Kolumne „Digital total“ Unser neues Leben ohne Strom
Am Dienstag geht es in unserer Kolumne immer um Digitales und Technik. Heute malt sich unser Kolumnist aus, was ein längerer Stromausfall für die Menschen bedeuten würde.
Die Bundesregierung kann nicht mehr kategorisch ausschließen, dass es im Winter zu Stromausfällen in Deutschland kommt, weil sich durch die deutsche Position im Ukraine-Krieg die Energienutzung im Land von fossilen Brennstoffen hin zu Strom verschiebt. Noch scheint sich aber kaum jemand, weder in der Politik noch bei meinen Kollegen in der Presse, wirklich Gedanken darüber gemacht zu haben, was Stromausfälle heutzutage für heftige Konsequenzen haben werden.
Die Welt hat sich in den vergangenen 30 Jahren rapide geändert. Ein Stromausfall bedeutet nicht mehr nur, dass wir ohne Licht, Heizung und Warmwasser in unserer Wohnung sitzen. Wir werden nicht nur nicht mehr arbeiten können, auch in der Freizeit sieht es düster aus. Denn durch die fortschreitende Digitalisierung in allen Bereichen unseres Lebens heißt ein weitreichender Stromausfall auch, dass wir keine Musik mehr hören, nicht mehr Fernsehen und nichts lesen können. Wir können nicht mehr telefonieren und unsere Verwandten und Freunde auch auf andere Weise nicht mehr erreichen. Wir werden nichts mehr kaufen können, da alle Kassen- und Abrechnungssysteme nicht mehr funktionieren. Unser Auto wird nicht mehr aus der Tiefgarage fahren können und manche Leute mit smarten Schlössern werden nicht mehr in ihre Wohnung kommen.
Wenn die Funknetze und Router zusammenbrechen, wird alles, was mit dem Internet verbunden ist, plötzlich nicht mehr funktionieren – und das ist heutzutage verdammt viel. Wer vor ein paar Jahren die Prepper ausgelacht hat, die Vorräte bunkern, dem könnte dieses Lachen in der Zukunft im Hals stecken bleiben. Und auch die Verfechter von E-Autos und elektronischem Zahlungsverkehr werden sich noch umschauen, wenn der Strom mal länger wegbleibt.
Fortschritt ist etwas Schönes. Aber wenn man sich nicht vorher überlegt, wie man ihn absichert, kann es auch nach hinten losgehen. Bei IT-Sicherheit haben wir das doch eigentlich zu genüge gelernt.
Kontakt: kolumne@zgo.de
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