Touristische Entwicklung  Debatte um „Outdoor-Werft“ in Papenburg bleibt intensiv

Gerd Schade
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Von Gerd Schade
| 27.09.2022 08:36 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Die CDU-Stadtratsfraktion in Papenburg fordert ein neues Konzept für den Volkspark Bokel. Foto: Schade
Die CDU-Stadtratsfraktion in Papenburg fordert ein neues Konzept für den Volkspark Bokel. Foto: Schade
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Die CDU in Papenburg will ein neues Konzept nach dem Aus der Freizeitanlage im Volkspark Bokel. Das umstrittene Projekt hatte für Diskussionen und für Unruhe gesorgt.

Papenburg - Das Ende der Planungen für die umstrittene Freizeitanlage „Outdoor-Werft“ im Volkspark Bokel in Papenburg produziert weitere intensive „Nachwehen“.

Auch die CDU-Stadtratsfraktion reagiert nun auf den Entschluss des Investors Frank Fennen, von seinem Millionenvorhaben in der Fehnstadt endgültig Abstand zu nehmen. Derweil legte Bürgermeisterin Vanessa Gattung in einem Statement auf Instagram nach. Und der Verein „Naturerhalt Volkspark Bokel“ fühlt sich in den politischen Stellungnahmen zu Unrecht an den Pranger gestellt.

Verein will Beweise für die Vorwürfe

Der noch junge Verein verwahrt sich gegen Vorwürfe, radikal zu sein. Vor allem aber fordert er Mitglieder des Stadtrats, darunter auch die Bürgermeisterin, auf, Behauptungen, wonach Investoren-Vertreter vor Ort bedroht worden seien, zu belegen. Unterdessen drückt nach Gattung, SPD, UWG und FDP nun auch die CDU ihr Bedauern über das Scheitern der „Outdoor-Werft“ aus. „Wir hätten gerne ein weiteres Angebot für junge Leute und Familien in Papenburg gesehen“, erklärte Fraktionschef Burkhard Remmers nach einer Fraktionssitzung am Montagabend in einer Pressemitteilung. Wie es darin weiter heißt, bedaure die CDU, dass „ein interessantes Konzept mit einem tollen Angebot“ gescheitert sei.

Die Christdemokraten formulieren aber auch eine Warnung: „Es darf nicht der Eindruck entstehen, dass Investoren in Papenburg nicht willkommen sind.“ Ähnlich hatte sich zuvor bereits der SPD-Stadtratsfraktionsvorsitzende Ludger Husmann geäußert. „Wir brauchen neue Ideen und Investoren“, so die CDU. Sie mahnt überdies zur Geschlossenheit im Stadtrat. Denn die Fraktion stellt fest: „Papenburg muss aufpassen. Bei dem Standort im Stadtpark rufen die einen, beim Volkspark die anderen. Wenn wir Baugebiete schaffen wollen, rufen die Nächsten, und sogar bei der Schaffung von – auch sozialverträglichem – Wohnraum am Bolwinsweg gibt es Widerstände. So bringen wir Papenburg nicht voran. Wir müssen dieser Entwicklung im Stadtrat geschlossen entgegentreten.“

Potenzial im Volkspark anheben

Unterdessen wolle die CDU „das Potenzial, das im Volkspark liegt“, auch ohne Investor heben. „Wir fordern die Verwaltung auf, hier ein Konzept zu entwickeln, den Volkspark wieder attraktiver und trotzdem naturnah zu gestalten. Die Weiterentwicklung einer Stadt mit fast 40.000 Einwohnern und Naturschutz müssen und können miteinander einhergehen.“ Und auch die Christdemokraten greifen das Thema angeblicher Bedrohungen auf: „Wenn es – von wem auch immer – übergriffige Kritik und Anfeindungen gegen Projektbeteiligte gegeben hat, ist dies mehr als bedrückend und nicht hinzunehmen. Dass solch eine Stimmung aufkommt, zeigt, in welch hochemotionalen Zeiten wir leben.“ Es sei daher „dringend angezeigt, wieder rational und weitsichtig an die vor uns liegenden Aufgaben heranzugehen“. Die CDU-Fraktion stehe jedem Austausch offen gegenüber und biete eine Zusammenarbeit ausdrücklich an.

In einem längeren, persönlich vorgetragenen Statement auf Instagram erklärt Bürgermeisterin Gattung, dass Investor Fennen der Stadt mitgeteilt habe, dass vor allem wirtschaftliche Gründe gegen eine Realisierung der Outdoor-Werft sprechen würden. „Aber auch aufgrund des teilweise massiven Protestes war der Investor nicht länger bereit, dieses wirtschaftliche Risiko einzugehen“, sagt Gattung.

Gattung übt scharfe Kritik

Im Hinblick auf die Frage nach Alternativstandorten wie dem Gelände des früheren Autohauses Giese, beim Campingplatz Poggenpoel, in der Nähe des Dever-Parks oder am Erste-Wiek-See erläutert die Bürgermeisterin, dass diese aus verschiedenen Gründen (Naturschutz, Eigentumsverhältnisse) nicht infrage kommen. Selbstverständlich habe die Stadt in Absprache mit dem Investor all das geprüft, versichert Gattung. Die Entscheidung Fennens, dem sie ausdrücklich danke, finde sie „mehr als bedauerlich“. Er sei stets gesprächsbereit und auch offen für konstruktive Kritik gewesen. Anfragen habe er leider jedoch nicht erhalten. „Stattdessen verschärfte sich auf verschiedensten Wegen der Ton einiger Gegnerinnen und Gegner immer weiter.“ Ausdrücklich betonte die Bürgermeisterin, dass es sich dabei um „einige wenige“ handele.

„Wenn aber ein Investor berichtet, dass er sogar einzelne, am Projekt beteiligte Personen in Gefahr sieht, steht dies in keinem Verhältnis mehr zu einer demokratischen Debattenkultur und ist daher auch schärfstens zu kritisieren“, betont Gattung. Dabei gehe es nicht um Schuldzuweisungen, sondern „um den dringenden Appell, unser Miteinander wieder neu zu denken und zur Sachlichkeit zurückzukehren. Bei allem Verständnis für die Befürchtungen der Menschen bei verschiedensten Vorhaben: Eine Weiterentwicklung bedeutet hin und wieder auch Veränderung. Gerne nehme ich konstruktive Kritik auf und bin für diese auch dankbar“, versichert Gattung. Eine Debatte sollte „aber immer auch mit dem nötigen Respekt geführt werden“.

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