Missbrauch in der katholischen Kirche  Dompropst und Offizial Schulte verzichtet auf seine Ämter

Giorgio Tzimurtas
|
Von Giorgio Tzimurtas
| 08.09.2022 10:33 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Seit 2013 war der gebürtige Cloppenburger Kurt Schulte Propst im Dom zu Münster gewesen. Als Offizial leitete er zudem das Offizialat, das Münsteraner Kirchengericht. Seit Juni war er wegen „grenzüberschreitenden Verhaltens“ von seinen Ämter beurlaubt gewesen. Nun leistete der 57-Jährige Amtsverzicht. Archivfoto: DPA
Seit 2013 war der gebürtige Cloppenburger Kurt Schulte Propst im Dom zu Münster gewesen. Als Offizial leitete er zudem das Offizialat, das Münsteraner Kirchengericht. Seit Juni war er wegen „grenzüberschreitenden Verhaltens“ von seinen Ämter beurlaubt gewesen. Nun leistete der 57-Jährige Amtsverzicht. Archivfoto: DPA
Artikel teilen:

Bischof Genn kam dem Wunsch des Münsteraner Dompropstes Kurt Schulte nach, ihn von allen Ämtern zu entheben. Mit den Vorwürfen gegen den gebürtigen Cloppenburger habe das nichts zu tun, so das Bistum.

Münster - Der Münsteraner Offizial, Dompropst und Domkapitular Kurt Schulte (57), hat Bischof Dr. Felix Genn in einem persönlichen Gespräch den Verzicht auf die Ämter als Dompropst und Domkapitular zum 5. September angeboten. Zugleich hat er um Entpflichtung als Offizial gebeten. Bischof Genn habe dem Wunsch Schultes entsprochen, hieß es weiter in einer Mitteilung des Bistums.

Der Amtsverzicht hänge nicht mit den erhobenen Vorwürfen gegen Schulte zusammen, teilte das Bistum ohne nähere Angaben dazu mit. Auf Nachfrage dieser Zeitung sagte Bistumssprecher Dr. Stephan Kronenburg: „Wie bei allen Personalangelegenheiten können und dürfen wir (...) unsererseits zu den Gründen keine weiteren Angaben machen.“ Schulte selbst war telefonisch für Rückfragen nicht zu erreichen. Laut Bistum soll kirchenrechtliche Voruntersuchung durchgeführt werden.

Seit 24. Juni beurlaubt

Der gebürtige Cloppenburger Schulte, der im Jahr 2010 in Vechta und Dinklage als Pfarrer sowie in Lohne als Kaplan gearbeitet hatte, war vom 24. Juni an auf eigenen Wunsch bis auf Weiteres von seinen Ämtern als Offizial und Dompropst von Bischof Genn beurlaubt worden. Gegen Schulte war der Vorwurf grenzüberschreitenden, unangemessenen Verhaltens erhoben worden.

Das Bistum Münster hatte drei über sein anonymes Portal eingegangene Meldungen an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet. Strafanzeigen waren nicht erstattet worden. Die Staatsanwaltschaft hatte es abgelehnt, Ermittlungen aufzunehmen, da die dargestellten Sachverhalte unter keine strafrechtliche Vorschrift fielen. Laut Bistum soll nun eine kirchenrechtliche Voruntersuchung durchgeführt werden. Danach werde Bischof Genn die nächsten Schritte mit Schulte besprechen.

Vorfall fand Eingang in Missbrauchsstudie

Als Dompropst stand Schulte seit 2013 an der Spitze des Domkapitels. Auslöser der Entwicklung war nach Informationen dieser Zeitung auch ein Vorfall, der im Gutachten der Universität Münster zu sexuellem Missbrauch im Bistum geschildert wird. In der entsprechenden Textpassage wird ein unangemessener Übergriff eines Domkapitulars gegenüber einem Jurastudenten während einer Feier im Priesterseminar Borromaeum beschrieben.

Als Dompropst stand Schulte seit 2013 an der Spitze des Domkapitels. Es ist vor allem für die Feier der Gottesdienste im St.-Paulus-Dom zuständig. Das Domkapitel wählt zudem den Bischof. Als Offizial leitete Schulte seit 2010 das Münsteraner Kirchengericht (Offizialat). Dieses wird derzeit kommissarisch von Vizeoffizial Pfarrer Heinz Erdbürger geleitet. Die vorübergehende Leitung des Domkapitels liegt bei Domdechant Weihbischof Dr. Christoph Hegge. Es ist nun die Aufgabe von Bischof Genn, einen Nachfolger für das Amt des Offizials zu bestimmen. Der künftige Dompropst wird vom Domkapitel gewählt.

Ähnliche Artikel