Verbandspokal am Mittwoch  Früher Thailand, jetzt Jeddeloh – Kickers-Gegner kam viel herum

| | 13.09.2022 15:38 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Björn Lindemann spielte zum Ende seiner Laufbahn noch einige Monate in Jeddeloh, ist nun im Sommer als Trainer zurückgekehrt. Foto: Imago
Björn Lindemann spielte zum Ende seiner Laufbahn noch einige Monate in Jeddeloh, ist nun im Sommer als Trainer zurückgekehrt. Foto: Imago
Artikel teilen:

Nächste Englische Woche für Kickers Emden: Die Ostfriesen reisen als Außenseiter zum Pokalspiel nach Jeddeloh. Dort wirkt nun ein Trainer, der als Spieler ein Abenteuer in Thailand erlebte.

Emden/Jeddeloh - Mindestens ein Ostfriese wird nach dem Verbandspokalspiel zwischen den beiden Fußball-Regionalligisten SSV Jeddeloh und Kickers Emden Mittwochabend auf alle Fälle jubeln. Entweder die Außenseiter aus Emden über eine große Überraschung – oder aber Marcel Bergmann im Tor der favorisierten Ammerländer. „Marcel spielt im Pokal, das steht fest. Zumal es gegen seinen Ex-Verein aus Jugendzeiten geht“, hat sich SSV-Trainer Björn Lindemann bereits festgelegt. In der Liga hat Felix Bohe die Nase derzeit vorne. Die Partie beginnt um 19.30 Uhr. Der Sieger hat im noch nicht terminierten Viertelfinale Heimrecht gegen den Ligakonkurrenten TSV Havelse. Der Verbandspokalsieger qualifiziert sich letztlich für den DFB-Pokal.

Weil Felix Bohe gesperrt war, stand der Ostfriese Marcel Bergmann auch im Ligaspiel gegen Kickers Emden im Ligator. Die Partie gewann sein Team Mitte August mit 4:0. Foto: Doden/Emden
Weil Felix Bohe gesperrt war, stand der Ostfriese Marcel Bergmann auch im Ligaspiel gegen Kickers Emden im Ligator. Die Partie gewann sein Team Mitte August mit 4:0. Foto: Doden/Emden

Dort durfte auch Björn Lindemann in seiner lebhaften Profikarriere in der 3. und 2. Liga einige Spiele bestreiten. In der Saison 2009/2010 stieg der Mittelfeldmann nicht nur mit dem VfL Osnabrück in die 2. Bundesliga auf, sondern warf mit dem VfL Hansa Rostock, Hamburger SV und Borussia Dortmund auch die großen Favoriten aus dem Wettbewerb. „Erst im Viertelfinale hat uns Schalke 04 gestoppt“, so der 38-Jährige.

Völlig anderes Leben in Bangkok

2012 stand er sogar in einem Pokalfinale – in Thailand, für Army United im Thai FA Cup. Nach Stationen bei Holstein Kiel, VfB Lübeck, 1. FC Magdeburg, SC Paderborn, VfL Osnabrück und Carl-Zeiss Jena wagte Lindemann mit 28 Jahren etwas Neues, wechselte im Januar 2012 in die 1. Liga nach Thailand. „Ursprünglich sollte es nur ein Jahr sein – letztlich wurden es fünf.“

In der Millionen-Metropole Bangkok erlebte der Deutsche einen völlig anderen Alltag: mit einer fremden Kultur, anderen Essensritualen und einem tropischen Klima. Auch fußballerisch war es für Lindemann nicht einfach. „Der Druck war für uns wenige Ausländer schon sehr groß.“ Sie wurden besser bezahlt und von den einheimischen Spielern auch nicht unbedingt geliebt. Auch wenn Lindemann über eine schnelle Rückkehr nach Deutschland nachdachte, blieb er viel länger als geplant, kämpfte sich auf und neben dem Feld durch. „Das waren fünf spannende Jahre und ein großes Abenteuer“, sagt der Ex-Profi, der in Thailand für mehrere Vereine spielte. Das Wichtigste, das er im Sommer 2017 mit nach Deutschland genommen habe? „Meine Frau und meine Tochter.“

Der Weg in den DFB-Pokal

Alle 36 Erst- und Zweitligisten der abgelaufenen Saison sind jedes Jahr automatisch für den DFB-Pokal qualifiziert, ebenso die ersten Vier der 3. Liga. Die restlichen 24 Teilnehmer werden in den Landespokalwettbewerben der 21 Landesverbände ermittelt.

Wegen seiner Größe erhält der Niedersächsische Fußballverband zwei Startplätze. Einer wird im Wettbewerb der „Amateure“ für die Oberligisten und Bezirkspokalsieger ermittelt, einer im Strang der 3. Liga und Regionalliga. Die beiden Finals finden am „Tag der Amateure“ in Barsinghausen statt.

Familienleben im Münchehagen

Mit seiner thailändischen Ehefrau und der im Dezember sechs Jahre werdenden Tochter lebt Lindemann mit seinen Eltern auf einem umgebauten großen Hof in seinem Heimatort Münchehagen. Er pendelt zwischen dem kleinen Dorf im Landkreis Nienburg und dem kleinen Ort Jeddeloh im Ammerland. „Meine Frau ist beruflich auch ambitioniert, baut sich gerade in Deutschland etwas auf. Das passt dort alles.“ Er selbst arbeitet noch als Finanzberater, auch viel aus dem Home-Office und kann das so wunderbar mit dem semiprofessionellen Fußball in Jeddeloh verbinden. „Ich hätte vor wenigen Jahren noch nicht gedacht, dass ich mal Trainer werde. Aber im Leben kommt es manchmal anders.“

Kickers will nichts „schönreden“

In seinem Heimatverein Münchehagen fungierte er zuletzt als Spielertrainer in der Kreis- und Bezirksliga, als der Anruf seines Ex-Klubs aus Jeddeloh (eine Saison 2019) kam. Bisher läuft es wunderbar. Das Team ist Vierter in der Liga. „Ich bin kein Schleifer als Trainer, aber weiß auch, wann ich die Zügel anziehen muss. Ich kenne ja die Tricks der Spieler“, sagt der 38-Jährige, der als Kicker nicht als Kind von Traurigkeit galt.

Die Emder mussten diese Saison schon einige Niederlagen und Gegentore verdauen. Foto: Doden/Emden
Die Emder mussten diese Saison schon einige Niederlagen und Gegentore verdauen. Foto: Doden/Emden

Mit Marcel Bergmann stellt er einen Ostfriesen ins Tor, der zweite schaut verletzt zu. „Julian Bennert ist verletzt.“ Sein Team gilt im Pokalspiel als Favorit. Das sieht auch Emdens Trainer Stefan Emmerling so. „Wir sind Außenseiter, das zeigt schon ein Blick auf die Tabelle. Aber auch Außenseiter sind schon weitergekommen.“

Das 1:5 in der Liga bei Hannover 96 II am Sonntag tat dem Tabellenletzten vor allem wegen der vielen Gegentore weh. „Das wollen wir gar nicht schönreden. Das ist unsere größte Baustelle“, sagt Emmerling. Auch wenn die Stammkräfte Alagie Jabbie (Lauftraining begonnen) und Milad Faqiryar weiter ausfallen, könnte es Veränderungen in der Startelf geben. Ein Kandidat ist auch Tade Niehues aus Riepe. Der junge vom VfB Oldenburg ausgeliehene Stürmer hat sich mehr Einsatzzeiten versprochen, erzielte als Joker in Hannover den Ehrentreffer. „Er arbeitet sich im Training heran.“

Ähnliche Artikel