatten Klimaaktivisten ein Gemälde von Claude Monet mit Kartoffelbrei überschüttet. Ähnliche Protestaktionen im Namen des Klimaschutzes galten zuletzt Raffaels „Sixtinischer Madonna“ in Dresden und van Goghs „Sonnenblumen“ in London.
„Ich vermute, dass die Klimaaktivisten vor diesen Aktionen offenbar eine Risikoabwägung vorgenommen haben und nur solche Kunstwerke für die Aktionen ausgewählt haben, die entsprechend geschützt sind“, bewertete Anna Krez die Protestaktionen. Die Restauratorin sieht diese und weitere Aktionen als Anlass, über das Verhältnis von Museumsarbeit und Klimaschutz weiter zu diskutieren. „Museumsleute sollten Ausmaß und Art des Leihverkehrs von Kunstwerken überprüfen. Der damit verbundene Ausstoß von CO 2 sorgt für einen klaren Zielkonflikt. Wir sollten unter anderem neu definieren, wie wir Leihverkehr unter Museen praktizieren wollen“, formulierte Krez ihre Forderung.
Nach ihren Worten sollte bei jeder Form von Museumsarbeit mehr Rücksicht auf den Klimaschutz genommen werden. Das gelte auch für die Standards, die für den Erhalt von Kunstschätzen angesetzt würden. „Im Zuge der Energiekrise verweise ich auf die aktuellen Empfehlungen des deutschen Museumsbundes, die engen Standards der Klimakorridore für die Aufbewahrung von Kunstexponaten weiter zu fassen. Darüber hinaus sollten wir auch stärker unterscheiden, welche Exponate besonders empfindlich sind und welche nicht“, plädierte Krez für eine stärkere Unterscheidung bei Museumsbeständen und ergänzte: „Selbst wenn alle Museen ab heute klimaneutral wären, würde die Klimakrise weitergehen. Trotzdem und vielleicht genau deshalb müssen wir dem Thema Klima auch in der Museumsarbeit die Bühne geben, die es braucht, um schneller voranzukommen“.