Konkurrenz für Krankenhäuser  Leer reagiert auf Zentralklinik-Pläne skeptisch

Marion Luppen
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Von Marion Luppen
| 07.09.2022 16:29 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Die Ubbo-Emmius-Klinik – hier der Standort Aurich – soll durch eine Zentralklinik in Uthwerdum ersetzt werden. Foto: Archiv/Ortgies
Die Ubbo-Emmius-Klinik – hier der Standort Aurich – soll durch eine Zentralklinik in Uthwerdum ersetzt werden. Foto: Archiv/Ortgies
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Die Zentralklinik für den Landkreis Aurich und die Stadt Emden wird auch die Nachbarkommunen zu ihrem Versorgungsgebiet zählen. Das macht Absprachen nötig. Das Klinikum Leer reagiert skeptisch.

Aurich/Emden/Leer - Das Einzugsgebiet der geplanten Zentralklinik in Uthwerdum wird sich nicht auf den Landkreis Aurich und die Stadt Emden beschränken. Da es sich bei der geplanten Klinik um einen sogenannten Maximalversorger handelt, gehören zu deren Versorgungsraum nach dem Krankenhausgesetz auch die benachbarten Landkreise Leer, Wittmund und Friesland sowie die Stadt Wilhelmshaven. Das sagte der Geschäftsführer der Trägergesellschaft Kliniken Aurich-Emden-Norden, Claus Eppmann, am Montag im Gesundheitsausschuss des Auricher Kreistags.

Die Zentralklinik soll 2028 eröffnet werden und die bestehenden Kliniken in Aurich, Emden und Norden ersetzen. Krankenhäuser der Maximalversorgung sind zum Beispiel Universitätskliniken. Sie bieten ein größeres Behandlungsspektrum als Kliniken der Grund-, Regel- oder Schwerpunktversorgung. Dennoch wird es in Uthwerdum künftig keine Herzchirurgie geben. Dieser Punkt sei in den Gremien intensiv diskutiert worden, auch mit den Chefärzten, so Eppmann. Man sei zu dem Ergebnis gekommen, dass es nicht sinnvoll sei, eine Herzchirurgie, also eine Abteilung für Operationen am offenen Herzen, neu aufzubauen.

Herzklappen per Katheter

Schon heute sei es beispielsweise möglich, künstliche Herzklappen per Katheter einzusetzen, ohne den Brustkorb des Patienten zu öffnen. In Zukunft werde das bei immer mehr Eingriffen möglich sein. Daher sei mit sinkenden Fallzahlen zu rechnen, wohingegen allgemein die Zahl der Patienten in der Kardiologie, also der Herzmedizin, aufgrund der alternden Bevölkerung ansteige. Herzchirurgisch könnten Patienten beispielsweise in Oldenburg oder Bad Oeynhausen versorgt werden, sagte Eppmann. „Es gibt keinen Anlass, eine solche Abteilung neu aufzubauen.“

Was genau in der Zentralklinik angeboten wird und was nicht, also das Leistungsspektrum, müsse auch mit den Krankenhäusern in den Nachbarkommunen abgestimmt werden, erklärte Eppmann. Wenn sich alle gegenseitig die Patienten wegnähmen, käme niemand auf die erforderlichen Mindestmengen, und das Behandlungsangebot für die Patienten würde insgesamt ausgedünnt.

Angespanntes Verhältnis zwischen Nachbarn

Die Redaktion hat bei einem möglichen Ansprechpartner und Konkurrenten der Zentralklinik nachgefragt. Holger Glienke ist Geschäftsführer des Klinikums Leer. Er sagt: „Herr Eppmann hat sich bei mir noch nicht gemeldet, um über Zusammenarbeit zu sprechen.“ Daher wolle er das nicht weiter kommentieren. Was beispielsweise die Neurologie betreffe, biete das Klinikum Leer die höchste Versorgungsstufe in Ostfriesland. Solange es die Zentralklinik nur auf dem Papier gebe, werde das so bleiben. „Und danach sehen wir mal.“ Auf die Frage, ob ihm der Status Maximalversorger Sorge bereite, lacht Glienke nur.

Das Verhältnis zwischen der Trägergesellschaft Kliniken Aurich-Emden-Norden auf der einen Seite und dem Klinikum Leer auf der anderen Seite gilt als angespannt, vor allem aufgrund der Versorgung von Schlaganfall-Patienten. Als die niedersächsische Gesundheitsministerin Daniela Behrens (SPD) im Februar – gegen den ausdrücklichen Rat der Krankenkassen – entschied, dass das Klinikum Leer eine Fachabteilung für Neurologie einrichten darf, gab es Protest aus Emden und Westerstede. Die dortigen Schlaganfall-Stationen würden durch das neue Angebot in Leer geschwächt, hieß es. Das Land habe wesentliche Aspekte einer leistungsfähigen Schlaganfall-Versorgung außer Acht gelassen. Die Frage muss nun juristisch geklärt werden.

Bekenntnis zum Standort Norden

Im Ausschuss sagte Eppmann: „Wir bewegen uns hier in einem knallharten Wettbewerb. Das muss man nicht gut finden. Ich finde das überhaupt nicht gut.“ Gesundheitsversorgung sei ein Teil der Daseinsvorsorge. Dennoch müsse sich die Zentralklinik dem Wettbewerb stellen. Was das im Einzelnen heißt, müsse im Aufsichtsrat diskutiert werden.

Eppmann ging auch auf Sorgen der Belegschaft und der Bevölkerung am Klinikstandort Norden ein: Es gebe keinerlei Überlegungen, die Ubbo-Emmius-Klinik Norden vorzeitig zu schließen. „Der Standort wird auf dem Weg zur Zentralklinik gebraucht.“

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