Hamburg Wirre Aussagen zum Ukraine-Krieg: So reagiert Bohlen auf die Kritik
Mit wirren Aussagen zum Ukraine-Krieg hat Dieter Bohlen für reichlich Kritik gesorgt. Während die AfD den Musiker feiert, sieht dieser sich nun offenbar zu einer Kehrtwende gezwungen.
Sänger und TV-Star Dieter Bohlen ist für seine markigen und oftmals grenzüberschreitenden Sprüche bekannt – unangemessenes Flirten, Beleidigungen und Sticheleien sind sein Markenzeichen. Politisch hielt sich der 68-Jährige zurück – bis Ende August. Damals ließ er sich zu einigen fragwürdigen Theorien zum Ukraine-Krieg hinreißen. Theorien, die jetzt auch Ex-Boxer Wladimir Klitschko, der in der Ukraine politisch aktiv ist, erreicht haben. Klitschko reagiert mit drastischen Worten und zählt Bohlen an.
Aber alles der Reihe nach. Bohlen hatte sich bereits Ende August auf der Veranstaltung „Founder Summit 2022“ zum Ukraine-Krieg geäußert. Die Kernaussage: Sanktionen gegen Russland seien Unfug und würden uns schaden. Dabei haute der selbsternannte „Pop-Titan“ gewohnt kernig die ein oder andere - und oft falsche - Theorien in die Öffentlichkeit.
„Ich bin eben der Meinung – ihr könnt mich ruhig ausbuhen – aber, wenn die diese Sanktionen zum Beispiel nicht gemacht hätten und man hätte sich vernünftig an einen Tisch gesetzt, dann bräuchten die Leute jetzt nicht diesen ganzen Firlefanz machen. Jetzt müssen wir frieren, jetzt müssen wir dies und das – das ist doch alles scheiße“, sagte Bohlen im Interview.
Russland würde jetzt „für viel, viel mehr Geld Gas nach Asien“ verkaufen, der Rubel würde steigen, während der Euro fällt. Das Problem an seinen Aussagen: Der Westen war stets bereit, sich mit Russlands Präsidenten Wladimir Putin an einen Tisch zu setzen, ein diplomatischer Ausweg wurde und wird stets gesucht.
Während Bohlen auf der Bühne für seine Aussagen gefeiert wird, sorgen sie beim Ukrainer Wladimir Klitschko für Kopfschütteln. „Ich höre und lese hier, dass gerade in Deutschland immer wieder die Sanktionen gegen Russland infrage gestellt werden. Wie kann das sein? Ist Dir, Dieter Bohlen, es egal, wenn bei uns Menschen sterben? Ist Dir egal, dass Putin unser Land mit Raketen zerstören will?“, echauffiert sich Klitschko auf Twitter. „Ist Dir egal, dass wir einen Genozid gegen alles Ukrainische erleben? Ja, die wirtschaftliche Situation ist für viele Menschen derzeit eine große Herausforderung, auch in Deutschland.“
Es sei Russland gewesen, das die Ukraine angegriffen hat, das in sein Land eingefallen sei. „Wie kann man auch nur darüber nachdenken, mit diesem Land weiter Geschäfte machen zu wollen?“ Auf die Fragen hat Klitschko von Bohlen bislang keine Antworten bekommen. Der Ukrainer richtet indes einen Appell an die deutsche Bevölkerung: „Bitte, hört nicht auf, an die Menschen in der Ukraine zu denken, wo jeden Tag Menschen sterben und unter dem russischen Terror leiden. Bitte stellt euch denjenigen entgegen, die auf russische Propaganda hereinfallen. Bitte helft uns Ukrainern auch nach acht Monaten Krieg.“
Übrigens: Die AfD feiert erwartungsgemäß die Aussagen von Bohlen. AfD-Chef Tino Chrupalla unterstützt die Ansichten des Nicht-Politikers frenetisch:
„Ohne Sanktionen bräuchten die Bürger nicht zu frieren. Die Sanktionen treffen nicht Russland, sondern die eigenen Bürger. Danke für den Mut zur Wahrheit, Herr Bohlen“, teilte Chrupalla auf Twitter mit. Eine weitere Bohlen-Aussage, unabhängig vom Ukraine-Krieg, dürfte die AfD ebenfalls feiern. Vor seinem Statement zu den Sanktionen gegen Russland griff Bohlen die Grünen an. Niemand aus der Führungsriege hätte einen „Berufsabschluss weder noch wer weiß was“, wenn genau diese Personen von einem Fachkräftemangel sprächen, „dann wird mir so ein bisschen sauer im Magen“. Auch für diese Aussage erhielt Bohlen brausenden Applaus aus dem Publikum.
Mittlerweile äußerte sich Bohlen selbst zu der aufgeflammten Kritik. Gegenüber der „Bild“ erklärte der Musiker: „Ich wünsche mir nichts mehr, als dass dieser Angriffskrieg endet, damit das Leiden in der Ukraine ein Ende hat und wir alle wieder in Frieden leben können.“
Er sei absolut gegen Krieg und wolle, dass die Lage deeskaliert. „Mir deshalb eine politische Richtung zu unterstellen, ist falsch.“