Kunstrasen-Debatte in Rhauderfehn  „Ampel+“-Äußerungen verärgern TuRa-Vorstand

Holger Weers
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Von Holger Weers
| 10.10.2022 17:48 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
TuRa 07 Westrhauderfehn wünscht sich für die Gemeinde Rhauderfehn einen Kunstrasenplatz. In den Wintermonaten müssen die Fußballer auf andere Standorte, wie den Kunstrasenplatz in Strücklingen, ausweichen. Foto: Weers
TuRa 07 Westrhauderfehn wünscht sich für die Gemeinde Rhauderfehn einen Kunstrasenplatz. In den Wintermonaten müssen die Fußballer auf andere Standorte, wie den Kunstrasenplatz in Strücklingen, ausweichen. Foto: Weers
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Die Fraktion hat Bedenken wegen des angedachten Kunstrasenbaus. Der 2. Vorsitzende von TuRa Westrhauderfehn, Knut Hofmayer, argumentiert dagegen.

Rhauderfehn - Sichtbar verärgert verließ am Donnerstagabend Knut Hofmayer, 2. Vorsitzender von TuRa 07 Westrhauderfehn, den Sitzungssaal der Gemeinde Rhauderfehn. Grund war die lang anhaltende Diskussion im Ausschuss für Sport, Kultur und Ehrenamt, die sich auch um den vom Sportverein favorisierten Bau des Kunstrasenplatzes für Rhauderfehn drehte.

Jacqueline Florian (Bündnis 90/Die Grünen) und Margarete Niemann (SPD), beide von der Fraktion „Ampel+“, hatten aus unterschiedlichen Gründen Bedenken für den Bau eines Kunstrasenplatzes im kommenden Jahr geäußert. Niemann brachte die Kostenexplosion und die Steuermindereinnahmen der Gemeinde Rhauderfehn ins Gespräch, Florian sah darin keinen Nutzen und gab Umweltschutzgründe für ihre Entscheidung an. Sie plädierte für eine abermalige Verschiebung dieses Themas auf eine spätere Sitzung.

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Studie sieht zwei Kunstrasenplätze nötig

Den Bau eines Pumptrack-Parks für Rhauderfehn konnten sich beide jedoch durchaus vorstellen und begrüßten die Umsetzungspläne. Pumptrack ist eine speziell geschaffene Mountainbikestrecke. Dabei kommt es darauf an, ohne zu treten durch Hochdrücken (englisch: pumping) des Körpers aus der Tiefe am Rad Geschwindigkeit aufzubauen.

„Den Bau eines Pumptrack-Parks in Rhauderfehn finde ich super. Das unterstützen wir von Seiten des Vereins auch. Doch ich verstehe die Reaktion der Fraktion ‚Ampel+‘ nicht, die sich offenbar dem Bau eines Kunstrasenplatzes verweigert. Das ist eine einseitige Betrachtungsweise“, so Hofmayer, der nach eigenen Worten „richtig angefressen“ war, als er die Worte der zuvor genannten Lokalpolitikerinnen zu hören bekam. Als Gegenargument führt er unter anderem ein von den drei Kommunen Rhauderfehn, Ostrhauderfehn und Westoverledingen in Auftrag gegebenes Sportentwicklungsplan an. „Diese Studie besagt, das im gesamten Overledingerland zwei Kunstrasenplätze für die insgesamt rund 60.000 Einwohner fehlen“, betont Hofmayer. Als möglicher Standort für Rhauderfehn wird der B-Platz des Sportvereins in Betracht gezogen. Das Gelände gehört der Gemeinde. Auch die Rasenfläche hinter der Mehrzweckhalle an der Werftstraße (gehört dem Landkreis) könnte als möglicher Standort infrage kommen.

Neue Kunstrasenplätze sind umweltschonend

„Im April haben wir mit dem Sportausschuss zusammengesessen, an dem auch die Mitglieder der ‚Ampel+‘-Fraktion teilgenommen haben. Die damaligen Bedenken hinsichtlich der Belastung durch Mikroplastik und weiterer Umweltschutzbedenken sind ein alter Hut. Bei den Kunstrasenplätzen der neuesten Generation wird mit ganz anderen, umweltschonenden Materialien gearbeitet“, so Hofmayer.

Im Vergleich zu einem herkömmlichen Naturrasenplatz besitzt ein Kunstrasenplatz nach den Worten von Hofmayer gleich mehrere Vorteile. „Die Bewässerung fällt weg. Auch die Pflege ist weitaus geringer. Zum Vergleich: Für die Pflege unseres Hauptplatzes müssen wir im Jahr 30.000 bis 35.000 im Jahr aufbringen. Im Sommer fallen allein für die Bewässerung des Rasens hohe Kosten an.“ Und die dürften angesichts der immer länger andauernden Trockenperioden noch weiter ansteigen. Und das nicht nur bei den TuRanern. „Wenn unsere Herren- oder Jugendmannschaften auf dem Kunstrasenplatz in Strücklingen spielen wollen, kostet dies jeweils 120 Euro für 90 Minuten. Findet das Spiel unter Flutlicht statt, kommen noch einmal 150 Euro hinzu. Würde in Rhauderfehn ein Kunstrasenplatzes gebaut werden, könnten durch einen Pachtvertrag, etwa mit dem Landkreis, 500 Euro im Monat generiert werden. Durch Vermietung an andere Vereine kämen weitere Einnahmen hinzu“, bringt Knut Hofmayer die Kostenersparnis und den Einnahmevorteil ins Spiel.

Bürgermeister befürwortet Projekt

Er könnte sich durchaus vorstellen, auch andere Vereine wie den SC Rhauderfehn-Langholt oder den TuS Collinghorst mit ins Boot zu holen. „Viele Vereine haben Probleme, im Jugendbereich geeignete Übungsleiter zu finden. Mit dem Kunstrasenplatz könnten wir ein Zeichen setzen und Fachkräfte von außerhalb anlocken“, argumentiert Hofmayer.

Alle zuvor geschilderten Details hatte TuRa 07 Westrhauderfehn dem Sportausschuss der Gemeinde bereits ausführlich dargelegt. Fußballobmann Christian Schulte hatte sogar einen möglichen Belegungsplan für mehrere Sportvereine ausgearbeitet. „Wir dürfen die ganze Angelegenheit nicht mehr auf die lange Bank schieben. Bei der ursprünglichen Planung vor einigen Jahren kostete der Platz noch 650.000 Euro, jetzt sind wir schon bei über einer Millionen Euro. Die Möglichkeiten für eine Realisierung sind so groß wie noch nie“, betont Hofmayer. Dem Vorhaben des Sportvereins steht die Gemeinde Rhauderfehn durchaus wohlwollend gegenüber. In einer Verwaltungsausschusssitzung zeichnete sich eine überwiegende Mehrheit für den Bau eines Kunstrasenplatzes ab. Es gab nur einige Enthaltungen, ohne Gegenstimme. Auch Rhauderfehns Bürgermeister Geert Müller steht dem Projekt nach eigenen Angaben positiv gegenüber und würde sogar eine weitaus höhere Förderung als üblich durch die Gemeinde Rhauderfehn befürworten.

„In der kleinen Gemeinde Uplengen wird jetzt ein Kunstrasenplatz gebaut. Durch die Mithilfe des Landtagsabgeordneten Ulf Thiele konnten dafür sogar Fördergelder locker gemacht werden. Dass einige Mitglieder der ‚Ampel+‘-Fraktion in Rhauderfehn immer noch beratungsresistent sind, ärgert mich gewaltig. Das Ehrenamt wird hier mit Füßen getreten. Doch wir lassen nicht locker“, gibt sich Hofmayer noch längst nicht geschlagen.