Weil Anwohner genervt waren  Bohrinsel-Besucher müssen andere Strecke nutzen

Tatjana Gettkowski
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Von Tatjana Gettkowski
| 14.10.2022 11:43 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Das grüne Schild wurde inzwischen entfernt. Der Dollartweg darf künftig nur noch von Anliegern befahren werden, nicht mehr von Leuten, die mit ihren Fahrzeugen zur Bohrinsel Dyksterhusen wollen. Foto: Gettkowski
Das grüne Schild wurde inzwischen entfernt. Der Dollartweg darf künftig nur noch von Anliegern befahren werden, nicht mehr von Leuten, die mit ihren Fahrzeugen zur Bohrinsel Dyksterhusen wollen. Foto: Gettkowski
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Die Bohrinsel Dyksterhusen ist ein beliebtes Ausflugsziel – zum Leidwesen der Anwohner. Daher wird der Dollartweg für den Bohrinsel-Tourismus gesperrt.

Dyksterhusen - Einst war die Bohrinsel Dyksterhusen ein Geheimtipp für Naturliebhaber. Inzwischen ist sie zu einem echten Hotspot im Rheiderland geworden. Das Gelände liegt direkt am Dollart. An der Meeresbucht kann man sich bei Sturmfluten den Wind um die Nase wehen lassen, romantische Sonnenuntergänge erleben und sogar schwimmen. Denn hier befindet sich die einzige offizielle Badestelle im Rheiderland. Das spricht sich bei Einheimischen und Urlaubern immer mehr herum. Einige Anwohner sind daher vom immer stärker werdenden Bohrinsel-Tourismus reichlich genervt. Doch nun können sie auf ruhigere Zeiten hoffen.

Was und warum

Darum geht es: Die Bohrinsel Dyksterhusen ist bei Urlaubern und Einheimischen ein beliebtes Ausflugsziel. Im vergangenen Jahr beklagten sich Anlieger über das immer höhere Verkehrsaufkommen auf dem Dollartweg.

Vor allem interessant für: alle, die gerne die Bohrinsel in Dyksterhusen besuchen.

Deshalb berichten wir: Die Anwohner hatten mit ihrer Beschwerde Erfolg. Auf dem Dollartweg ist die Durchfahrt nur noch für Anlieger frei.

Die Autorin erreichen Sie unter: t.gettkowski@zgo.de

Detlev Hilger wohnt gemeinsam mit seiner Frau Anna seit 23 Jahren am Dollartweg. Im vergangenen Jahr hatte er die Nase voll vom Verkehr vor seiner Haustür und hatte sich bereits an die Gruppe Jemgum 21 und den damaligen Ortsvorsteher Gerd Bartinger gewandt. „Vor allem an den Wochenenden war die Situation unerträglich.“ Ihn ärgeren nicht nur Autofahrer, Wohnmobilsten und Motorradfahrer, die über den Dollartweg knattern. In der Zeit der coronabedingten Kontaktbeschränkungen wurde die Bohrinsel Hilger zufolge von jungen Leuten spätabends häufiger als Treffpunkt genutzt. Nach seiner Beschwerde über das enorm gestiegene Verkehrsaufkommen auf dem Dollartweg stellte die Gemeinde dort über Pfingsten ein Verkehrsdisplay auf. Damit kann auch die Zahl der Fahrzeuge erfasst werden. Die Verkehrszählung bestätigte offenbar Hilgers’ Eindruck – und hat nun Konsequenzen für Bohrinsel-Besucher.

Der Dollart ist eine etwa 100 Quadratkilometer große Meeresbucht. Auf der Bohrinsel in Dyksterhusen befindet sich die einzige offizielle Badestelle im Rheiderland. Sie wird an warmen Sommertagen gerne genutzt. Foto: Gettkowski
Der Dollart ist eine etwa 100 Quadratkilometer große Meeresbucht. Auf der Bohrinsel in Dyksterhusen befindet sich die einzige offizielle Badestelle im Rheiderland. Sie wird an warmen Sommertagen gerne genutzt. Foto: Gettkowski

Nur noch Anlieger haben freie Fahrt

„Der Dollartweg darf nur noch von Anliegern befahren werden“, bestätigte Bürgermeister Hans-Peter Heikens auf Nachfrage. Das kleine grüne Schild, das Ausflüglern an der Pogumer Straße den Weg zur Bohrinsel wies, wurde inzwischen abmontiert. Nach einer verkehrsbehördlichen Anordnung durch den Landkreis Leer gibt es eine neue Wegführung für Bohrinsel-Besucher.

An der Zufahrt zum Dollartweg an der Einmündung der Pogumer Straße und in umgekehrter Richtung am Wohnmobilstellplatz am Deich in Richtung Dollartweg werden laut Heikens Schilder „Durchfahrt verboten – Anlieger frei“ aufgestellt. „Paketzusteller sowie Besucher von Anwohnern sowie Gäste von Ferienwohnungen sind von dem Verbot ausgenommen“, erläutert Heikens. Wer die Bohrinsel besuchen will oder den Wohnmobilplatz benutzen will, muss künftig über den Wattweg fahren.

Die Bohrinsel Dyksterhusen liegt im Deichvorland des Dollarts in Dyksterhusen (Gemeinde Jemgum). Sie ist ein beliebtes Ausflugsziel für Urlauber und Einheimische. Archivfoto: Gettkowski
Die Bohrinsel Dyksterhusen liegt im Deichvorland des Dollarts in Dyksterhusen (Gemeinde Jemgum). Sie ist ein beliebtes Ausflugsziel für Urlauber und Einheimische. Archivfoto: Gettkowski

Was passiert bei Gegenverkehr?

Das wird von einigen Ortskundigen aber kritisch gesehen. Der Wattweg führt über einen schmalen Sommerdeich und wird auch vom landwirtschaftlichen Verkehr genutzt. Die Fahrbahn ist einspurig. Das könnte auch nach Einschätzung von Gerd Bartinger zu Problemen führen. Der frühere Ortsvorsteher, der inzwischen für Jemgum 21 im Gemeinderat sitzt, hatte sich seinerzeit für die Wünsche der Anwohner stark gemacht. „Allerdings gibt es auf dem Wattweg zwei bis drei Haltebuchten, an denen Fahrzeuge bei Gegenverkehr warten können“, so Bartinger. Wenn sich dort zwei Wohnmobile begegnen, könnte es durchaus zu Problemen kommen. „Wir müssen es mit dieser Lösung erstmal versuchen. Wenn es nicht funktioniert, muss man noch mal neu darüber beraten“, sagt der Ratsherr.

Detlev Hilger ist skeptisch. „Ich halte das für eine Luftnummer“, sagt der Anwohner des Dollartwegs. Er hat die Befürchtung, dass sich durch die neue Beschilderung nicht viel ändern wird. „Viele werden sich als Anlieger fühlen, weil sie das Anliegen haben zur Bohrinsel oder den Wohnmobilstellplätzen zu gelangen“, lautet seine Vermutung. Ihm wäre es lieber gewesen, wenn die „Durchfahrt verboten“-Schilder mit dem Hinweis „Anwohner frei“ ergänzt worden wären. „Das wäre für die Verkehrsteilnehmer deutlicher gewesen.“

Nach Auskunft des Jemgumer Bürgermeisters Hans-Peter Heikens sei das aber nicht möglich. „Für den fließenden Verkehr wie auf dem Dollartweg gibt es ein solches Schild nicht.“ Solch ein Ergänzungsschild gebe es nur für den ruhenden Verkehr, beispielsweise bei Regelung für Anwohnerparkplätze.

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