Moskau  Nach Teilmobilmachung: Tausende Russen haben bereits das Land verlassen

Sören Becker
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Von Sören Becker
| 22.09.2022 11:11 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Ein russischer Wehrpflichtiger ist nach seiner Einberufung den Tränen nahe. Foto: dpa/Maxim Shipenkov
Ein russischer Wehrpflichtiger ist nach seiner Einberufung den Tränen nahe. Foto: dpa/Maxim Shipenkov
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Nach der russischen Teilmobilmachung ist die Grenze zu Finnland geschäftiger als sonst und Flüge aus Russland sind ausverkauft. Viele Russen wollen offenbar nicht im Ukraine-Krieg kämpfen.

Viele Russen wollen anscheinend nicht in der Ukraine kämpfen. Nachdem Wladimir Putin die Mobilmachung von 300.000 Soldaten für den Ukraine-Krieg verkündet hat, fliehen zahlreiche Bürger aus dem Land. Theoretisch kann jeder russische Mann zwischen 18 und 50 Jahren eingezogen werden, der den verpflichtenden Wehrdienst absolviert hat. Konkret sind laut Verteidigungsministerium aber zunächst Menschen mit Kampferfahrung im Fokus. Eine Flucht ist nicht ganz ungefährlich. Laut der Menschenrechtsorganisation Pro Asyl wird „Militärdienstentziehung“ mit einer Geldstrafe, drei bis sechs Monaten Haft oder bis zu zwei Jahren Gefängnis bestraft. Das scheint viele Russen aber nicht abzuschrecken.

In den sozialen Medien wurde schon von 35 Kilometern Stau an der Grenze zwischen Russland und Finnland geraunt. Ganz so schlimm ist es nicht, aber dennoch ist an den russischen Grenzübergängen im Moment einiges los.

Die finnische Grenzpolizei hat die Meldungen über dutzende Kilometer lange Staus dementiert. Das geht auch aus einer Webcam vom finnischen Grenzübergang Parkkilaue hervor. Abgesehen von einer Stoßzeit am Morgen ist es dort ruhig.

Aber dennoch: „22.09.2022 um 8 Uhr. Der Verkehr an der Finnisch-Russischen-Grenze hat sich über Nacht intensiviert. 4824 Russen haben Finnland über die östliche Grenze erreicht“, schreibt Matti Pitkännity, Chef des finnischen Grenzschutzes auf Twitter. Dabei seien die Zahlen in letzter Zeit eher niedrig

Wie es in Finnland dann für die Russen weitergeht, ist dabei noch unklar. „Finnland will kein Transitland für Schengen-Visa werden, die andere Länder erteilt haben“, erklärte Innenminister Pekka Haavisto. Man werde versuchen, eine Lösung für russische Touristenvisa zu finden, aber man wolle eigentlich keine russischen Touristen ins Land lassen. Dennoch will man die Grenze nicht schließen, da „es weiter legitime Gründe gibt“, zwischen den beiden Ländern zu reisen.

Wie das Fachportal „Frankfurt Flyer“ berichtet, sind „die schon seit langer Zeit eher raren Flüge ins Ausland in kürzester Zeit nach der Ankündigung der Mobilmachung entweder ausverkauft oder auf dem Niveau von Wucherpreisen“. Insbesondere Flüge in Länder, für die Russen kein Visum benötigen, waren begehrt, wie die „Moscow Times“ berichtet. Also Länder wie Armenien, Georgien und die Türkei.

Ein Oneway-Flug von Moskau nach Ankara sei nicht mehr für unter umgerechnet 2800 Euro zu haben. Auch Flüge in andere Länder wie Aserbaidschan, Kasachstan, Usbekistan und Kirgisistan seien kaum aufzutreiben. Dabei wurde es der staatlichen russischen Fluggesellschaft Aeroflot noch nicht verboten, Tickets an wehrfähige Männer zu verkaufen.

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