Berlin Systembewegung oder Sekte? Fridays for Future am Scheideweg
Fridays for Future streikt wieder. Rund um die Welt gibt es Veranstaltungen. Doch der große Moment der Bewegung scheint vorbei zu sein. Dabei ist sie wichtiger denn je.
Die gute Nachricht: Fridays for Future schafft es noch, erfolgreich hunderttausende Menschen weltweit zu mobilisieren. Die schlechte: Das interessiert kaum noch jemanden. Kein Wunder, denn wenn ein Kältewinter droht, denkt niemand darüber nach, wie heiß der Sommer in 20 Jahren wird. Klimastreiks werden zur Folklore, die sich kaum auf den öffentlichen Diskurs auswirkt. Dabei würde ein bisschen Alarmismus der Klima-Debatte gut tun.
Das große Ziel der Klimabewegung und der meisten rational denkenden Menschen, die Erderwärmung unter 1,5 Grad zu halten, betrachten renommierte Klimaforscher mittlerweile als illusorisch. Schon jetzt spürt man, wie gefährlich das ist. Älteren Menschen droht vor lauter Hitze der Kreislaufkollaps und ganze Landstriche trocknen aus oder stehen in Flammen.
Was tun? Es gibt zwei Möglichkeiten, die beide in der Klimabewegung zum Einsatz kommen. Die „Letzte Generation“ und „Ende Gelände“ sorgen mit zivilem Ungehorsam dafür, dass man sie nicht ignorieren kann. Diese Protestformen verschrecken jedoch gemäßigtere Zeitgenossen.
Die andere Methode ist in den linksgerichteten Bundestagsfraktionen zu beobachten. Dort gibt es Dutzende junge Abgeordnete, die ihre politische Karriere mit Klimastreiks begonnen haben und das System von innen verändern wollen.
Wer Teil des Systems wird, muss sich jedoch seinen Regeln beugen - auch wenn das bedeutet als Grüner Laufzeitverlängerungen für Kohlestrom und Atomkraft mitzutragen, um die deutsche Verbrennermotoren-Industrie zu retten.
Allzu kompromissbereite Systembewegung oder kleine radikale Klimasekte? Beides ist nicht besonders attraktiv. Hoffentlich können Fridays for Future und ihre Mitstreiter diesen Widerspruch auflösen. Das wäre im Interesse von uns allen.