Berlin Nachfolge fürs 9-Euro-Ticket: Zu spät, zu teuer
Vor drei Wochen ist das 9-Euro-Ticket ausgelaufen. Und was beschließen die Verkehrsminister jetzt? Eine Arbeitsgruppe einzusetzen, um über ein Nachfolge-Ticket zu beraten. Dabei drängt die Zeit.
Es ist ja nicht so, dass das Thema neu wäre. Die Debatte über einen Nachfolger für das ebenso beliebte wie sinnvolle 9-Euro-Ticket wird geführt, seit der Billigfahrschein im Juni zum Renner wurde. Anstatt dreieinhalb Monate später zu liefern, setzen Bundesverkehrsminister Volker Wissing von der FDP und seine Länderkollegen jetzt eine Arbeitsgruppe ein. Eckpunkte bis Mitte Oktober werden in Aussicht gestellt.
Es gibt inzwischen eine Regierungskommission, die Antworten auf die explodierten Gaspreise finden soll. Eine zweite Kommission kümmert sich um die Strompreise. Und nun also eine dritte Arbeitsgruppe für den ÖPNV. Dabei war spätestens im Sommer klar, dass zahllose Haushalte ab Herbst ihre Rechnungen nicht mehr bezahlen können und ganz schnell Hilfe brauchen. Und ein verbilligter Fahrschein gehört zumindest für all diejenigen dazu, die mit Bussen und Bahnen zur Arbeit fahren können.
Beim 9-Euro-Ticket-Nachfolger wird natürlich wieder ums Geld gestritten. Die Länder wollen mehr davon aus Berlin, dort will FDP-Chef und Finanzminister Christian Lindner die Schuldenbremse einhalten. Wenigstens die notwendige Aufstockung der Regionalisierungsmittel hätte Verkehrsminister Wissing seinem Parteichef aber längst abtrotzen müssen.
Nach Lage der Dinge wird am Ende ein Monatsticket um die 60 Euro ab Januar herauskommen, bundesweit gültig. Das brächte immerhin eine Entlastung für viele. Für eine wuchtige ÖPNV-Offensive, die Pkw-Pendler zum Umsteigen bewegt, wird das kaum reichen.