Fassanstich auf Gallimarkt Bei Schlag vier fließt das Bier
Die Eröffnungsfeier im Festzelt auf dem Leeraner Gallimarkt war genau wie immer. Nur die Hauptdarsteller waren in diesem Jahr neu.
Leer - „Is man eenmaal Gallmarkt“ heißt ein Leeraner Sprichwort. Fast bin ich geneigt, das wörtlich zu nehmen, als ich ins Festzelt komme. Seit der letzten Eröffnungsfeier vor drei Jahren scheint sich nichts verändert zu haben. Am Eingang wird mir die Eintrittskarte abgeknöpft – schade, ich wollte sie mir an die Pinnwand tackern.
Was und warum
Darum geht es: Nach der Eröffnungsrede sticht der Bürgermeister der Stadt Leer traditionell ein Bierfass im Festzelt an.
Vor allem interessant für: Gallimarktprofis und solche, die es werden wollen
Deshalb berichten wir: Wir gehören zu den Gästen, die an der Feier teilnehmen dürfen und möchten denen, die nicht hinein können, erzählen, was dort passiert. Die Autorin erreichen Sie unter: k.lueppen@zgo.de
Das Gewusel, bis alle Leute ihren Platz gefunden haben, versetzt mir den nächsten Flashback. Ich sehe Leute, die ich kenne, seit ich für diese Redaktion arbeite. Günther Boekhoff zum Beispiel, an dessen Fersen ich mich 1991 als Volontärin heften musste, eine meiner ersten Geschichten für diese Zeitung. Damals war Boekhoff der Bürgermeister und trug dieselbe Kette, die jetzt blankpoliert das Revers von Claus-Peter Horst ziert.
Das erste Mal
Sobald es mit den Reden losgeht, ist Schluss mit der Vergangenheit. Hier tritt völlig neues Personal an: Für Horst ist es seine erste „richtige“ Gallimarkt-Eröffnung, und auch der Vorsitzende der Schausteller, Timo von Halle, hat hier eine Premiere. Da kann es schon mal vorkommen, dass man einen der 450 geladenen Gäste nicht offiziell begrüßt, obwohl er der Ehrenbürgermeister ist (nämlich Günther Boekhoff). Horst holt das nach, und bittet um Nachsicht, falls er noch jemanden nicht erwähnt haben sollte.
Von Halle und Horst verteilen zunächst Ehrungen für Schausteller, die schon lange zum Gallimarkt kommen. Dann wird Karl-Heinz Langenscheidt nach vorne gerufen und es ist ein bisschen wie früher: Er hat nämlich rund 40 Jahre lang die Schausteller vertreten und ist nun deren Ehrenvorsitzender. „Er ist die Stimme des Gallimarkts“, findet Horst. Langenscheidt gibt gleich zum besten, dass er den Bürgermeister schon seit Jahrzehnten kennt. Damals sei er gerne in der Raupenbahn mitgefahren, „in der wurde immer geknutscht“, sagt Langenscheidt. Ob er den Bürgermeister dabei gesehen hat, lässt er immerhin offen.
Kleineres Zelt, weniger Gäste
Die Reihen sind zwar gut besetzt, aber insgesamt sind es 150 Plätze weniger als in den Vorjahren. Das Zelt ist nämlich kleiner. Keine Ahnung, wer hier nicht anwesend ist – eigentlich scheinen es dieselben zu sein wie immer. Aktuelle Bürgermeister und Abgeordnete, darunter der am Sonntag wiedergewählte Ulf Thiele, die Mitglieder der Partnerstadt-Association mit dem englischen Trowbridge, die Schausteller, Personen aus Wirtschaft und Gesellschaft.
Sie alle sind Zeuge, wie Claus-Peter Horst nun zu einem großen Holzhammer greift und ausholt. Zwei Schläge auf den Zapfhahn würde er brauchen, das soll er sich vorgenommen haben. Es werden vier daraus, bis der Gerstensaft fließt, aber strahlend hebt er den ersten Maßkrug in die Höhe. „Zum Wohle!“
Nun geht es ganz und gar nach der Tradition weiter: Es werden Rinderrouladen, Rotkohl, Bohnensalat, Kartoffeln und Soße gereicht. Sogar einen Gallimarktschnaps können sich die Gäste einschenken, stilecht in einen kleinen Keramikbecher mit dem Bild des Dampfers „Prinz Heinrich“.
Jeder hat ein Exemplar davon auf seinem Teller liegen, ein Geschenk der Schausteller und der Stadt. Zu Hause belegt meine kleine Sammlung, dass es keineswegs stimmt, dass „man eenmaal Gallmarkt“ ist – sonst hätte ich wohl nicht so viele verschiedene Schnapsbecher am Band.