Preisträger aus Edewecht  Heizenergie-Verbrauch im Altbau um fast zwei Drittel gesenkt

Andreas Ellinger
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Von Andreas Ellinger
| 20.10.2022 19:26 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 6 Minuten
Energetisch saniert und zwar preiswürdig: Dieser Altbau in Jeddeloh ist nicht nur gedämmt worden, er bezieht seine Wärmeenergie neuerdings aus zwei Bohrlöchern und die zugehörige Wärmepumpe wird mit Solarstrom betrieben. Foto: privat
Energetisch saniert und zwar preiswürdig: Dieser Altbau in Jeddeloh ist nicht nur gedämmt worden, er bezieht seine Wärmeenergie neuerdings aus zwei Bohrlöchern und die zugehörige Wärmepumpe wird mit Solarstrom betrieben. Foto: privat
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Einer der Gewinner des 1. Niedersächsischen Wärmepumpenpreises stammt aus Edewecht. Er hat unserer Zeitung erklärt, mit welch ausgefuchsten Konzept er sein Elternhaus energetisch saniert hat.

Edewecht - Ein Niedrigenergiehaus zu bauen, ist handwerklich, technisch und von den Baustoffen her kein Problem – aber wie verhält es sich mit einem Altbau? Olaf Kluckhuhn hat sich nicht nur entschieden, sein rund 50 Jahre altes Elternhaus in Edewecht energetisch zu sanieren, sondern das unter der Voraussetzung getan, dass die Immobilie während der Arbeiten für die Mieter bewohnbar bleiben muss. Eine Fußbodenheizung konnte er unter diesen Bedingungen beispielsweise nicht einbauen – also musste er sich etwas einfallen lassen. Das brachte ihm beim 1. Niedersächsischen Wärmepumpenpreis, der unter der Schirmherrschaft von Staatssekretär Frank Doods aus dem Umweltministerium stand, die Auszeichnung für „die überzeugendste Wärmepumpe“ ein.

„Überzeugt hat das Gesamtkonzept“, heißt es in der Pressemitteilung der Klimaschutz- und Energieagentur Niedersachsen vom 6. Oktober. „Vermieter und Mieter waren sich einig, dass im Sinne des Klimaschutzes gehandelt werden muss.“ Die Jury bescheinigte: „Die umfassende Sanierung und das Hand-in-Hand-Gehens beider Parteien hat Vorbildcharakter für den Gebäudebestand in ganz Deutschland.“ Was haben Kluckhuhn und seine Mieter bewerkstelligt?

Ölverbrauch von 3500 auf 2000 Liter pro Jahr gesenkt

Die energetische Sanierung begann im Jahr 2017, berichtet der Hauseigentümer – als er sich gegen einen Verkauf des Hauses, sondern für eine Vermietung entschieden hatte. In die zweischaligen Außenwände habe er Kügelchen zur Dämmung reinpusten lassen, erzählt er. Zudem habe er die oberste Geschossdecke, zum Spitzboden hin, isoliert. „Das war so der erste Schritt“, sagt er. Und der habe den Ölverbrauch von 3500 auf 2000 Liter pro Jahr gesenkt. „Die ersten Maßnahmen sind am billigsten“, stellt er im Rückblick fest. „Aber man erreicht am meisten damit.“ Wenn man am Schluss noch das letzte rausholen wolle, werde es teuer und man erreiche nur noch relativ wenig.

Nach der Vermietung im Jahr 2018 machte sich Kluckhuhn im Jahr 2021 Gedanken über die künftige Wärmeversorgung des Hauses. Die Ölheizung sei 20 Jahre alt gewesen. Er zog einen Architekten und einen Energieberater hinzu. Einen Energieberater zu engagieren, „das ist das, was ich allen Leuten empfehlen würde“, sagt der Hauseigentümer. Dessen Leistungen seien vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle mit rund 1500 Euro bezuschuss worden. Ihn selbst habe das nur 300 Euro gekostet.

Kluckhuhn: „Das ist gut für die Umwelt und für den Geldbeutel“

Der Energieberater habe alle relevanten Daten des Hauses aufgenommen und Vorschläge gemacht, „was man energetisch verbessern kann“. In der Folge hat Kluckhuhn in diesem Jahr 150.000 bis 160.000 Euro investiert, wovon 40.000 bis 50.000 Euro mit Fördermitteln finanziert würden. Das Geld investierte er in eine Wärmepumpe mit Erdbohrungen, eine Photovoltaikanlage zur Stromerzeugung, eine Wallbox zum Laden eines Elektroaustos, einen Stromspeicher sowie in eine Dachisolierung plus eine Dachdeckung.

Wirtschaftlich betrachtet, rechne sich das nicht, meint er – wobei er grundsätzlich bezweifelt, dass ein Gebäudeeigentümer ausschließlich nach Wirtschaftlichkeitsgesichtspunkten handeln sollte. Als Vermieter habe er mit neuer Technik sichergehen wollen, dass seine Mieter im Winter nicht plötzlich frieren und er unterstütze Putin nicht mangels Gasverbrauch. Dass er sich gegen eine neue Ölheizung und gegen eine Gastheme entschieden hat, darüber ist Kluckhuhn froh: „Das ist gut für die Umwelt und für den Geldbeutel.“

Altbaudämmung von oben – und von unten

Im Einzelnen hat er die Dachbalken aufdoppeln lassen, um mehr Volumen für die Glaswolle-Dämmung zu bekommen. Das halte im Winter die Wärme im Haus. Auf die Balken kamen zehn Zentimeter starke Hartholzfaserplatten, welche im Sommer die Wärme draußenhalten sollen. Die seien übrigens so wasserfest, dass keine Folie mehr gebraucht worden sei. Um geschätzte 50 Jahre Ruhe zu haben, hat er die Dachpfannen ebenfalls erneuert.

Auch von unten her hat er das Haus gedämmt. Im Kriechkeller habe er einen Sprühschaum in einer Stärke von zehn Zentimetern aufgebracht. Das sei eine flüssige Masse, die sich auch zwischen die Rohre streichen lasse. Im ehemaligen Heizungskeller habe er sich für eine hübschere Lösung entschieden und Dämmplatten verbaut. Damit habe er den Heizöl-Verbrauch noch einmal senken können, von 2000 auf 1200 Liter pro Jahr – jetzt allerdings nur noch rechnerisch. Denn die Wärme bezieht er jetzt über eine Wärmepumpe aus der Erde.

Photovoltaikanlage produziert Strom-Überschüss

Den Strom für die Wärmepumpe liefert weitgehend eine Photovoltaikanlage mit einer Leistung von 8,4 Kilowatt. Die produziere mehr Strom als im Haus verbraucht werde, sagt Kluckhuhn. Er geht von einem Jahresverbrauch von 6000 Kilowattstunden und einer Produktion von 7000 Kilowattstunden aus. Trotzdem wollte er den Stromverbrauch der Wärmepumpe minimieren.

Aus zwei Bohrungen bezieht der Altbau in Edewecht die Erdwärme. Von links: Mitarbeiter der Bohrfirma, Olaf Kluckhuhn (Hauseigentümer) und Yvonne Lunge (Mieterin). Foto: privat
Aus zwei Bohrungen bezieht der Altbau in Edewecht die Erdwärme. Von links: Mitarbeiter der Bohrfirma, Olaf Kluckhuhn (Hauseigentümer) und Yvonne Lunge (Mieterin). Foto: privat

Normalerweise hätte er – wie in Neubauten üblich – eine Fußbodenheizung eingebaut. Das ging aber nicht, weil die Mieter während der Baumaßnahmen das Haus ja weiter nutzen können sollten. Also hat er die Heizkörper aufdimensioniert. Bei alten Häusern würden sie mit 75 Grad Celsius warmem Wasser betrieben, sagt er. In mittelalten Häusern mit 55-Grad-Wasser. Seine größeren Zimmer-Heizkörper können laut Kluckhuhn mit 45 Grad warmem Wasser arbeiten, wie der Energieberater hinsichtlich einer Außentemperatur von minus zwölf Grad errechnet habe. Die Wärmepumpe muss das Wasser folglich um zehn Grad weniger erhitzen.

Zwei Erdwärme-Bohrungen statt einer – und tiefer

Weitere fünf Grad hat Kluckhuhn in der Erde herausgeholt. Statt einer Bohrung hat er sich für zwei entschieden. Und statt der üblichen 100 Meter hat er 130 Meter tief bohren lassen. Im Ergebnis kann er Sole nutzen, die mindestens fünf Grad Celsius warm ist statt im Bereich von null Grad zu liegen.

Kluckhuhn erläutert: „Die Wärmepumpe muss also im Winter die Temperatur von plus 5 Grad Celisus (Austrittstemperatur der Sole) auf 45 Grad Celsius (Vorlauftemperatur der Heizkörper) anheben. Für die Anhebung um 40 Grad Celsius benötigt sie etwas mehr Strom als Wärmepumpen in Neubauhäusern, die häufig auf 0 Grad Celsius (Austrittstemperatur bei einer knapper bemessenen Bohrungstiefe) und 35 Grad Celsius (Vorlauftemperatur Fußbodenheizung) ausgelegt werden.“ Die jährlichen Stromkosten mit Wandheizkörper lägen im Vergleich zu einer Fußbodenheizung „nur um knapp 100 Euro höher“.

Signalwirkung für die energetische Altbausanierung

Wäre in Anbetracht der Kosten und dem etwas eingeschränkten energetischen Nutzen im Altbau eventuell der Neubau eines Niedrigenergiehauses besser gewesen? Olaf Kluckhuhn hielt zumindest in seinem Fall die Altbau-Sanierung für vorzugswürdig. Für einen Neubau würden Ressourcen und Energie verbraucht, die im Altbau schon vorhanden seien: „Ein Neubau geht mit einer Negativbilanz ins Rennen.“

Lothar Nolte, Geschäftsführer der Klimaschutz- und Energieagentur Niedersachsen, betonte die Signalwirkung, die von den erfolgreichen Projekten wie dem von Olaf Kluckhuhn ausgehe: „Die drei Preisträger und alle anderen Bewerber des Niedersächsischen Wärmepumpenpreises zeigen eindrücklich, dass die Wärmepumpe ein Heizsystem ist, das auch in älteren Gebäuden bestens funktioniert.“ Das müsse publik werden: „Dies wäre ein großer Beitrag für den Klimaschutz und für mehr Energiesicherheit in Deutschland.“

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