London/Balmoral  William und Harry zu spät bei der Queen – wie Abschied genommen wird

Maximilian Matthies
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Von Maximilian Matthies
| 09.09.2022 16:47 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Prinz Harry bei der Abreise aus Schottland: Er kam erst in Balmoral an, als die Queen nicht mehr lebte. Foto: dpa/PA Wire/Aaron Chown
Prinz Harry bei der Abreise aus Schottland: Er kam erst in Balmoral an, als die Queen nicht mehr lebte. Foto: dpa/PA Wire/Aaron Chown
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Am Todestag von Queen Elizabeth II. eilt die Königsfamilie nach Schloss Balmoral, um sich von der britischen Monarchin zu verabschieden. Prinz William und sein Bruder Prinz Harry schaffen es nicht mehr rechtzeitig. Für das britische Volk soll der Leichnam 23 Stunden täglich zugänglich sein.

Für Prinz William ist der 8. September zunächst noch erwartungsfroh. Am Vormittag begleiten er und Herzogin Kate ihre drei Kinder George (9 Jahre), Charlotte (7) und Louis (4) zum Schulstart zu ihrer neuen Schule in der Nähe von Ascot in Berkshire. Die stolzen Eltern spazieren mit ihren Schützlingen an der Hand zum Schulgebäude.

Doch dann erreichen die Königsfamilie alarmierende Nachrichten: Es herrscht große Sorge um den Gesundheitszustand der Queen. Die Ur-Großmutter von George, Charlotte und Louis befindet sich unter ärztlicher Überwachung auf Schloss Balmoral in Schottland.

Um 12.45 Uhr Ortszeit (13.45 Uhr MESZ) teilt das Büro von Prinz Charles mit, dass er und seine Frau Camilla sich zum Landsitz der Regentin begeben haben. Auch Prinz William folgt. Herzogin Kate bleibt mit den Kindern in London. Ein Sprecher von Prinz Harry und dessen Frau Meghan kündigt an, das Paar, das sich zufällig gerade in London aufhält, werde ebenfalls nach Schottland eilen. Letztlich fährt jedoch nur Harry.

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Doch die beiden Prinzenbrüder kommen laut Medienberichten nicht mehr rechtzeitig an. Ans Sterbebett der Queen schaffen es laut der englischen Boulevardzeitung „Daily Mail“, die sich auf nicht näher genannte Quellen beruft, offenbar nur die ältesten Kinder, Prinz Charles und Prinzessin Anne.

Eine Maschine der Royal Air Force landet um 15.50 Uhr im schottischen Aberdeen. An Bord sind Prinz William und die beiden jüngsten Söhne der Queen, Prinz Andrew und Prinz Edward, sowie Edwards Frau Sophie. Rund eine Stunde später fahren sie mit einem Auto durch die Pforten von Schloss Balmoral. Prinz Harry soll erst gegen 21 Uhr angekommen sein.

Zu diesem Zeitpunkt ist die Todesnachricht bereits in der Welt. Um 18.30 Uhr Ortszeit verkündet der Buckingham-Palast auf Twitter: "Die Queen ist heute Nachmittag friedlich in Balmoral gestorben."

Damit wird ihr ältester Sohn Charles automatisch König. "Der König und die Königsgemahlin werden heute Abend in Balmoral bleiben und morgen nach London zurückkehren", erklärt der Palast. Am Buckingham-Palast wird die Flagge auf halbmast gesetzt, die wartende Menge vor dem Palast schweigt, viele Menschen brechen in Tränen aus.

Weniger als 24 Stunden nach dem Tod der Queen sind König Charles III. und seine Frau Camilla nach London zurückgekehrt. Die beiden landen aus Schottland kommend am Freitagnachmittag auf dem Militärflughafen Northolt gut 20 Kilometer nordwestlich von London. In der Hauptstadt warten eine Reihe offizieller Termine auf den neuen König. 

Am Samstag wird der 73-Jährige als neuer britischer König Charles III. ausgerufen. Wie der Buckingham-Palast am Freitag mitteilte, soll die Zeremonie um 11 Uhr (MESZ) im St.-James's-Palast in London beginnen. Die Proklamation wird eine Stunde später vom Balkon des Schlosses und anschließend von weiteren Orten im Vereinigten Königreich verlesen. Am Freitag stand am Abend zunächst noch ein Gedenkgottesdienst in der St.-Paul's-Kathedrale in London an, der neue König wollte außerdem eine Rede an die Nation halten.

Weltweit wird getrauert, viele Länder setzten Flaggen auf halbmast, darunter auch weit entfernte Königreiche wie Thailand und Malaysia, ebenso abgelegenen Südpazifik-Staaten wie die Cookinseln.

Am Sonntag wird der Sarg mit den sterblichen Überresten der Königin nach Schloss Holyroodhouse in Edinburgh gebracht, die offizielle Residenz der Monarchin in Schottland. Der Leichnam der Queen wird laut "The Herald" zunächst in Holyroodhouse aufgebahrt, danach wird ihr Sarg in die St. Giles-Kathedrale gebracht. Auch das Volk dürfte voraussichtlich Gelegenheit erhalten, sich vor dem Sarg von Elizabeth II. zu verneigen.

Schließlich wird der Sarg vom Bahnhof Waverley in Edinburgh mit dem Zug nach London in den Buckingham-Palast gebracht.

Sehen Sie im Video: Erschütterung und Trauer über den Tod der Queen auf der ganzen Welt

Am Mittwoch ist für den Transport des Sargs vom Palast zum Parlament eine Prozession geplant. In Westminster Hall wird er drei bis vier Tage lang auf einem mit purpurfarbenem Stoff bedeckten Katafalk aufgebahrt. Die Öffentlichkeit kann dort 23 Stunden täglich Abschied von der verstorbenen Regentin nehmen. Laut Behördenangaben werden mehr als eine Million Menschen erwartet.

Der 19. September ist das voraussichtliche Datum für die live im Fernsehen übertragene staatliche Trauerfeier in der Westminister Abbey mit Staats- und Regierungschefs aus der ganzen Welt. Um 9 Uhr Ortszeit läutet die berühmte Glocke am Big Ben. Der Sarg wird um 11 Uhr in die Kathedrale getragen. Das ganze Land verharrt für zwei Minuten in Schweigen.

Nach der Trauerfeier werden die sterblichen Überreste der Königin nach Schloss Windsor westlich von London gebracht. In der St. George's-Kapelle findet ein Gottesdienst statt, anschließend wird die Königin in der Familiengruft zu Grabe getragen. Der Sarg ihres im vergangenen Jahr verstorbenen Mannes Prinz Philip wird umgebettet, um künftig neben dem der Queen zu ruhen.

Mit Material von dpa und afp

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