Wer war gegen Waten? Rätselraten über Stimmen gegen Leeraner Kreisbrandmeister
Nach der gescheiterten Wiederwahl von Kreisbrandmeister Johann Waten wird diskutiert, wieso es so viele Gegenstimmen gab. Er selbst heizt die Debatte an.
Leer / Hesel - 18 Stimmen gegen den amtierenden Kreisbrandmeister Johann Waten – von diesem Ergebnis aus der Abstimmung auf der Führungsebene der Leeraner Kreisfeuerwehr war offenbar nicht nur Waten völlig überrascht. So richtig erklären kann oder will es niemand. Der Kreisbrandmeister schürt jedoch mit einem auf Facebook geäußerten Verdacht die Diskussion.
Was und warum
Darum geht es: Nachdem Kreisbrandmeister Johann Waten seine Wiederwahl ausgeschlagen hat, wird gerätselt, warum 18 Führungskräfte gegen ihn gestimmt haben
Vor allem interessant für: Angehörige der Feuerwehren und Menschen, die sich für das Löschwesen interessieren
Deshalb berichten wir: Ein Facebookpost des Kreisbrandmeisters hatte zusätzlich für Diskussionen gesorgt. Die Autorin erreichen Sie unter: k.lueppen@zgo.de
In der vergangenen Woche wurde im Kreise der Führungskräfte der Kreisfeuerwehr sowie der Gemeinde- und Ortsbrandmeister über eine Wiederwahl Watens abgestimmt. Seine Amtszeit endet im Februar 2023. 65 von 79 Wahlberechtigten waren anwesend. Der Heseler bekam zwar 45 Stimmen, was für seine Wiederwahl reichen würde. Doch 18 Wahlberechtigte wollten ihn für keine zweite Amtszeit wählen, zwei weitere enthielten sich. Daraufhin lehnte Waten die Wiederwahl ab.
Diskussionen am Rande eines Einsatzes
Diese Nachricht, die am Freitag publik wurde, löste schon abends bei ersten Einsätzen Diskussionen aus. Die Feuerwehr Ihrhove und der Gefahrgutzug des Landkreises waren zu einem größeren Einsatz mit mehr als 40 Feuerwehrleuten zum Combi-Markt in Ihrhove ausgerückt. Nachdem die geplatzte Leitung der Kühlanlage geschlossen worden war, bekam man am Rande mit, dass sich Einsatzkräfte über den Rückzug des Kreisbrandmeisters unterhielten. „Weißt du, was da los gewesen ist“?, oder „Warum hat er so viele Gegenstimmen bekommen?“ waren Fragen, die sich die Feuerwehrleute stellten.
Am Sonnabend dann heizte Waten selbst die Debatte weiter an. Auf Facebook äußerte er sich in einer Weise, die bei etlichen Feuerwehrleuten sauer aufstößt. Der Grund: Waten macht Andeutungen, woher die Nein-Stimmen seiner Ansicht nach kommen. Der Kreisbrandmeister schreibt: „Sehr gern wäre ich auch in den kommenden Jahren euer Kreisbrandmeister geblieben, leider hatten, wie sich inzwischen rausgestellt hat, hauptsächlich die Feuerwehren zweier Kommunen aus dem Nordbereich andere Pläne.“
Sind Wehren im Abschnitt Nord Schuld?
Jetzt fühlen sich viele Aktive aus dem Abschnitt Nord an den Pranger gestellt. „Woher will Waten wissen, dass es zwei Wehren aus dem Nordbereich waren, die mit Nein gestimmt haben, es war doch eine geheime Wahl“, sagte ein Ortsbrandmeister. Er möchte ebensowenig öffentlich zitiert werden wie alle anderen Feuerwehrvertreter, die unsere Redaktion auf das Thema angesprochen hat. Das Thema scheint zu heikel zu sein.
Führungskräfte aus dem Brandabschnitt Nord (Borkum, Hesel, Jümme, Leer, Moormerland, Uplengen) weisen entweder Watens Behauptung zurück, aus ihren Reihen seien die Gegenstimmen gekommen, oder sie fragen sich, woher er diese Erkenntnis haben will. „Mich konnte definitiv niemand beobachten, wie ich abgestimmt habe“, sagt einer. Sofern die Stimmzettel nicht „gezinkt waren“, sei eine Zuordnung auf keinen Fall möglich. „Ich persönlich kann mir das Ergebnis nicht erklären“, heißt es von einem anderen.
Kritik an Großfahrzeug und Ehrungen
Anscheinend haben am Ende viele kleinere Entscheidungen des Kreisbrandmeisters dafür gesorgt, dass es 18 Nein-Stimmen bei der Wahl gab. Nach Angaben eines Feuerwehrmitgliedes wollte Waten zum Beispiel einen gebrauchten Milchlaster als spezielles Wasserfahrzeug für die Feuerwehr anschaffen. Bei einem Wasserrohrbruch zum Beispiel sollte der zum Großtanklöschfahrzeug umgerüstete Wagen mit Trinkwasser gefüllt werden. Den betroffenen Haushalten sollte so ermöglicht werden, Trinkwasser zu bekommen.
Der Wagen sollte auch zur Unterstützung der Wehren bei der Bekämpfung von Bränden genutzt werden. Er sollte dann mit Löschwasser gefüllt werden. Nach Angaben eines Feuerwehrmannes waren viele Wehren dagegen – wegen der Kosten. Denn es falle nicht nur der Kaufpreis an, sondern auch die Kosten für die spezielle Reinigung für den Transport von Trinkwasser. „So ein Fahrzeug benötigen wir einfach nicht“, heißt es. Doch Waten soll den Kauf des Tanklasters trotzdem beim Landkreis vorangetrieben haben. Allerdings unterstützte die Kreisverwaltung dieses Vorhaben, die Anschaffung wurde vom Landkreis im März beschlossen.
Kreisbrandmeister Waten soll außerdem immer mal wieder darauf angesprochen worden sein, dass Lehrgangsbescheinigungen häufig erst verspätet den Teilnehmern zugestellt würden. Der Kreisbrandmeister sollte sich einschalten und sich darum kümmern, dass es künftig besser läuft. Doch laut eines Feuerwehrmitgliedes soll sich nichts geändert haben.
„Er hätte nur annehmen müssen“
Ob Querelen dieses Formats jedoch dazu geführt haben, dass ihm knapp ein Viertel der Wahlberechtigten das Vertrauen entzogen hat, ist offen. Ein Feuerwehrvertreter hat eine ganz andere Kritik an Kreisbrandmeister Waten: „Er ist doch gewählt, er hätte nur annehmen müssen.“ Zwar verstehe er seine Verärgerung, dass es 18 Führungskräfte gibt, die ihre Kritik zuvor nicht offen angebracht haben. „Aber man hätte das alles nach der Wiederwahl klären können“, findet der Befragte.