Energiesparmaßnahmen Protest gegen Schließung des JuZ Tichelwarf
Für viele Kinder in Tichelwarf ist das Jugendzentrum das zweite Zuhause. Dass es aus Energiespargründen geschlossen werden soll, wollen sie nicht hinnehmen.
Tichelwarf - Der Discoraum des Jugendzentrums (JuZ) Tichelwarf ist proppenvoll. Kinder und Jugendliche, Eltern und Großeltern und Mitarbeiter haben sich dort am Mittwoch getroffen, um gegen die geplante Schließung des beliebten Treffpunkts zu protestieren. Mädchen und Jungen halten Transparente hoch: „Das JuZ Tichelwarf darf nicht schließen“, „Haben Sie ein Herz für Kinder“, lautet ihr Appell an Bürgermeister Heiko Abbas und die Vertreter der Ratsfraktionen, die der Einladung ins JuZ gefolgt sind.
Der Verwaltungsausschuss – nach dem Stadtrat das wichtigste politische Entscheidungsgremium in Weener – hatte wegen der Energiekrise in seiner jüngsten Sitzung einige Sparmaßnahmen beschlossen. Um den Verbrauch von Gas und Strom zu senken, soll das JuZ Tichelwarf von November bis März geschlossen bleiben. „Wir haben uns diese Entscheidung nicht leicht gemacht.“ Die Frage, wieviel Energie die Stadt insgesamt einspart, kann Abbas nicht beantworten. In Euro und Cent rechne er mit einer Ersparnis von 6000 bis 10.000 Euro.
Wasserturm ist für die Kids keine Option
Nach Vorstellung von Politik und Verwaltung könnten die Kinder und Jugendlichen in der Zeit das JuZ im Wasserturm in Weener nutzen. Das ist für die Kids aber keine Option. Die Tichelwarfer wollen die Schließung verhindern und haben dafür ihre Gründe. „Hier ist jeder willkommen, man findet neue Freunde. Keiner wird ausgeschlossen“, bringt ein Junge die besondere Atmosphäre in der Einrichtung auf den Punkt. Diese Gemeinschaft, so seine Befürchtung, würde zerbrechen, wenn der Treffpunkt mehrere Monate lang nicht zur Verfügung stehen würde. Die Einrichtung in Weener sei viel zu klein. „Das JuZ Tichelwarf ist unser zweites Zuhause und ein Zufluchtsort für uns“, macht ein anderer Junge deutlich.
Daran ist Martina Dannen nicht ganz unbeteiligt. Sie arbeitet seit 23 Jahren im JuZ und ist für viele Kinder und Jugendliche eine Vertrauensperson. Ihr ist anzusehen, wie nahe ihr die Situation geht. Sie hat Mühe, ihre Tränen zurückzuhalten. Das bleibt auch ihren Schützlingen nicht verborgen. „Man kann mit ihr über alle Probleme reden. Nicht umsonst nennen wir sie unsere JuZ-Mutti“, sagt eine Jugendliche. Einige Eltern haben auch Sorge, dass das JuZ dauerhaft geschlossen werden könnte, wie es vor einigen Jahren von der CDU-Fraktion zur Diskussion gestellt worden war.
„Leidtragende sind die Kinder“
Die Einrichtung in Weener ist für viele auch aus einem anderen Grund kein Ersatz. „Die Strecke zum Jugendzentrum in Weener kann man den Kindern in der dunklen Jahreszeit doch nicht zumuten“, argumentiert eine Mutter, und fragt sich, warum bei der Schließung die Wahl nicht aufs JuZ Wasserturm gefallen ist. Dafür hat Bürgermeister Heiko Abbas eine plausible Erklärung parat. „Die Wahl fiel auf Tichelwarf, weil der Strom- und Gasverbrauch hier erheblich höher ist.“ Elfriede Tülp, deren Enkel das JuZ regelmäßig besuchen, kann dieses Argument nicht nachvollziehen. „Das JuZ in Weener hat ja viel kürzere Öffnungszeiten.“ Außerdem habe die Einrichtung drei Jahre lang nicht geöffnet gehabt. „Da hat sich auch keiner drüber beschwert.“
Die Kinder und Jugendlichen haben aber eigene Ideen, wie man eine Schließung abwenden könnte. Sie haben dem Bürgermeister daher eine Liste mit konstruktiven Vorschlägen überreicht, wie man die Energiekosten im JuZ im Winter drücken könnte. „Man könnte die Raumtemperatur auf ein Minimum reduzieren, an einem Wochentag auf alle elektronischen Geräte verzichten und einen Taschenlampenabend einführen“, lauten nur einige ihrer Vorschläge. Einige Erwachsene warfen Rat und Verwaltung Versäumnisse bei der energetischen Sanierung des JuZ Tichelwarf. „Die Leidtragenden sind jetzt die Kinder.“ Einige Erwachsene signalisierten die Bereitschaft zur Eigenleistung. „Die Dämmung des Gebäudes könnten wir selber in die Hand nehmen.“
Der Tichelwarfer Ortsvorsteher Gerrit Dreesmann hält es für den falschen Weg, Einsparungen auf dem Rücken der Kinder auszutragen. „Beide Jugendzentren sollten geöffnet bleiben.“ Dreesmann hat sich von der Eröffnung 1978 bis 1992 selbst ehrenamtlich als JuZ-Leiter engagiert. Er appelliert an die Mitglieder des Verwaltungsausschusses, die Entscheidung zu überdenken. „Den Beschluss kann man umkehren wie in der großen Politik die Gasumlage“, so Dreesmann. In der Sitzung am Dienstag kommender Woche sei Gelegenheit dazu.