Hessepark bald auf Kino-Leinwand  Junge Filmemacherin startet durch

Vera Vogt
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Von Vera Vogt
| 26.09.2022 20:01 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Eveline Schönfeld erklärt ihre Vision am Set des Films „Auswildern“. Fotos: privat
Eveline Schönfeld erklärt ihre Vision am Set des Films „Auswildern“. Fotos: privat
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„Auswildern“ heißt der Film von Eveline Schönfeld. Die Filmemacherin ist in Weener aufgewachsen und bringt den Hessepark auf die große Leinwand. Bald folgt schon der nächste große Wurf.

Weener - Sie ist auf die Welt gekommen, um zu unterhalten. Das sagt Eveline Schönfeld von sich. Zuerst als Kind, das etwas für die große Schwester aufführt oder kleine Videos mit dem Familien-Camcorder aufzeichnet. Heute ist Schönfeld 24 Jahre alt und Regisseurin – Menschen zu unterhalten, ist für sie noch immer das Beste. Aufgewachsen ist sie in Möhlenwarf, ihren Kurzfilm, mit dem sie ihr Regie-Film-und-Fernsehen-Studium in Köln abgeschlossen hat, drehte sie in der Heimat. Bald ist er in Papenburg im Kino zu sehen. „Ich habe dafür die ganze Heimat eingebunden“, sagt sie.

Was und warum

Darum geht es: Eveline Schönfeld ist eine junge Filmemacherin. Sie lebt in Köln, aber für ihren Kurzfilm holt sie den Hessepark auf die Kinoleinwand.

Vor allem interessant für: Filmfans

Deshalb berichten wir: Für die Filmemacherin steht schon das nächste große Projekt an.

Die Autorin erreichen Sie unter: v.vogt@zgo.de

Mit zehn Jahren machte sie bei einem Tanzwettbewerb des Disney Channels mit und fuhr dafür nach Köln. „Ich wurde interviewt und es wurde ausgestrahlt. Ich konnte sehen, was hinter der Kamera passierte. Ich sagte zu meiner Mama, dass ich genau das machen will.“ Und so kam es.

Unter anderem wurde im Hessepark und Papenburger Stadtpark gedreht.
Unter anderem wurde im Hessepark und Papenburger Stadtpark gedreht.

Worum geht es in dem Film?

Ihr Film „Auswildern“ ist ein Science-Fiction-Film. „Die Art, die ich mag. Es ist ein spannender Thriller, der in der Zukunft spielt, kein Film mit fliegenden Autos“, sagt sie. Er spiele in einer Welt, in der man die Persönlichkeit eines Menschen über einen Chip optimieren kann. „Die Hauptfiguren sind Leon und Anne. Er lässt sich einen Chip implantieren, ohne etwas zu sagen. Er möchte so die Beziehung retten. Insgesamt geht es eben um die Unfähigkeit, die Macken seines Partners zu akzeptieren. Um den Drang zur Selbstoptimierung heute“, sagt Schönfeld. Ein Jahr hat sie am Drehbuch zum Film gesessen. Die Dreharbeiten liefen im Frühjahr 2020.

Wieso wurde in Weener gedreht?

„Der Kontrast von Ostfriesland und Science Fiction hat mich gereizt. Außerdem erzählte eine Nachbarin von den Wildpferden im Hessepark. „Ich fragte mich: ‚Ist das nicht genauso bei Wildpferden, wenn man sie geradebiegen, optimieren will?‘“ Außer im Hessepark wurden Szenen im Papenburger Stadtpark aufgenommen. „Auch die Gegend hier kann futuristisch aussehen“, sagt Schönfeld. Gerade das Kunsthaus von Jan Timmer und Elisabeth Tatenberg schien perfekt. „Ich habe angefragt und die beiden waren unglaublich offen für die Idee. Wir konnten in ihrem Schlafzimmer drehen, das muss man sich einmal vorstellen. Damit habe ich nicht gerechnet, aber so ist es, wenn man in der Heimat dreht.“

Absprachen am Set gibt es viele.
Absprachen am Set gibt es viele.

Der Rückhalt sei riesig gewesen: „Es gab Sponsoren, wir haben einen Wohnwagen gestellt bekommen, wenn es draußen kalt war. Es gab so viele Helfer, die uns unterstützt haben.“ Acht Drehtage brauchte es. „Es war auch eine belastende Zeit. Ein Tonstudio konnte uns doch nicht unterstützen, weil die Filmwelt während Corona an sich eine so schwere Zeit hatte. Wir mussten etwas improvisieren, weil der Hauptdarsteller krank war“, sagt sie. Dieses Auf und Ab sei aber auch das, was sie liebe.

Jytte-Merle Böhrnsen wirkt in dem Film mit. Dieses Foto zeigt sie in einer Szene.
Jytte-Merle Böhrnsen wirkt in dem Film mit. Dieses Foto zeigt sie in einer Szene.

Wer spielt mit?

Bei der Besetzung des Films hat Schönfeld einen Versuch gewagt: „Es ist ein perfekter Cast. Ich kann immer noch nicht glauben, dass ich es geschafft habe, Jytte-Merle Böhrnsen zu engagieren“, sagt sie. Die Filmpreisträgerin und Drehbuchautorin, die unter anderem in Kokowääh 2 mitgespielt hat, war allerdings begeistert vom „Ausgewildert“-Drehbuch. „Ich hatte einfach ihre Agentur angerufen. Ich wollte sie und dachte, es kann nicht schaden. Aber warum sollte sie in einem Film von einer Unbekannten mitspielen? Und tatsächlich hat sie umsonst gespielt.“ In kleineren Projekten hätten Schauspielerinnen und Schauspieler mehr Freiheiten, vielleicht habe sie das gereizt.

Wie geht es weiter?

Am 8. Oktober wird „Auswildern“ um 19 Uhr seine interne Premiere im Kino Papenburg haben. Karten kann man auf der Internetseite des Kinos reservieren. Das nächste Projekt steht schon an. „Ich übernehme die Verfilmung des Spiegel-Bestsellers ‚Generation lebensunfähig‘“, sagt die Filmemacherin. In Menschen Emotionen zu finden, sie zu interviewen und Dokumentarfilme zu machen, sei ihre Passion. „Eigentlich war das gar nicht geplant. Ich habe oft auf Tiktok gesehen, dass Kinder und Jugendliche traurig wirken und Probleme haben. Ich wollte wissen, was passiert da vor den Bildschirmen. Das wollte ich in einer kurzen Doku thematisieren. Da bin ich auf das Buch von Rüdiger Maas gestoßen. Ich schrieb ihn bei Instagram an, ob er ein kurzes Statement abgeben würde. Und er fragte, ob ich mir vorstellen könnte, das Buch zu verfilmen. Immerhin stecke ich mittendrin in der Generation“, so Schönfeld. „Ich, ein Niemand?“, habe sie sich gefragt. Und dann zugesagt. Für die Dreharbeiten geht es weiter weg: Ab Anfang dieser Woche heißt es Sansibar statt Hessepark.

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