Jugendbeteiligung in Leer  Stadt geht Weg der kleinen Schritte

Katja Mielcarek
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Von Katja Mielcarek
| 15.10.2022 12:57 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Jugendliche an der Entwicklung in der Stadt zu beteiligen, ist für viele Städte und Gemeinden eine echte Herausforderung. Symbolfoto: Pixabay
Jugendliche an der Entwicklung in der Stadt zu beteiligen, ist für viele Städte und Gemeinden eine echte Herausforderung. Symbolfoto: Pixabay
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In kleinen Schritten will die Stadt Leer vorgehen, um Jugendliche besser einbinden zu können. Dabei gäbe es gerade jetzt, eine Möglichkeit, junge Leute nach ihren Vorstellungen zu fragen.

Leer - Die Stadtverwaltung möchte einen Draht zu Jugendlichen ab zwölf Jahren bekommen. Bisher gestaltet sich das schwierig, wie Jugendpfleger Arne Salge einräumt. Die Niedersächsische Kommunalverfassung verlangt aber von den Städten und Gemeinden, bei allen Planungen, die die Belange von Jugendliche betreffen, diese Altersgruppe ausdrücklich einzubeziehen. Wie das gelingen könnte, lässt das Gesetz offen.

Die CDU-Fraktion hatte vorgeschlagen, einen Jugendbeirat einzurichten. Der sollte ähnlich wie der Seniorenbeirat oder der für Menschen mit Behinderung immer dann zu Rate gezogen werden, wenn die vertretene Personengruppe betroffen ist. Davon hält die Verwaltung wenig. Die Erfahrung aus anderen Kommunen habe gezeigt, dass es in aller Regel nicht gelingen, Jugendliche für eine längere Zeit an ein solches Gremium zu binden und einen kontinuierlichen und zielführenden Austausch zu etablieren.

Aus der Mottenkiste

Jugendparlament oder Jugendbeirat seien Ideen „aus der Mottenkiste“, mit denen sich die Kommunalpolitiker seit Jahren immer wieder beschäftigen müssten und die sie bisher aus gutem Grund abgelehnt hätten, machte Hauke Sattler in der jüngsten Sitzung des Kinder- und Jugendausschusses mit deutlichen Worten die Position von SPD/Linke klar: „Was wir in städtischen Gremien erleben, wollen wir doch keinem Jugendlichen zumuten. Das ist abstoßend.“ Schließlich wolle man Begeisterung an Politik wecken und nicht das Gegenteil erreichen. Jugendliche an konkreten Projekten zu beteiligen – wie von der Stadtverwaltung vorgeschlagen –, sei der bessere Weg.

Der städtische Weg ist einer der kleinen Schritte. Am Anfang solle ein „Kontaktanbahnungsangebot“, konkret das Politikdinner, stehen. Einige Jugendliche kochen mit einigen Ratsmitgliedern ein Mehr-Gänge-Menü und verlieren dabei die Scheu voreinander. Nach und nach sollen sich Initiativen anschließen, die immer mehr Jugendliche einbinden. Der Kontakt solle zunächst vor allem über die Schulen laufen.

Keine Gegenstimme

Der nächste Schritt sollen Arbeitsgruppen zu konkreten Themen sein. Dabei wolle die Stadt die betroffenen Jugendlichen direkt ansprechen und zur Beteiligung einladen. Erst danach wolle man auf Online-Beteiligungsformate setzen, die in Zusammenarbeit mit anderen Institutionen, wie Schulen oder Jugendzentren, bespielt werden könnten.

Letztlich erklärte sich der Ausschuss einstimmig bereit, dieses Vorgehen zunächst mitzutragen. Allerdings appellierten CDU und Grüne dafür, den Beirat oder das Jugendparlament nicht aus den Augen zu verlieren.

Jugendliche bei Bürger-Workshops?

Im November gibt es in Leer Bürger-Workshops zur weiteren Entwicklung der Innenstadt. Dabei soll es darum gehen, gemeinsam Ideen und Vorschläge zu verschiedenen Themen zu entwickeln. Das wäre doch eine perfekte Gelegenheit, auch Jugendliche einzubinden, sagte Katharina Birch (Grüne). Sie schlug vor, Kontakt mit den Schulen herzustellen, um eine große Beteiligung der jungen Generation zu erreichen.

Ob die Stadt aktiv wird oder man darauf setzt, dass die Jugendlichen sich von alleine an den Workshops beteiligen, blieb in dieser Sitzung ebenso offen, wie am Tag drauf in der Sitzung des Ausschusses für Energie, Klima, Umwelt und Verkehr. Auch dort hieß es, die Workshops seien eine gute Gelegenheit für die jungen Leute, ihre Belange zu vertreten. Die Ankündigung der Stadt, das zu forcieren, blieb auch auf Nachfrage aus.

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