Osnabrück  Hokuspokus im Harz: „Hexen brennen“ - der Polizeiruf 110 zu Halloween

Joachim Schmitz
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Von Joachim Schmitz
| 26.10.2022 11:51 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Die Hauptdarstellerinnen sind großartig: Gabriela Maria Schmeide (links) als Mutter des Mordopfers und Claudia Michelsen als Kommissarin Doreen Brasch kommen am Tresen ins Gespräch. Foto: MDR/filmpool fiction/Conny Klein
Die Hauptdarstellerinnen sind großartig: Gabriela Maria Schmeide (links) als Mutter des Mordopfers und Claudia Michelsen als Kommissarin Doreen Brasch kommen am Tresen ins Gespräch. Foto: MDR/filmpool fiction/Conny Klein
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Passend zu Halloween zeigt die ARD heute Abend den Magdeburger Polizeiruf 110 „Hexen brennen“. Hokuspokus im Harz mit starker Besetzung.

Wolfgang Stauch (54)  ist ein alter Hase beim Sonntagskrimi der ARD. Seit 2011 hat er nahezu jedes Jahr für mindestens einen Tatort oder Polizeiruf 110 das Drehbuch geschrieben und dabei hinlänglich bewiesen, dass er auch vor schrägen Stoffen nicht zurückschreckt. Schon zweimal war er für den Polizeiruf aus Magdeburg tätig, hat dabei allerdings ziemlich blasse Visitenkarten hinterlassen.

Nun also der dritte Versuch - mit einem Krimi zum Kalender. Da am Montag nicht nur Reformationstag, sondern auch Halloween ist, hat man beim MDR der Versuchung nicht widerstehen können, sich thematisch ans Fest der Monster zu hängen - das ist zwar nicht originell, aber ziemlich gruselig. Schon der Titel „Hexen brennen” macht deutlich, dass die Idee nicht etwa subtil, sondern reichlich plakativ umgesetzt wurde. Und die ersten Bilder des im fiktiven Harzort Thalrode angesiedelten Krimis kommen denn auch daher wie aus einem 50er-Jahre-Gruselfilm für Kinder. Ein Schuss Skepsis ist also angebracht. Wenn man allerdings bereit ist, sich auf ein bisschen Hokuspokus einzulassen, hat dieser Krimi durchaus einen gewissen Reiz.

Am Tag nach Halloween wird eine junge Frau tot aufgefunden - verbrannt auf einem Scheiterhaufen, nachdem sie mit Schädel- und Daumenschrauben gefoltert und ihr Kopf zum Platzen gebracht wurde. Einfach nur ermordet ist im Sonntagskrimi der ARD offenbar nicht mehr en vogue - immer häufiger sind die Opfer entsetzlich entstellt, furchtbar verstümmelt, grauenvoll gequält worden. Als ob man mit einem erschossenen, erstochenen oder erstickten Opfer keinen Fernsehzuschauer mehr hinter dem Ofen hervorlocken könnte.

Tanja Edler war erst vor anderthalb Jahren aus Berlin in den Harz zurückgekehrt und sollte von ihrer Mutter mehrere Hotels, Pensionen und einen Biergarten übernehmen - nun ist sie im Ort ihrer Kindheit Opfer eines Hexenmordes geworden. Ihr Bruder scheint zu mehr als einem Job in der Küche nicht in der Lage zu sein, ihre Mutter steht vor einem Scherbenhaufen. 

Nach und nach stellt die aus Magdeburg angereiste Kommissarin Doreen Brasch (Claudia Michelsen) fest, dass in Thalrode ein tiefer Graben zwischen sich emanzipierenden Frauen und den männlichen Bewohnern des Ortes aufgerissen ist. Die Frauen treffen sich im Wald und gehen eigenwilligen Ritualen nach, die Männer können nicht fassen, dass es die Welt, in der sie es sich gemütlich gemacht hatten, so nicht mehr gibt.

Ute Wieland, die auch schon für den ausgezeichneten Magdeburger Polizei „Black Box“ Anfang Juli verantwortlich zeichnete, inszeniert diesen Krimi mit Nebel, Flüsterstimmen, schwarzen Vögeln, Zeichen schwarzer Magie an Hauswänden, geheimnisvollen Kindern und einem sonderbaren Alten sehr Halloween-gemäß. Immer wieder krabbeln Borkenkäfer durchs Bild, die aus dem Harz einen Baumfriedhof gemacht haben. Das Grauen des wahren Lebens gesellt sich zum Hokuspokus aus Wolfgang Stauchs Drehbuch.

Das größte Plus dieses Krimis aber sind die Darstellerinnen: Claudia Michelsen ist eh eine Bank, Gabriela Maria Schmeide liefert als Mutter des Mordopfers einmal mehr eine schauspielerische Glanzleistung ab, und auch Pit Bukowski überzeugt als ihr Sohn Reiko Edler.

Süßes oder Saures also? Am Ende ist es Geschmackssache.

Polizeiruf 110: Hexen brennen. Das Erste, Sonntag, 30. Oktober, 20.15 Uhr.

Wertung: 4 von 6 Sternen

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