Kolumne „Digital total“  Digitale Güter sind nun mal vergänglich

Fabian Scherschel
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Eine Kolumne von Fabian Scherschel
| 18.10.2022 09:12 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Fabian Scherschel
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Spätestens seit Corona streamen auch die Deutschen wie verrückt. Erst einmal ist das ziemlich praktisch – aber es gibt auch ein paar Tücken.

Google hat vor Kurzem angekündigt, seinen Cloud-Gaming-Dienst Stadia zum Januar zu beerdigen. Wer jetzt nicht weiß, was Stadia ist, braucht sich keine Sorgen machen: Diesen Dienst haben wahrscheinlich nur die nerdigsten aller Nerds benutzt. Bei Google Stadia konnte man Videospiele kaufen, die dann auf Google-Servern abgespielt wurden. Eine auf dem eignen Computer, Fernseher oder Mobilgerät installierte App hat dann den Controller-Input zu den Google-Servern hin, sowie Bild und Ton zurück zum eigenen Gerät gestreamt.

Zur Person

Fabian Scherschel, geboren in Duisburg und nun in Düsseldorf lebend, arbeitete bis 2019 als Redakteur für das Tech-Portal Heise-Online und für die Tech-Newsseite „The H“ in London. Als Freiberufler schreibt er unter anderem für das Magazin „c’t“. Mittlerweile hat der begeisterte Podcaster sein eigenes Projekt: fab.industries. Fernseh- und Radiosender schätzen ihn als Experten.

Der ganze Dienst ist knapp zwei Jahre alt und Google stampft ihn jetzt komplett ein. Das liegt daran, dass die ganze Idee von Anfang an darauf fußte, dass die Kunden schnelles und latenzfreies Internet, auch zu Stoßzeiten, haben. Dass das in großen Teilen der Welt – vor allem auch in Deutschland – utopisch ist, wussten alle, nur Google anscheinend nicht. Trotzdem haben Millionen von Menschen diesen Dienst benutzt und Spiele bei Stadia gekauft, einige davon auch in Deutschland. Und jetzt stampft Google diesen Dienst einfach so ein.

Das Ganze ist ein weiteres Omen in einer langen Reihe von Vorkommnissen, die uns zeigen, wie vergänglich digitale Güter nun mal sind. Und das geht uns alle etwas an, nicht nur die Nerds, die bei einem obskuren Google-Dienst Videospiele gekauft haben. Denn immer mehr von uns investieren in digitale Güter. Wir kaufen Bücher für unsere E-Reader, schauen Filme und Fernsehserien über Streaming-Dienste, hören Musik im Streaming-Abo, anstatt Bücher, DVDs und CDs zu kaufen. Dass wir auf diesem Wege aber keine Inhalte kaufen, sondern nur das Recht, uns diese Inhalte anzusehen und anzuhören, wissen die wenigsten. Und sie verstehen deshalb auch nicht, dass man uns diese Rechte jederzeit aus ziemlich willkürlichen Gründen wieder nehmen kann. Das merken wir meist erst, wenn es zu spät ist. Deswegen sollten uns Ereignisse wie der Tod von Stadia dazu anregen, mal über diese neue Art des Konsums nachzudenken.

Kontakt: kolumne@zgo.de

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