Bergen-Belsen Niedersachsen: Was Israels Präsident mit Bergen-Belsen verbindet
Im ehemaligen KZ Bergen-Belsen kamen unter der Naziherrschaft zehntausende Menschen um. Am Dienstag besuchten Israels Präsident Izchak Herzog und Bundespräsident Steinmeier die heutige Gedenkstätte - mit bewegenden Momenten.
Am Morgen noch hält Israels Präsident Izchak Herzog im Bundestag eine bewegende Rede, wenige Stunden später steht der israelische Staatspräsident gemeinsam mit seiner Frau Michal sowie dem deutschen Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier und dessen Gattin Elke Büdenbender am Gedenkstein in Bergen-Belsen. Zum Abschluss seines mehrtägigen Besuches in Deutschland fliegt die Delegation um Herzog und Steinmeier am Dienstag von Berlin nach Hannover. Vom Flughafen-Langenhagen geht es per Fahrzeugkolonne in gepanzerten Limousinen unter Polizeischutz in das ehemalige Konzentrationslager bei Celle, das heute eine Gedenkstätte ist.
Die Delegation landet zwar pünktlich, verspätet sich aber in Bergen-Belsen dennoch um etwa eine halbe Stunde. Und das ist auch ganz gut so, denn in der Zwischenzeit zieht der Regen ab und kommt die Sonne raus. Vom Gedenkstein geht es weiter zum jüdischen Mahnmal. Die Delegation, zu der neben anderen auch Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) und Michael Fürst als Präsident des Landesverbandes der jüdischen Gemeinden von Niedersachsen gehören, wird begleitet vom einem Tross nationaler und internationaler Pressevertreter.
Doch warum gerade Bergen-Belsen? Hier, wo zwischen 1940 und 1945 insgesamt 52.000 KZ-Häftlinge und mehr als 20.000 Kriegsgefangene ums Leben kamen. Eines der Opfer von Bergen-Belsen war übrigens die 15-jährige Anne Frank. Sie und ihre Familie wurden im August 1944 in einem Versteck in Amsterdam entdeckt und nach Bergen-Belsen deportiert. Nach dem Krieg wurde ihr Tagebuch veröffentlicht, das sie in ihrem Versteck geschrieben hatte.
Junge Menschen erinnern in berührenden Wortbeiträgen an das schreckliche Schicksal von Anne Frank, bevor das israelische Staatsoberhaupt Herzog zum Mikrofon schreitet und über seinen Vater spricht. Herzogs Vater Chaim Herzog, der von 1983 bis 1993 ebenfalls israelischer Staatspräsident war, hatte 1945 als britischer Offizier selbst zu den Soldaten gehört, die das KZ Bergen-Belsen befreiten. Sein Vater habe damals nach der Befreiung des Konzentrationslagers den ersten Gottesdienst geleitet, begründet Herzog seinen Besuch in Bergen-Belsen und ruft dazu auf, jede Form von Rassismus und Antisemitismus kompromisslos zu bekämpfen. Über Bundespräsident Steinmeier sagt Herzog, dieser sei ein „echter Freund“, der immer wieder mutig beweise, dass er fest an der Seite des israelischen Volkes stehe.
Steinmeier selbst blickt in seiner Rede auf die Befreiung des Konzentrationslagers durch die britischen Truppen am 15. April 1945. Es habe lange gedauert, bis auch der Letzte begriffen habe, befreit worden zu sein - „nämlich von der mörderischen Ideologie der Nationalsozialismus“, sagt der Bundespräsident und stellt klar: „Antisemitismus darf keinen Platz haben in unserer Gesellschaft. Wo wir ihm begegnen, müssen wir ihm entgegentreten - entschieden und von Anfang an.“ Ebenso wichtig sei die Erinnerung an die Gräueltaten. „Was sich nicht wiederholen soll, das darf nicht vergessen werden“, sagt Steinmeier zu den Teilnehmern der Zeremonie, unter denen auch Holocaust-Überlebende sind.
In dem Lager waren am Ende des Zweiten Weltkrieges viele Kinder inhaftiert, deshalb leben noch vergleichsweise viele ehemalige Insassen. Von den etwa 3500 Mädchen und Jungen unter 15 Jahren starben rund 600 an Entkräftung, Krankheiten oder Gewalt.
Am Morgen ruft Präsident Herzog in seiner Rede im Bundestag dazu auf, die Partnerschaft zwischen Deutschland und Israel zu vertiefen. Wer den engen Kontakt zwischen ihm und Deutschlands Bundespräsident Steinmeier aufmerksam beobachtet, darf annehmen, dass Herzogs Appell nicht ungehört bleiben wird. Und auch die von beiden angemahnte Erinnerung bleibt dank Gedenkstätten wie der in Bergen-Belsen erhalten. Immerhin etwa 300.000 Menschen besuchen das ehemalige Konzentrationslager jährlich.