Unglück in Niederlanden  Mehrere Tote bei Fährunglück im Wattenmeer

Martin Alberts
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Von Martin Alberts
| 21.10.2022 18:29 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Einsatzkräfte von Notdiensten treffen am Freitag im Hafen von Harlingen ein. Vor der Küste war eine Fähre mit einem Wassertaxi zusammengestoßen. Foto: Kappers/ANP/DPA
Einsatzkräfte von Notdiensten treffen am Freitag im Hafen von Harlingen ein. Vor der Küste war eine Fähre mit einem Wassertaxi zusammengestoßen. Foto: Kappers/ANP/DPA
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Zwei Schiffe sind vor der niederländischen Insel Terschelling zusammengestoßen. Zwei Menschen starben, zwei weitere werden vermisst. Die Inselbürgermeisterin spricht von einem „schrecklichen Tag“.

Harlingen - Beim Zusammenstoß eines Wassertaxis mit einer Fähre im niederländischen Wattenmeer sind mindestens zwei Menschen ums Leben gekommen. Zwei weitere Personen, darunter ein Kind, wurden am Freitagnachmittag noch vermisst, wie die Küstenwache in Harlingen in der Provinz Friesland mitteilte. Hoffnung, die Vermissten lebend zu retten, hatten die Helfer am Freitag nicht.

Eine Suchaktion war am Mittag zunächst ergebnislos unterbrochen worden, sie sollte aber bis zum Abend fortgesetzt werden, wie Caroline van de Pol, die Bürgermeisterin der Insel Terschelling, laut Medienberichten am Nachmittag sagte. Sie sprach von einem „schrecklichen Tag“.

Waren die Schiffe zu schnell unterwegs?

Am Morgen war das Wassertaxi „Stormloper“ gegen 7.15 Uhr mit acht Menschen an Bord vor Terschelling auf die Fähre „Tiger“ geprallt. Der Unfall geschah ein paar Hundert Meter vor der Insel in einer Fahrrinne im untiefen Wasser. Was genau die Ursache war, ist noch unklar. Es herrschte weder Sturm noch Nebel. Zeugen berichteten aber im Radio, dass beide Schiffe sehr schnell gefahren sein sollen. Van de Pol wollte sich hierzu am Nachmittag nicht äußern und verwies auf die offizielle Untersuchung. Bis Ergebnisse vorlägen, könne es aber dauern. Dies sei „keine Frage von einzelnen Tagen“, sagte sie.

Zunächst war die Küstenwache nur von einem Vermissten ausgegangen, einem zwölf Jahre alten Jungen. Später teilte der Kapitän des Wassertaxis mit, dass noch eine weitere Person vermisst wird. Helfer würden die Strände absuchen, sagte van de Pol – in der Befürchtung, die Leichen der Vermissten könnten dort angespült werden.

Helfer konnten zwei Menschen trotz Wiederbelebung nicht retten

Die niederländische Seenotrettung war nach dem Unglück mit mehreren Booten zur Stelle, um Menschen zu retten und die Vermissten zu suchen. Nach Angaben der Küstenwache ist in dem Gebiet die Strömung so stark, dass Menschen sehr schnell abgetrieben werden.

Vier Personen wurden nach dem Unglück in Krankenhäuser eingeliefert – einige davon schwer verletzt. Das Wassertaxi wurde nach Informationen der Küstenwache schwer beschädigt und sank. Die Seenotretter konnten sechs Menschen bergen, darunter den Kapitän. Man habe noch zwei Menschen reanimiert – doch vergeblich, hieß es. Sie erlagen ihren Verletzungen, wie die Küstenwache mitteilte.

Reederei reagiert auf das Unglück im Wattenmeer

Die Schnell-Fähre „Tiger“ war mit 27 Menschen an Bord auf dem Weg nach Harlingen. Sie wurde zwar durch den Aufprall schwer beschädigt, konnte aber selbstständig bis in den Küstenort weiterfahren. Alle Menschen konnten dort nach Angaben der Einsatzkräfte die Fähre unverletzt verlassen. Das Wassertaxi konnte geborgen und an Land geschleppt werden. Experten untersuchen nun die Schiffe.

Die Fähre „Tiger“ liegt am Freitag im Hafen von Harlingen. Foto: Kappers/ANP/DPA
Die Fähre „Tiger“ liegt am Freitag im Hafen von Harlingen. Foto: Kappers/ANP/DPA

Die Reederei Doeksen, welche die Fähre „Tiger“ betreibt, schrieb am Freitag auf ihrer Webseite, man sei geschockt und traurig nach dem Unglück im Wattenmeer. Reederei-Direktor Dirk Spoor sagte der Zeitung „Leeuwaarder Courant“: „Das ist das Schlimmste, das wir in unserer Geschichte erlebt haben.“

Die Fähre „Tiger“ liege für die Untersuchung durch die Behörden im Hafen von Harlingen, hieß es vom Unternehmen. Der Fährbetrieb könne jedoch eingeschränkt aufrechterhalten werden. Als Zeichen der Anteilnahme würden die Flaggen auf den eingesetzten Schiffen auf halbmast wehen.

Mit Material von DPA

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