Heimatsprache im Unterricht Plattdeutsch wird in Neermoor kinderleicht gemacht
An der Focko-Ukena-Schule in Neermoor wird im neuen Schuljahr mehr Platt gesprochen. Für Lehrerin Frauke Tillmann ist es „een Bült Arbeid“, aber auch Motivation.
Neermoor - Die erste Klasse ruft geschlossen „Moin“ zur Begrüßung, und dass sie schon gut Plattdeutsch können, zeigen die Kinder mit dem Lied „Mien lüttje Lateern“. Das Lied können die Schülerinnen und Schüler in Kürze beim Martinisingen in Neermoor singen. Das wäre ein erster Schritt auf dem Weg, den Kindern die Heimatsprache näherzubringen.
Was und warum
Darum geht es: Der Gemeinderat Moormerland diskutierte kürzlich über mehr Plattdeutsch an den Grundschulen – dabei ist Neermoor dafür schon eine Modellschule.
Vor allem interessant für: Plattprooters und Menschen, die es werden wollen
Deshalb berichten wir: Die Schule war nach dem Bericht über die Ratssitzung auf uns zugekommen. Die Autorin erreichen Sie unter: k.lueppen@zgo.de
Seit dem Ende der Sommerferien ist die Focko-Ukena-Schule in Neermoor eine von 114 Modellschulen für Plattdeutsch in Niedersachsen. Das Ziel ist die „Implementierung der niederdeutschen Sprache im Unterricht“, was nichts anderes heißt, als dass auf Platt unterrichtet wird. Von den acht Lehrkräften an der Focko-Ukena-Schule sprechen drei Plattdeutsch, sagt Frauke Tillmann.
Sie spricht selbst von Kindesbeinen an Platt und gibt den Religionsunterricht in der ersten Klasse in ihrer Muttersprache. Den Text von „Mien lüttje Lateern“ ist sie Zeile für Zeile mit den Kindern durchgegangen, hat sie gefragt, was sie so verstehen und dann Hilfe beim Übersetzen gegeben. „Dann haben die Kinder den Text nachgesprochen, noch bevor wir ihn gesungen haben“, so Tillmann.
Platt soll zum Alltag gehören
Der Gemeinderat Moormerland hatte kürzlich dafür gestimmt, mehr Plattdeutsch in die Schulen der Gemeinde zu bringen. In Neermoor ist man schon so weit. Tillmann bereitet Material vor, das von allen Lehrern benutzt werden kann. Eine Aktion ist zum Beispiel „Fredaags segg’ wi Moin“. Statt mit „Hallo“ sollen sich alle gegenseitig mit „Moin“ begrüßen.
Tillmann geht nicht davon aus, dass alle Kinder in Neermoor irgendwann perfekt Platt sprechen. „Man muss sich das ähnlich vorstellen wie Englischunterricht“, sagt sie. Es gehe darum, dass die Kinder überhaupt mit der Heimatsprache in Kontakt kommen. „Bei uns im Dorf kann man sie auf jeden Fall im Alltag hören“, sagt die Lehrerin. Vielleicht kämen die Jungen und Mädchen dazu, mit der älteren Generation Platt zu sprechen.
„Wir werden als Schule nicht auffangen können, was in den 20 Jahren zuvor versäumt wurde“, sagt sie mit Blick auf das drohende Aussterben des Plattdeutschen. Die Sprache werde kaum alle Fächer in der Grundschule erobern können. Bei einigen Sachthemen stoße man an die Grenzen. Aus Tillmanns Sicht ist es nicht notwendig, Plattdeutsch an jeder Moormerländer Grundschule in den Unterricht zu bringen. Es sei nämlich doch „een Bült Arbeid“, wie sie sagt. Sie selbst hat bereits an Fortbildungen zum Thema teilgenommen.
CDU will Platt-Beauftragten
Nach dem Ratsbeschluss zu Plattdeutsch an den Schulen und Kindergärten hat die CDU-Fraktion nun weitere Vorschläge zur Förderung der Sprache gemacht: „Neben einem Plattdeutsch-Lesewettbewerb an Grundschulen und der Förderung von plattdeutschen Theaterstücken möchte die Fraktion auch für Moormerland einen Plattdeutsch-Beauftragten“, heißt es in einer Mitteilung.
Zudem setze sich die CDU dafür ein, dass im Rathaus mehr Platt gesprochen wird. Vielen Ostfriesen falle der Gang in eine Behörde leichter, wenn sie dort ihre Sprache sprechen könnten, so Fraktionschef Dieter Baumann. Außerdem möchte die CDU einen Preis ins Leben rufen für Menschen, die die „sprachliche Beziehung zwischen Jung und Alt auszeichnet“, heißt es weiter.
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