Zeit verloren  Weiter keine Idee für unbewohnbare Obdachlosen-Unterkünfte in Leer

Katja Mielcarek
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Von Katja Mielcarek
| 21.10.2022 16:03 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Nicht mehr bewohnbar: Die Obdachlosen-Unterkünfte in der Eisinghausener Straße stehen seit mehr als zwei Jahren leer. Foto: Wolters/Archiv
Nicht mehr bewohnbar: Die Obdachlosen-Unterkünfte in der Eisinghausener Straße stehen seit mehr als zwei Jahren leer. Foto: Wolters/Archiv
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Große Hoffnung hatte die Stadt Leer in Oldenburger Architektur-Studenten gesetzt. Die sollte Lösungen für marode Obdachlosenunterkünfte finden. Das hat nicht geklappt – und konnte auch nicht klappen.

Leer - Seit gut zwei Jahren stehen die sieben Unterkünfte in der Eisinghausener Straße nicht mehr für die Unterbringung von Obdachlosen zur Verfügung. Sie waren mittlerweile so marode, dass sie nicht mehr bewohnbar waren, hatte Erster Stadtrat Detlef Holz vor einem guten halben Jahr berichtet. Das ist ein echtes Problem für die Stadt, die nun extra Wohnungen anmieten muss, um sie Obdachlosen zur Verfügung zu stellen.

Was und warum

Darum geht es: Schon seit zwei Jahren sind die Obdachlosenunterkünfte in der Eisinghausener Straße unbewohnbar. Eine Lösung gibt es immer noch nicht.

Vor allem interessant für: alle, die Anteil nehmen am Schicksal von Obdachlosen

Deshalb berichten wir: Die Stadtverwaltung teilte mit, dass der Versuch, Architektur-Studenten Vorschläge für eine Sanierung oder einen Umbau der Unterkünfte machen zu lassen, gescheitert sei.

Die Autorin erreichen Sie unter: k.mielcarek@zgo.de

Mit rund einer Viertelmillion Euro könnte man die Unterkünfte in der Eisinghausener Straße zwar soweit wieder herstellen, dass darin gewohnt werden könne, es wäre aber eine unverhältnismäßig hohe Investition, um mal gerade einen Mindeststandard zu erreichen, so Holz. Ein Neubau wäre noch teurer – und zeitfressend, weil ein ganz neues Bebauungsplanverfahren durchlaufen werden müsste.

Hoffnung auf Ideen von Architektur-Studenten

Neue Ideen hatte man sich bei der Stadt von den Architektur-Studenten der Jade-Hochschule aus Oldenburg versprochen. Die hatten vor einigen Monaten schon viel gelobte Ideen für eine neue Feuerwache für die Feuerwehr der Kernstadt auf der Nesse beigesteuert und wurden nun wieder kontaktiert.

Auch die neuen Entwürfe seien „ganz toll“ gewesen, aber auch völlig ungeeignet, so Holz. Die Hochschule habe die Aufgabenstellung nämlich selbstständig abgeändert, weil sie sonst nicht für eine Abschluss-Arbeit passend gewesen wäre. Große Neubauten, ja Wohnanlagen, hätten die Studenten entworfen, die aber am Standort der Obdachlosenunterkunft im Außenbereich gar nicht machbar seien. Bei der Präsentation der Ergebnisse hätten sich die Verantwortlichen der Universität dafür entschuldigt. „Am Ende haben wir nur Zeit verloren“, so die Bilanz des Ersten Stadtrates. Auf die Frage von Engeline Kramer (Grüne) in der jüngsten Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses, seit wann die Stadtverwaltung wisse, dass die Vorschläge der Studenten nicht umsetzbar seien, sagte Holz, dass die Präsentation in der zweiten Septemberhälfte gewesen sei.

Die Stadt war frühzeitig informiert

Prof. Dr. Gregor Grunwald, der Architektur-Professor der Jade-Hochschule, unter dessen Regie die Studenten die Entwürfe erstellt haben, bestätigt, dass die Universität das Thema angepasst habe. Es sei in die Bacheloraufgabenstellung integriert worden und habe deshalb auch den Anforderungen der Prüfungsordnung genügen müssen. „Unser Fachbereich nimmt gerne Aufgaben aus dem Alltag auf und bietet den Studierenden Themen mit aktuellem Bezug.“ So sei es auch im aktuellen Fall gewesen.

Das könne aber keine Überraschung für die Stadt gewesen sein, betont Grunwald. Das Verfahren sei „hinreichend mit der Stadt Leer kommuniziert“ worden. Die endgültige Aufgabenstellung habe er am 30. Mai per Mail an die Stadt geschickt. Schon aus rechtlichen Gründen könne die Universität keine Aufträge annehmen oder an Architektur-Wettbewerben teilnehmen und damit in Konkurrenz zu Architekten treten. „Sonst bekommen wir Ärger mit der Architekturkammer.“ Auch die Entwürfe, die seine Studenten für die Feuerwache erarbeitet hätten, seien nicht als Beiträge in einem Wettbewerb zu verstehen, auch wenn die Stadt einen Sieger gekürt und auch gestaffelte Geldsummen ausgezahlt habe.

Was bedeutet die Situation jetzt für die Obdachlosenunterkünfte in der Eisinghausener Straße? „Wir müssen schauen, ob wir es mit Bordmitteln hinkriegen“, so Holz. Im aktuellen Haushalt stünden gut 120.000 Euro bereit. Dass die aber in diesem Jahr abgerufen werden, ist mehr als unwahrscheinlich.

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