Bremer Lob für Kickers  Ex-Werder-Star hat Spaß im Emder Regen

| | 16.10.2022 15:10 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Als Kickers zum 2:2 ausglich, war nicht nur bei Kapitän Tido Steffens (Mitte) die Freude unermesslich. Fotos: Doden
Als Kickers zum 2:2 ausglich, war nicht nur bei Kapitän Tido Steffens (Mitte) die Freude unermesslich. Fotos: Doden
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Philipp Bargfrede bestritt 205 Bundesligaspiele. Er führte Werders U23 zum 4:2-Sieg in Emden, lobte die ostfriesische Atmosphäre und sprach über seine Werder-Rolle und seine Pläne.

Emden - Bislang erntete Regionalliga-Aufsteiger BSV Kickers Emden vor allem Mitleid bei der Konkurrenz. Beim Spiel am Samstag gegen Werder Bremen II setzte es zwar die elfte Niederlage im zwölften Saisonspiel, aber die Emder Fußballer hatten sich mit einem beherzten Spiel trotz der 2:4-Pleite den Respekt des Kontrahenten erworben. „Ein Riesenkompliment an die Gastgeber“, sagte Werder-Trainer Konrad Fünfstück bei der Pressekonferenz. „Ihr seid eine absolute Bereicherung für die Regionalliga und ihr habt auch Qualität.“

Auch der talentierte Ostfriese im Werder-Team zeigte sich vom abgeschlagenen Schlusslicht beeindruckt. „Kickers hat gut gespielt“, sagte U20-Nationalspieler Lasse Rosenboom und bescheinigte den Emdern, die nach einem 0:2-Rückstand vor 668 Zuschauern zwischenzeitlich zum 2:2 ausglichen, eine „starke Willensleistung“.

Bargfrede mag Regen und Emden

Und dem „Superstar“ im Werder-Ensemble gefiel nicht nur die Leistung der Emder, sondern auch die Atmosphäre und sogar der einsetzende Regen. „Ich komme ja vom Land“, sagte der einstige Heeslinger Philipp Bargfrede. Der 33-Jährige bestritt 205 Bundesligaspiele für den SV Werder und ist auf dem Feld der Kapitän und eine Art Vaterfigur der U23-Kicker. Diese Rolle spielte er in Emden vorzüglich.

Philipp Bargfrede ist der Senior im Werder-Team.
Philipp Bargfrede ist der Senior im Werder-Team.

Obwohl Bargfrede einst sogar in der Champions League spielte und in den größten Stadien Europas auflief, ließ er während und nach der Partie keine Spur von Überheblichkeit erkennen und beantwortete im heftigen Nieselregen mitten auf dem Kickers-Rasen locker und geduldig alle Pressefragen. „Ich spiele einfach noch immer gerne Fußball“, erklärte er seinen Karriereausklang in Liga vier. „Und hier in Emden macht es mir so richtig Spaß. Das Stadion ist schön und die Fans machen richtig Stimmung.“ Der Werder-Senior kannte das alles noch aus Bubi-Zeiten. „Vor fast 15 Jahren habe ich hier in der 3. Liga schon gespielt.“

Ex-Profi macht Trainerscheine

Nun betreibt der gelernte Einzelhandelskaufmann einen zweigleisigen Fußballweg. In der Praxis unterstützt er Werders U23 und agiert als Co-Trainer der Bremer U17. In der Theorie absolviert er Trainerscheine und ist mittlerweile bei der B+-Lizenz angekommen. „Mal schauen, wo es mich noch hinführt.“

Im Regionalligateam war der Ex-Profi ein Leistungsträger als Abwehrchef und bereitete per Eckball das frühe 0:1 durch Philipp Kühn vor. Danach setzte Kickers zwar viele Akzente auf dem Feld, vermochte aber die Werder-Abwehr um Bargfrede trotz guter Chancen von Ayo Adeniran, Vafing Jabateh und Milad Faqiryar nicht zu überwinden. Stattdessen konterte Werder zum 0:2-Pausenstand durch Minwoo Kim.

Emder Blitzstart nach der Pause

Kickers aber zeigte mehr Moral als bei den zehn Niederlagen zuvor. „Wir hatten so viele Offensivaktionen wie noch nie in dieser Saison“, sagte Trainer Stefan Emmerling. Die Belohnung folgte nach der Pause. Nach einem Freistoß von Nick Köster und einem Pfostenkopfball von Marvin Eilerts bugsierte Corvin Braun schon in der 46. Minute den Ball zum 1:2 ins Netz. Und die bei Standards äußerst gefährlichen Gastgeber glichen in der 56. Minute nach einem Eckball sogar zum 2:2 aus. Die Flanke von Andre N‘Diaye köpfte Adeniran unter dem Jubel der Fans ins Netz.

Werders Ostfriese Lasse Rosenboom überzeugte.
Werders Ostfriese Lasse Rosenboom überzeugte.

Doch die Gäste ergriffen danach wieder die Initiative. Mehrfach bewahrte Kickers-Torwart Isaak Djokovic mit Glanzparaden gegen frei vor ihm auftauchende Bremer sein Team vor einem Rückstand. Aber in der 72. Minute war auch der Supermann im BSV-Tor machtlos. Da fälsche Marvin Eilerts einen Schuss von Mika Eickhoff unhaltbar zum 2:3 ins Netz.

„Die Wiese hat geglüht“

Am Ende leistete sich Milad Faqiryar bei seiner überzeugenden Rückkehr nach langer Verletzungspause noch ein Foul im Strafraum. Den Elfmeter verwandelte Tom Berger zum 2:4-Endstand.

Statistik

Emden: Djokovic, Köster, Faqiryar, Braun, Eilerts, Visser, N’Diaye, Konda (84. Niehues), Jabateh (81. Bamezon), Steffens, Adeniran.

Tore: 0:1 Kühn (5.), 0:2 Kim (26.), 1:2 Braun (46.), 2:2 Adeniran (56.), 2:3 Eickhoff (72.), 2:4 Berger (Elfmeter 87.).

Vom packenden Spiel war selbst Werder-Coach Konrad Fünfstück begeistert: „Es ging rauf und runter, das war englischer Fußball – da hat die ganze Wiese geglüht.“ Kickers-Trainer Stefan Emmerling wirkte weniger euphorisch. „Mehr geht bei uns einfach nicht. Wir zahlen weiter Lehrgeld.“

Auf diesem Video können Sie das Spiel Kickers Emden gegen Werder Bremen II noch einmal sehen

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