Flensburg Offenbar kein Unfall: Auto der Hells Angels rammte Bandido-Motorrad
Der Audi A8, der auf der Autobahn ein Motorrad der Rockergruppe "Bandidos" gerammt hat, gehörte wohl einem Mitglied der verfeindeten "Hells Angels".
Es ist eine weitere Eskalation im Krieg der verfeindeten Rockerbanden: Ein Mitglied der "Hells Angels" Flensburg soll einen Motorradfahrer der "Bandidos" aus Neumünster mit seinem Wagen gerammt haben. Absichtlich. Das Opfer (24) schwebt in Lebensgefahr. Stefan Jung, Sprecher des Landeskriminalamts (LKA): "Der Mann befindet sich in einem kritischen Zustand."
Was genau ist passiert? Eine Gruppe "Bandidos" aus Neumünster hatte einen Ausflug nach Dänemark gemacht. Um 23.30 Uhr fuhren die Männer mit ihren Motorrädern auf der A7 zurück. Kurz hinter der Grenze rammte plötzlich ein schwarzer Audi A8 eines der Motorräder. Dessen Fahrer stürzte, blieb blutend an der Leitplanke liegen.
Der Audi raste davon. Dann stoppte plötzlich ein VW-Golf, in dem "Hells Angels" saßen. Es kam zu einer Schlägerei. Eisenstangen, Messer und auch eine Schusswaffe wurden gezogen. Ein "Hells Angel" wurde durch Messerstiche ins Bein verletzt, ein zweiter durch Schläge ins Gesicht. Er verlor mehrere Zähne. Die beiden "Hells Angel" flüchteten ins Dickicht abseits der Autobahn.
Streifenwagen trafen ein, Notärzte versorgten den verletzten Motorradfahrer und Polizisten nahmen die Personalien der "Bandidos" auf. Später entdeckten die Beamten die beiden verletzten "Hells Angels", die sich versteckt hatten.
Zeitgleich lief die Fahnung nach dem schwarzen Audi A8 an. Halter soll R. (36) sein, ein "Hells Angel" aus Flensburg. Er wurde noch in der Nacht festgenommen, soll unglaubwürdige Angaben über den Verbleib seines Autos gemacht haben. Beamte entdeckten das gesuchte Fahrzeug wenig später in der Nähe einer Werkstatt. LKA-Sprecher Jung: "Es wies Beschädigungen auf, wurde zwecks kriminaltechnischer Untersuchungen sichergestellt." Die verletzten "Hells Angels" verließen nach ärztlicher Behandlung das Krankenhaus.
Der Autobahn-Angriff könnte weitreichende Folgen haben. Polizeiexperten befürchten Racheakte der "Bandidos". Die Chronik der bisherigen Auseinandersetzungen zeigt, dass beide Seiten zu extremer Gewalt bereit sind.
Am 1. Mai demonstrierten hundert "Hells Angels" mit einem Motorradkorso in Neumünster ihren Machtanspruch in Schleswig-Holstein - als Reaktion auf die Ankündigung der "Bandidos", im Land Fuß fassen zu wollen.
Am 26. Juni wurden in Neumünster vier Schüsse auf das Haus von S. (45) abgegeben. Er ist Präsident der "Red Devils", eines Unterstützerclubs der "Hells Angels".
Am 10. August gab es einen Brandanschlag auf das Clubhaus der "Red Devils" Neumünster. Am 12. August konnten starke Polizeikräfte eine Konfrontation zwischen "Red Devils" und "Bandidos" in der Innenstadt von Neumünster gerade noch verhindern. Am 19. August ging das Auto von "Red Devils"-Präsident S. in Flammen auf.
Letzte Überarbeitung am 23. August 2022.