Ausbildung in Ostfriesland  Wege in die Pflege

Dorothee Hoppe
|
Von Dorothee Hoppe
| 28.09.2022 17:11 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 6 Minuten
Saskia Westermann und Johannes Siebert machen beide am Borromäus Hospital Leer ihre Ausbildung zur Pflegefachfrau beziehungsweise -fachmann. Foto: Ortgies
Saskia Westermann und Johannes Siebert machen beide am Borromäus Hospital Leer ihre Ausbildung zur Pflegefachfrau beziehungsweise -fachmann. Foto: Ortgies
Artikel teilen:

Der Fachkräftemangel ist in vielen Bereichen ein Problem – auch in der Pflege. Diese Zeitung wollte wissen, welche Optionen es in ostfriesischen Kliniken gibt, in die Pflege einzusteigen.

Ostfriesland - Seit Beginn der Corona-Pandemie ist das Thema Pflege stärker in den Fokus gerückt. Mit Recht, wie ein Gutachten des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) von Ende 2021 zeigt: „Pflegeberufe sind bereits seit Jahren durch einen starken Fachkräftemangel gekennzeichnet. In keinem anderen Beruf fehlten im Jahresdurchschnitt 2020/2021 so viele Fachkräfte wie in der Altenpflege und in der Krankenpflege.“

Was und warum

Darum geht es: Angebote von Krankenhäusern in Ostfriesland, um Menschen für die Pflege auszubilden

Vor allem interessant für: alle, die sich vorstellen könnten, in die Pflege zu gehen

Deshalb berichten wir: Der Fachkräftemangel in der Pflege ist groß. Wir wollten wissen, welche Wege Ostfrieslands Kliniken bieten, um in den Pflegeberuf einzusteigen.

Die Autorin erreichen Sie unter: d.hoppe@zgo.de

Auffällig: „Vor allem bei Fachkräften mit abgeschlossener Berufsausbildung zeigt sich aktuell mit 31.500 nicht zu besetzenden Stellen ein massiver Fachkräfteengpass“, heißt es in dem Gutachten, das sich auf ganz Deutschland bezieht. Diese Zeitung wollte deshalb wissen, welche Wege in die Pflege die Kliniken in Ostfriesland bieten. Zu diesem Zweck wurden sowohl die beiden Krankenhäuser in Leer als auch die Trägergesellschaft der Kliniken Aurich, Emden und Norden angefragt.

Zusammenfassung zu Pflegefachfrau und Pflegefachmann

In der Pflege hat sich ein entscheidender Punkt geändert: Inzwischen gibt es eine Ausbildung zur Pflegefachfrau beziehungsweise -fachmann. Früher waren es verschiedene Ausbildungsberufe in der Altenpflege, in der Gesundheits- und Krankenpflege sowie in der Gesundheits- und Kinderkrankenpflege. Die Bundesagentur für Arbeit sieht in der Neuordnung den Vorteil von mehr Flexibilität, da man so durch den Ausbildungsabschluss sowohl in einem Krankenhaus als auch in einer Pflegeeinrichtung oder ambulant in der Wohnung des Pflegebedürftigen arbeiten könne. In allen angefragten Kliniken bekommen die Pflegekräfte im Anschluss an ihre abgeschlossene Ausbildung in der Regel ein Übernahmeangebot, teilten die jeweiligen Sprecherinnen mit. So können angehende Pflegefachkräfte die Kliniken als künftigen Arbeitgeber bereits während ihrer Ausbildung kennenlernen.

„Die Ausbildung umfasst die Bereiche Pflege und Medizin sowie auch die gesundheitsfördernde Beratung, Anleitung und Betreuung von Menschen. Im dritten Ausbildungsjahr erfolgt ein Vertiefungseinsatz, im Krankenhaus ist dies der Bereich Akutpflege“, weiß auch Annika Weigelt, Sprecherin der Trägergesellschaft. Tanja Henschel, Sprecherin des Borromäus Hospitals, schlüsselt die praktischen Aufgaben, die während der Ausbildung erlernt werden weiter auf: Dazu zähle „die Pflege, Betreuung und Beratung der Patienten wie unter anderem Körperpflege oder Hilfe bei der Nahrungsaufnahme, Verbandswechsel, Versorgung von Wunden, Messen von Blutdruck, Temperatur, Puls und Atmung.“ Des Weiteren gehöre zu den grundsätzlichen Aufgaben die Beobachtung des Patienten zum Beispiel bezüglich des Schlafverhaltens und die Dokumentation dieser Daten.

Quereinsteiger willkommen

Die Ausbildung zur Pflegefachkraft dauert in der Regel drei Jahre – das gilt auch für Borromäus Hospital Leer, das Klinikum Leer und die Kliniken in Aurich, Emden und Norden. Ausbildungsstart ist an beiden Leeraner Stellen jeweils am 1. Oktober beziehungsweise 1. August. Die Trägergesellschaft bietet an ihren drei Klinken zusätzlich zum Oktober-Termin auch einen Ausbildungsgang im April an. Das sei seit Oktober 2021 so, „als die Schule für Pflegefachberufe den Betrieb in der ehemaligen Barenburgschule aufnahm“, so Weigelt. An allen der angefragten Krankenhäuser in Ostfriesland haben Quereinsteiger die Möglichkeit, die Pflegeausbildung zu absolvieren. „Diese Bewerber sind sehr willkommen, weil sie sich meistens sehr bewusst und nach reichlicher Überlegung für diesen Beruf entscheiden“, sagt Weigelt.

Ein Quereinstieg direkt in den Pflegeberuf durch eine Umschulung ist jedoch an keiner der Kliniken in Aurich, Emden, Norden oder Leer möglich. Das liege daran, dass die gesetzlichen Vorgaben „für so genannte Vorbehaltstätigkeiten eine dreijährige Examinierung erfordern“, erklärt die Sprecherin der Trägergesellschaft. Wer allerdings zuvor zum Beispiel die Ausbildung zum Pflegeassistenten abgeschlossen habe, könne nach dem Pflegegesetz die Ausbildung verkürzen, „dies muss aber mit der Pflegeschule abgestimmt werden“, so Weigelt. Allerdings gebe es dabei oft Schwierigkeiten, Inhalte aus dem ersten Jahr nachzuholen. Auch bei Abschlüssen in anderen medizinischen Berufen wie zum Beispiel medizinische Fachangestellte könne die Ausbildung gegebenenfalls verkürzt werden. „In diesem Fall ist das aber nicht ratsam, weil die Ausbildungsinhalte stark voneinander abweichen, somit also auch Inhalte selbstständig nachgeholt werden müssen.“ In den Krankenhäusern in Leer ist keine Verkürzung der Ausbildung möglich.

Reinschnuppern möglich und weitere Einblicke gibt es online

Wer erstmal einen Einblick in die Pflege bekommen möchte kann das durch ein Frei­williges Soziales Jahr (FSJ), den Bundesfreiwilligendienst (BFD) oder Praktika. „Grundvoraussetzung für die Ableistung eines Praktikums im Pflegedienst ist ein Mindestalter von 15 Jahren und ein ausreichender Hepatitis-B-Impfschutz. Bei Schul- und/oder Berufsfindungspraktikanten sollte das Praktikum mindestens zwei Wochen umfassen“, sagt Henschel. Beim Klinikum Leer beträgt die Mindestdauer ebenfalls zwei Wochen, die Praktikantinnen und Praktikanten sollten jedoch bereits 16 Jahre alt sein, wie die Sprecherin des Hauses, Tina Schmidt, auf Nachfrage mitteilte. Auch dort könne eine Hepatitis-B-Impfung je nach Einsatzbereich notwendig sein. Zudem sei ein Nachweis über die Impfung gegen Masern und bei volljährigen Praktikanten ebenfalls gegen Covid-19 Pflicht. In den Kliniken der Trägergesellschaft muss ebenfalls das 16. Lebensjahr erreicht sein. Ein Praktikum dort sollte jedoch mindestens drei Wochen dauern. „Praktikanten können die Pfleger der Stationen bei leichten grundpflegerischen Tätigkeiten wie Körperpflege sowie Verteilung und Darreichung von Speisen und Getränken unterstützen“, so Weigelt. Ziel des Pflege-Praktikums sei es, ein Gefühl für den Umgang mit Patienten und die Aufgaben der Pflege zu geben.

Um Menschen für den Pflegeberuf zu begeistern, haben alle angefragten Kliniken bestimmte Werbemaßnahmen gestartet. „Auf unseren Social-Media-Kanälen, welche im vergangenen Monat eingerichtet wurden, berichten wir über die Ereignisse vom Klinikverbund und werben für Nachwuchskräfte“, sagt Schmidt vom Klinikum Leer. Zudem sei im vergangenen Jahr auch einen Werbefilm für Auszubildende gedreht worden. Auf den Klinikkanälen der Kliniken Aurich, Emden und Norden in den sozialen Medien seien sogar ganze Videoreihen entstanden, die verschiedene Berufe der Kliniken vorstellen, wie Weigelt weiß – darunter auch Pflegefachkräfte in verschiedenen Bereichen. Auch das Borromäus Hospital Leer ist im Internet vertreten: „Für den Pflegeberuf wird über die hauseigenen Social-Media-Kanäle (Facebook, YouTube, Instagram), über Plakataktionen oder in Videos geworben“, so Henschel.

Allgemein versuchen die Krankenhäuser, den Pflegeberuf attraktiv zu gestalten. So gebe es an den Kliniken der Trägergesellschaft sowie am Borromäus Hospital Leer flexible Arbeitszeitmodelle. „Zusätzlich bieten die Kliniken Vergünstigungen wie Fahrradleasing über den Arbeitgeber sowie ein kollegiales Arbeitsklima durch gemeinsame Aktionen oder Zusammenschlüsse, zum Beispiel Klinik-Sportgruppen“, zählt Weigelt von der Trägerschaft auf. Die Möglichkeit zum Dienstradleasing gibt es auch am Klinikum Leer. In beiden Krankenhäusern in Leer gibt es des Weiteren auch Angebote zur Kinderbetreuung.

Ähnliche Artikel