Briefe kommen zu spät  Post-Chaos auch im Landkreis Leer

Tobias Rümmele
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Von Tobias Rümmele
| 20.10.2022 15:27 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Im Landkreis Leer müssen manche länger als gewöhnlich auf ihre Briefe warten. Foto: Schulze/DPA
Im Landkreis Leer müssen manche länger als gewöhnlich auf ihre Briefe warten. Foto: Schulze/DPA
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Die Deutsche Post bestätigte zuletzt, dass in manchen Regionen nicht mehr an jedem Werktag Briefe zugestellt werden. Nun räumt das Unternehmen ein: Auch der Lankreis Leer ist davon betroffen.

Landkreis Leer - Seit Jahren leiden Briefträger und Paketboten unter enormen Arbeitsbelastungen. Nun ist das System der Deutschen Post offenbar an Grenzen gestoßen. Bundesweit explodiert die Zahl der Beschwerden über das Unternehmen. Immer wieder berichten Menschen, dass ihre Post nur verzögert oder überhaupt nicht ankommt. Erstmals musste die Deutsche Post jetzt öffentlich einräumen, dass zuletzt in manchen Regionen Briefe nicht mehr an jedem Werktag zugestellt werden.

Was und warum

Darum geht es: Die Post kommt nicht mehr zuverlässig.

Vor allem interessant für: Alle, die auf pünktliche Briefe angewiesen sind.

Deshalb berichten wir: Die Post räumte erstmals öffentlich ein, dass im Landkreis nicht immer an sechs Tagen pro Woche Post zugestellt wird.

Den Autor erreichen Sie unter: t.ruemmele@zgo.de

Auf Anfrage der Redaktion bestätigt eine Sprecherin der Post: Auch der Landkreis Leer ist davon betroffen. In manchen Gebieten konnte nicht mehr täglich die Post zugestellt werden. „Punktuell kommt es auch im Bereich des Landkreises Leer zu Verzögerungen bei der Zustellung von Paketen oder kleinformatigen Sendungen“, berichtet Maike Wintjen, Sprecherin der Deutschen Post AG.

Post: Corona ist schuld

Das Unternehmen begründet die Notlage mit dem plötzlichen Ausfall von Personal. „Wir verzeichnen jüngst vermehrt ad hoc auftretende Krankheitsfälle“, so Wintjen. „Auch unsere Mitarbeiter bleiben generell nicht von Infektionskrankheiten verschont.“ Für die Zeiten in denen akut Personal fehlt, habe die Post ein sogenanntes „Corona-Notfallkonzept“ aufgesetzt.

Dieses sehe unter anderem vor, dass Haushalte nur jeden zweiten Werktag Briefe erhalten. Das Konzept führe dazu, dass die Briefe zwar länger bräuchten, bis sie ankommen, gleichzeitig könnten damit aber längere komplette Zustellausfälle verhindert werden, so die Sprecherin. Auch in Teilen des Landkreises Leer habe das Konzept „an einzelnen Tagen“ gegolten. So wurden dort ebenfalls Haushalte nicht an jedem Werktag von der Post beliefert.

Unternehmen sucht fieberhaft Personal

Die Postsprecherin bittet Betroffene im Namen des Unternehmens um Verzeihung. „Sowohl unsere Betriebsleitung, als auch unsere Zustellkolleginnen und -kollegen vor Ort setzen alles daran, Sendungen so zügig wie möglich auszuliefern und Verzögerungen so gering wie möglich zu halten“, betont sie.

Um der Notlage Herr zu werden, suche die Post nun fieberhaft nach neuem Personal. „Wie alle anderen Unternehmen in Deutschland kämpft auch die Deutsche Post mit der überaus angespannten Lage am Arbeitsmarkt“, berichtet Wintjen. Bereits vor einigen Monaten sei eine Rekrutierungskampagne ins Leben gerufen worden. Auch in Ostfriesland will die Post neue Zusteller für sich gewinnen. „Im Bereich der gesamten Postleitzahlen beginnend 26 stellen wir ein“, erklärt die Sprecherin.

Berichte über schlechte Arbeitsbedingungen

Das Unternehmen biete „guten Arbeitsbedingungen und Löhne“. Bei 38,5 Stunden Arbeitszeit pro Woche verdiene ein Zusteller bis zu 3090 Euro brutto. Hinzu kämen verschiedene Zuschläge. Bei der Post gebe es sichere Arbeitsplätze, so Wintjen. In der Vergangenheit hatte es dagegen immer wieder Berichte darüber gegeben, dass die Arbeitsbedingungen für Zustellerinnen und Zusteller immer schwieriger werden.

Im vergangenen Jahr erklärte Tanja Post, Verdi-Gewerkschaftssekretärin im Bezirk Weser-Ems: „Es gibt eine hohe Befristungsquote.“ Ein Zusteller, der für die Deutsche Post DHL Group im Nordwesten Deutschlands unterwegs ist, berichtete unserer Redaktion auf dem Höhepunkt der Pandemie: „Normalerweise haben wir im November und Dezember Dauerstress.“ Dann sei aber absehbar, dass sich die Situation im Januar und Februar wieder entspanne. „Solche Ruhephasen gibt es derzeit nicht“, so der Bote. „Man ist jeden Tag am Limit.“

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