Hannover Wo sparen Sie eigentlich Energie, Herr Althusmann?
Im Interview ruft Bernd Althusmann, CDU-Spitzenkandidat für die Landtagswahl in Niedersachsen am 9. Oktober, zum Energiesparen auf. Und wie sieht sein Beitrag aus?
Frage: Herr Althusmann, im TV-Duell gegen Stephan Weil (SPD) am Dienstag haben einige Beobachter Sie im Vorteil gesehen. Haben Sie für den Fernsehauftritt geübt?
Antwort: Auf jeden Fall habe ich mich vorbereitet. Aber ich war tatsächlich selbst etwas überrascht davon, dass ich an dem Abend meine Botschaften oft sehr klar setzen konnte, ohne dass mir jemand ins Wort fiel. Ich mache kein besonderes Training. Aber nach fünf Jahren als Wirtschaftsminister und stellvertretender Ministerpräsident bin ich natürlich thematisch fit. Und Spaß gemacht hat es mir auch.
Frage: Neuesten Umfragen zur Landtagswahl am 9. Oktober zufolge ist Ihre Aufholjagd dennoch gestoppt. Die SPD bleibt vor der CDU. Woran liegt das?
Antwort: Umfragen geben den Augenblick der Befragung wieder, aber nicht die komplette Stimmung. Solche Abfragen sind das eine, tatsächliche Ergebnisse das andere. Das haben beide zurückliegenden Landtagswahlen gezeigt in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen, in denen die CDU stets besser abgeschnitten hat, als es die Umfragen prognostiziert hatten. Es bleibt ein Kopf-an-Kopf-Rennen bis zum 9. Oktober.
Frage: Deutlicher noch wird der Abstand im persönlichen Vergleich: 35 Prozent würden sich bei einer Direktwahl für Weil entscheiden, aber nur 16 Prozent für Sie. Enttäuscht Sie das?
Antwort: Nein, das ist ein üblicher Wert für den Abstand zwischen einem Amtsinhaber – immerhin seit zehn Jahren im Amt – und dem Herausforderer. Ein Ministerpräsident hat eine höhere mediale Präsenz und einen größeren Bekanntheitsgrad. Das hat keine besondere Aussagekraft. Wer Stephan Weil wählt, bekommt Rot-Grün oder sogar eine Ampel. Das sollte man wissen, denn das ist keine gute Perspektive für unser Land in diesen schwierigen Zeiten.
Frage: Es ist ja nun Ihr zweiter Versuch, Stephan Weil als Ministerpräsident abzulösen. Was machen Sie, wenn es wieder nicht klappt?
Antwort: Darüber denke ich keine Sekunde nach. Ich kämpfe dafür, dass die CDU stärkste Kraft wird. Deshalb verschwende ich keine Zeit darauf, an eine Niederlage zu denken, sonst wäre ich nicht mehr voll bei der Sache. Ich habe jedenfalls – im Gegensatz zu meinem Mitbewerber – noch lange nicht vor, in den Ruhestand zu gehen. Ich habe einen klaren Gestaltungsanspruch und werde anpacken, anstatt die Hände in den Schoß zu legen.
Frage: Sie bleiben in der Politik?
Antwort: Auf jeden Fall. Ich bewerbe mich sowohl um das Amt des Regierungschefs als auch um ein Landtagsmandat. Insofern können Sie davon ausgehen, dass ich in den nächsten Jahren weiterhin mit großer Leidenschaft Landespolitik gestalten werde.
Frage: Halten Sie eine Fortsetzung der Großen Koalition für möglich?
Antwort: Eindeutig ja, aber nur unter Führung der CDU.
Frage: Schwarz-Grün oder Schwarz-Rot: Was wäre Ihnen lieber?
Antwort: In der derzeitigen Situation erscheint mir eine Große Koalition unter Führung der CDU als ein durchaus geeignetes Modell. Wir befinden uns in einer schwerwiegenden Krise, in der ich so manche Festlegung der Grünen in Fragen der Energieversorgung und der Versorgungssicherheit mit Lebensmitteln nicht nachvollziehen kann. Dennoch halte ich die Hürden zwischen CDU und Grünen auch für überwindbar. Das haben sowohl Schleswig-Holstein als auch Nordrhein-Westfalen gezeigt.
Frage: Energie ist das Top-Thema im Wahlkampf. Wie und wo sparen Sie persönlich Energie?
Antwort: Ich laufe zu Hause ständig hinter meinen Kindern her und schalte das Licht aus. Außerdem haben wir die Warmwassertemperatur abgesenkt und nutzen öfter den Kaminofen, um Gas zu sparen. Allen Bürgern ist der Ernst der Lage klar. Ich kann nur an alle appellieren: Wenn wir jetzt nicht deutlich mehr Energie einsparen, wird es zu einer Gasmangellage kommen. Von mir wird es keine Waschlappen- oder Duschtipps geben, aber es ist dringend angezeigt, alle Potenziale des Energiesparens auch wirklich zu nutzen. Da sind alle Bürgerinnen und Bürger ebenso wie die Behörden des Landes und der Kommunen gefordert.
Frage: Bummeln über hell erleuchtete Weihnachtsmärkte und schwitzen in der Sauna: Können wir uns diesen Luxus weiterhin leisten?
Antwort: In einer so ernsten Situation wie momentan ist in der Tat zu überlegen, was machbar und notwendig ist. Dennoch denke ich, dass es Weihnachtsmärkte geben sollte und wir jetzt nicht über jede Lichterkette diskutieren müssen. Die privaten Saunen werden mit Blick auf die extrem gestiegenen Gas- und Strompreise vermutlich ohnehin begrenzt benutzt. Ein Verbot zum Betrieb, wie es etwa beim Heizen privater Pools gilt, brauchen wir meiner Ansicht nach jedenfalls nicht. Jeder weiß um seine persönliche Verantwortung und an die kann ich nur erinnern.
Frage: Ihre große Dienstlimousine ist aber weiterhin ein dicker Diesel?
Antwort: Längst nicht mehr. Es ist ein Benzin-Hybrid-Fahrzeug mit einem Elektro-Motor.
Frage: Mal angenommen, Sie gewinnen die Wahl: Was wäre eine Ihrer ersten Amtshandlungen?
Antwort: Der Erhalt der Förderschule Lernen und die Einführung eines Landespflegegeldes stehen bei mir ganz oben auf der Agenda. Außerdem werde ich sofort ein eigenes Hilfsprogramm für die mittelständischen Unternehmen in Niedersachsen auf den Weg bringen, zum Beispiel für die Bäckereien, aber auch den gesamten Mittelstand. Wie in der Corona-Pandemie werden wir die Lücken des Bundesprogramms schließen. Die Vorbereitungen sind erledigt. Im November können wir starten.