Bildungsmisere Schulen produzieren sozialen Sprengstoff erster Güte
Regelmäßig überprüft das Institut für Qualitätsentwicklung im Bildungswesen, wie es um die Schulbildung von Viertklässlern steht. Ergebnis: Wir haben ein großes Problem.
Es gibt nichts, aber auch gar nichts zu beschönigen: Unser Schulwesen ist eine Katastrophe. Warum ist das so, in einem der reichsten Länder der Welt? Sicher wird in den nächsten Tagen viel über Strukturen gesprochen, über Inklusion und Schulmodelle, über Gesamtschulen und Schulen im ländlichen Raum und über Problemschulen in den Großstädten. Hoffentlich wird in diesem Zusammenhang aber auch über die grundlegende Misere gesprochen, nämlich dass uns mindestens 30.000, vielleicht auch 40.000 Lehrer fehlen. Um das abzufedern, flickschustern sich die Länder Lösungen zurecht, werben um Quereinsteiger, kürzen Stundentafeln und legen Klassen zusammen. Man braucht nicht allzu viel Fantasie, um sich auszumalen, wie sich das auf die Leistungen der Schüler auswirkt.
Wie sollen nun Kinder, die aus der Ukraine zu uns geflüchtet sind, in ein derart marodes Bildungssystem integriert werden? Ohnehin sind die Verlierer dieses Schulsystems diejenigen, die eh schon benachteiligt sind: die Kinder aus sozial schwachen Familien, die Kinder aus Flüchtlingsfamilien – genau die Kinder, die die maximale Unterstützung bräuchten. Doch die bleibt notgedrungen aus; und so produziert unser Schulsystem zu wenig Bildung, aber dafür sozialen Sprengstoff erster Güte. Um den zu entschärfen, müssten die Länder endlich anfangen, ihre Schulen gut auszustatten – baulich und mit genügend Lehrkräften.
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