Leer-Spieler stellt Strafanzeige  Nach Schlag ins Gesicht folgt der Kreisklassen-Spielabbruch

| | 11.10.2022 17:24 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Auch Ordner hätten diesen Spielabbruch nicht verhindern können. Die Aufregerszene zwischen Kickers II/Germania Leer III und Borussia Leer passierte während der Partie auf dem Spielfeld. Archivfoto: Jens Doden/Emden
Auch Ordner hätten diesen Spielabbruch nicht verhindern können. Die Aufregerszene zwischen Kickers II/Germania Leer III und Borussia Leer passierte während der Partie auf dem Spielfeld. Archivfoto: Jens Doden/Emden
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Tritte, ein Schlag und eine blutende Lippe: Ein Fußballspiel in Leer hat ein unschönes, vorzeitiges Ende gefunden. Was passiert ist und wie es weitergeht.

Leer - Ein abgebrochenes Fußballspiel der 2. Kreisklasse zwischen Borussia Leer und der SG Kickers Leer II/Germania Leer III ist nun ein Fall für das Sportgericht und möglicherweise auch für die Justiz. Nach einer körperlichen Auseinandersetzung zwischen zwei Akteuren wurde die Partie nach 43 Minuten vorzeitig beendet. Ein SG-Spieler trug nach einem Schlag ins Gesicht eine blutende Lippe davon und soll nach Angaben von Kickers-Vereinschef Ferhat Özdemir auch ein Zahnstück verloren haben. „Er war danach auch im Krankenhaus und hat bei der Polizei Strafanzeige gegen den Borussia-Spieler gestellt“, erklärte Özdemir auf Nachfrage.

In der bis dahin fairen Partie – es stand 1:1 – lief die 43. Minute, als nach einem langen Ball Borussia im Angriff war. Fast alle Augen richteten sich dorthin, während am Strafraum der Gäste zwei Spieler aneinandergerieten. „Die Auseinandersetzung lief aus dem Ruder, als der am Boden liegende Borussia-Spieler mindestens zweimal vom Kickers-Spieler getreten wurde“, erklärte Borussia in einer offiziellen Klubmitteilung auf seiner Facebookseite. „Als Reaktion darauf stand der Borussia-Spieler vom Boden auf, lief zu dem Kickers-Spieler und schlug ihm mit flacher Hand ins Gesicht.“

Schiedsrichter hat Situation nicht gesehen

Kickers-Vorsitzender Özdemir war zu diesem Zeitpunkt wegen eines beruflichen Termins noch nicht vor Ort. „Ich habe nur gehört, dass beide sich nach einem Zweikampf verhakt hatten. Ob dann nachgetreten wurde oder es eine unglückliche Szene war, kann ich nicht beurteilen.“ Borussia-Trainer Mathias Jahn hat die Szene auch nicht gesehen, sich von Spielern aber berichten lassen, dass der Borussia-Spieler absichtlich getreten worden sei. „Wenn der Schiedsrichter das alles gesehen hätte, hätte er aus meiner Sicht beiden die Rote Karte gegeben. Doch das war ja nicht möglich, weil das alles hinter seinem Rücken passierte.“

So konnte der von allen Beteiligten als sehr souverän und umsichtig beschriebene Schiedsrichter Emanuel Schmitz (SV Esterwegen) die Hektik mit anderen Spielern nur beruhigen. Die Streithähne wurden schnell getrennt.

Borussia sperrt Spieler intern

Aber wie sollte es weitergehen? Laut Borussia-Trainer Mathias Jahn hat er sich am Spielfeldrand mit einem aus seiner Sicht als Trainer auftretenden SG-Mann darauf verständigt, beide Spieler vom Feld zu nehmen und mit zehn gegen zehn weiterzuspielen. „Er kam sogar auf mich zu“, sagt Jahn. Doch dann hätten mehrere SG-Spieler interveniert. Sie wollten nicht weiterspielen. „Keiner wusste, wie es danach mit all den Emotionen weitergegangen wäre. Das war eine Vorsichtsmaßnahme“, erklärt Kickers-Chef Ferhat Özdemir, der der Borussia-Darstellung widerspricht und sagt, die drei Trainer hätten als Spieler auf dem Feld gestanden und es sei mit einem Ersatzspieler gesprochen worden. Özdemir selbst kam erst dazu, als die ersten Spieler schon unter der Dusche standen.

Sportlich ist das Ganze nun ein Fall für das Sportgericht. Der Schiedsrichter konnte aber nur das in seinen Bericht schreiben, was er auch gesehen und anschließend erlebt hatte – darunter sollen auch einzelne verbale Beleidigungen Richtung Borussia gewesen sein, so der Gastgeber auf seiner Facebook-Seite. Dort macht Borussia auch deutlich, dass er das Verhalten seines Spielers alles andere als gut heißt: „Auch wenn das Verhalten und die Tritte des gegnerischen Spielers verurteilenswert sind, rechtfertigen sie in keiner Weise die darauffolgende Vorgehensweise des Borussia-Spielers. Auf die Tätlichkeit mit Aggression in dieser Form zu reagieren, ist völlig inakzeptabel und entspricht in keiner Weise dem Wertekonsens des SV Borussia Leer. Wir verurteilen dieses Verhalten aufs Schärfste.“

Der Verein hat den Akteur demnach bis auf Weiteres intern gesperrt. „Der Vorfall wird in den kommenden Tagen detailliert im Gespräch mit Verantwortlichen, der Mannschaft und dem verursachenden Spieler aufgearbeitet.“

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