Verfahren  Baubeginn der neuen Ledabrücke rückt in die Ferne

Elke Wieking
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Von Elke Wieking
| 06.10.2022 11:23 Uhr | 1 Kommentar | Lesedauer: ca. 5 Minuten
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Bis Ende des Jahres sollte das Verwaltungsverfahren für die neue Stabbogenbrücke in Leer beim Kreis genehmigt sein. Doch es kommt anders: Dieser fordert für das Einschwimmen ein neues Konzept.

Leer - Zwei Wochen ist es her, da wurde nahe der Ledabrücke in Leer eine Panzermine, die noch aus dem Zweiten Weltkrieg stammte, gesprengt. Nun sind die Kampfmittelräumer weg. Sie hatten Monate lang die Leda nach brisanten Altlasten abgesucht und unter anderem Munition, Gewehre, Granaten sowie viel Schrott von der Brücke, die 1945 gesprengt worden war, gefunden. Die Panzermine war der brisanteste Fund. Nun werde der Bau der neuen Stabbogenbrücke über die Leda, die Leer im Zuge der Bundesstraße 70 (B 70) mit dem Oberledingerland verbindet, näher rücken. Dachte man.

Doch jetzt ging eine neue Bombe hoch: Der Landkreis Leer verlangt von der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr in Aurich, die für den Bund als Bauherrn plant, ein „funktionierendes Konzept zum Einschwimmen der Brücke, das von allen Beteiligten mitgetragen wird“. So heißt es auf eine Anfrage dieser Zeitung. Erst dann könne das Planfeststellungsverfahren - also das Verwaltungsverfahren für den Neubau - genehmigt werden, teilt der Landkreis Leer mit.

Die jetzige Ledabrücke wurde nach dem Zweiten Weltkrieg auf den Pfeilern ihrer Vorgängerin gebaut. Diese war 1945, wenige Tage vor Ende des Krieges, von den deutschen Soldaten gesprengt worden, um die Allierten am Vorrücken zu hindern. Die bombadierten Leer und die Kaserne. Foto: Wieking
Die jetzige Ledabrücke wurde nach dem Zweiten Weltkrieg auf den Pfeilern ihrer Vorgängerin gebaut. Diese war 1945, wenige Tage vor Ende des Krieges, von den deutschen Soldaten gesprengt worden, um die Allierten am Vorrücken zu hindern. Die bombadierten Leer und die Kaserne. Foto: Wieking

Die Tide ist der Knackpunkt

Dabei ging die Landesbehörde davon aus, dass das Planfeststellungsverfahren bis Ende dieses Jahres genehmigt wird. Danach hätten die Ausschreibungen, der Bau der neuen Stabbogenbrücke und der Abbruch der maroden alten Brücke beginnen können. Aber nun wird wieder alles verschoben. Wann es losgehen kann, weiß Frank Buchholz, Leiter der Landesbehörde in Aurich, auf Nachfrage nicht.

Knackpunkt ist das sogenannte Einschwimmen der neuen Brücke. Das heißt: Es ist geplant, die 209 Meter lange, 28 Meter hohe, 22,5 Meter breite Brücke vor Ort auf einer Fläche neben dem Einkaufszentrum Multi Süd zu bauen. Sobald das 1400 Tonnen (das sind 1,4 Millionen Kilogramm) schwere Brückenteil fertig ist, sollte es auf der Leda eingeschwommen, sprich über den Fluss gebracht werden. So die Theorie.

Druck von allen Seiten

Das werde aber nach dem Konzept, das die Landesbehörde eingereicht habe, nicht funktionieren, teilte der Landkreis Leer mit. Und Hermann Poppen, Leiter des Wasser- und Schifffahrtsamtes (WSA) Ems-Nordsee in Emden, sieht das genauso. Seine Behörde ist mit im Boot, weil die Leda bei Leer noch eine Bundeswasserstraße ist und damit im Zuständigkeitsbereich des WSA Emden liegt.

Denn: Die Leda, ein Nebenfluss der Ems, ist, genau wie diese, tideabhängig und unterliegt damit Ebbe und Flut. Deshalb wird es nicht einfach, die neue Brücke von einem zum anderen Ufer zu bringen. Die Leda einfach aufzustauen, geht aber auch nicht.

Zwar könnten die Tore des Ledasperrwerks, das gegen Sturmfluten und Hochwasser gebaut wurde und nur wenige Hundert Meter von der Ledabrücke entfernt steht, geschlossen und das Wasser von Leda und Jümme aufgestaut werden. Aber, machen Buchholz und WSA-Chef Poppen deutlich: Die Statik des Bauwerks von 1954 sei eigentlich nicht dafür ausgelegt, dass sehr viel aufgestautes Wasser aus Leda und Jümme auf ein Mal in die Ems schießt. Es sei dafür gebaut, Leer und das Hinterland vor dem Hochwasser der Ems zu schützen. Einseitiger Hochwasserdruck seitens des Binnenlandes sei nicht geplant. Heißt: Der Wasserdruck müsste auf beiden Seiten des Sperrwerks sein.

Das Ledasperrwerk in Leer liegt einige Hundert Meter westlich der Ledabrücke und wurde 1954 in Betrieb genommen. Meistens sind die Tore geöffnet. Bei Sturmflut werden sie aber geschlossen, um Leer und das Hinterland vor Hochwasser zu schützen. Foto: Wieking
Das Ledasperrwerk in Leer liegt einige Hundert Meter westlich der Ledabrücke und wurde 1954 in Betrieb genommen. Meistens sind die Tore geöffnet. Bei Sturmflut werden sie aber geschlossen, um Leer und das Hinterland vor Hochwasser zu schützen. Foto: Wieking

Darf auch das Emssperrwerk geschlossen werden?

Da könnte das Emssperrwerk in Gandersum bei Emden ins Spiel kommen. Auch dort werden die Tore bei Sturmfluten und Hochwasser geschlossen. Aber die Ems wird auch für die Überführungen der riesigen Kreuzfahrtschiffe der Meyer-Werft zur Nordsee aufgestaut. Unklar ist aber noch, ob mit dem Sperrwerk die Ems auch für das Einschwimmen in Leer ausgestaut werden darf. Außerdem mache man sich beim Termin für das Einschwimmen von anderen abhängig, meint Buchholz. Sprich: von einer möglichen Schiffsüberführung und vom Wetter.

Inzwischen seien niederländische Fachleute kontaktiert worden, um an einer Lösung mitzuarbeiten, so Frank Buchholz weiter. „Die haben viel Erfahrung damit.“ Der Landkreis Leer erwartet jedenfalls „einen konkretisierten Lösungsvorschlag“ und die dazu „erforderlichen Unterlagen“. Die müssten dann geprüft und eventuell auch öffentlich neu ausgelegt werden, heißt es.

Was ist mit den Kosten?

Das Einschwimmen der neuen Brücke ist nicht das einzige, was der Kreis bemängelt. Allerdings sei ein neues Konzept entscheident für die Genehmigung, heißt es in einer Pressemitteilung. Es gebe aber noch weitere Punkt. Der Kreis nennt das Umleitungskonzept für den Verkehr. Denn mit dem Bau der neuen Brücke, die drei- statt zweispurig sein soll, ist es nicht getan. Auch die Bundesstraße 70 soll vom Südring in Leer bis zur Kreuzung nach Esklum (Westoverledingen) auf drei Fahrbahnen erweitert und zur neuen Brücke hin verlegt werden. Sie soll 15 Meter weiter westlich (in Richtung Multi) neben der jetzigen Ledabrücke liegen. Während der Jahre langen Bauzeit wird der Verkehr über die alte Brücke fließen, bis die neue steht.

Frank Buchholz, der die Bombe über das unzulängliche Konzept seiner Behörde im Gespräch mit dieser Zeitung selbst platzen ließ, beziffert auf Nachfrage die Baukosten nach wie vor mit 42 Millionen Euro. Ob die Summe gehalten werde, könne er angesichts der gestiegenen Materialpreise - zum Beispiel für Stahl - nicht sagen, fügt der Leiter der Landesbehörde hinzu.

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