Handwerk im Kreis Cloppenburg Bester Maurer-Auszubildender kommt aus dem Saterland
Die beste praktische Gesellenprüfung als Maurer legte ein Azubi aus dem Saterland ab. Der 35-Jährige spricht erst seit knapp drei Jahren Deutsch.
Strücklingen - Matthias Reens ist sehr zufrieden. Das erste Mal überhaupt schloss einer seiner Auszubildenden die praktische Gesellenprüfung im Maurerhandwerk als Bester des Jahrgangs ab, sagt der Ausbildungsleiter und Chef der Matthias Reens GmbH in Strücklingen. Und dieser Azubi hatte es sogar schwerer als mancher andere. Denn: Ilyosidin Bahridinov spricht noch nicht lange Deutsch.
Der 35-jährige Bahridinov kam erst vor drei Jahren von Tadschikistan nach Deutschland. Davor brachte er sich selbst über vier Monate Deutsch bei, um einen Sprachschein der Stufe A2 in Deutschland machen zu können. „Das ist Voraussetzung, um eine Ausbildung zu beginnen“, sagt der 35-Jährige, der schon immer Maurer werden wollte. Per Mail schickte er dann eine Bewerbung an die Matthias Reens GmbH. „Ich war neugierig darauf, Bahridinov kennenzulernen. Also lud ich ihn zu einem Vorstellungsgespräch ein und es passte. Ich habe es nicht bereut, ihm eine Chance gegeben zu haben“, sagt Reens. Etwas Sorgen habe sich der Ausbildungsleiter am Anfang wegen der Sprachbarriere für den schulischen Teil gemacht – doch auch den hat Bahridinov mit befriedigend bestanden. „In der Schule hatte ich erst Schwierigkeiten, alles zu verstehen. Deshalb habe ich mir anfangs alles ins Englische übersetzt“, erklärt Bahridinov. Im zweiten Jahr wurde sein Deutsch aber besser, sodass er auf diese Technik nicht mehr zurückgreifen musste.
Kapazität für mehr Auszubildende
Neben Bahridinov hat auch einer der anderen Azubis der Matthias Reens GmbH, Torben Kleen, erfolgreich seine Prüfungen zum Maurer absolviert. Beide wurden von ihrem Ausbildungsbetrieb übernommen. Es wäre wieder Platz für zwei neue Azubis gewesen. Die Suche gestaltet sich in diesem Jahr aber etwas schwieriger. „Wir haben aktuell nur zwei Azubis – einen, der jetzt ins dritte Lehrjahr gekommen ist, und einen neuen im ersten Lehrjahr. Wir hätten aber Kapazität für mehr“, sagt Reens. Im Regelfall wurden in den letzten Jahren immer drei Azubis gleichzeitig ausgebildet. Doch der Fachkräftemangel im Bereich des Handwerks macht Probleme. Aber Reens sei noch nicht beunruhigt. In seinem Betrieb „funktioniert es ja noch einigermaßen“, neue Auszubildende zu finden. Besondere Programme, um mehr Auszubildende zu gewinnen, setze Reens noch nicht ein.
Das treffe aber wahrscheinlich nicht auf viele Ausbildungsbetriebe zu. Ann-Kathrin Raker, zuständig für Marketing und Öffentlichkeitsarbeit bei der Kreishandwerkerschaft Cloppenburg, teilt mit, dass zum Stichtag am 31. August im Kreis insgesamt 464 Menschen eine Ausbildung im Handwerk begonnen haben. Damit verzeichnet die Handwerkerschaft ein Minus von 5,3 Prozent (Vorjahr: 490 Auszubildende). Ähnlich sieht es auf der Kammerebene Oldenburg aus. Auch dort wurde ein Minus von 2,7 Prozent festgestellt: Während es 2021 noch 2368 Ausbildungsanfänger gab, entschieden sich 2022 nur noch 2303 Menschen für eine Ausbildung im Handwerk, so Raker. Am beliebtesten sei dabei immer noch die Ausbildung im Elektro- und Metallgewerbe. Dort wurden zum 31. August auf Kammerebene 1146 Ausbildungsverträge unterschreiben. Die wenigsten neuen Azubis finden sich im Bau- und Ausbaugewerbe (520 Ausbildungsverträge).
„Ein Einbruch der Zahlen kann auch in diesem Ausbildungsjahr zum Teil noch auf die Folgen und Auswirkungen der Pandemie zurückgeführt werden. Durch die Einschränkungen konnten zum Beispiel die Berufsorientierungen an Schulen oder auch Praktika nicht im gewohnten Rahmen oder teils gar nicht stattfinden“, sagt Raker. Allerdings müssten auch die handwerklichen Ausbildungsbetriebe mehr für sich werben. Es sei für die Betriebe von „immenser Bedeutung“, ihre Werbung für eine Ausbildung zu verändern und zu optimieren. „Es ist dringend notwendig, das Handwerk auch in der Praxis kennenzulernen, um die Hintergründe und Themen nachvollziehen zu können – Handwerk muss erlebt werden“, sagt Raker.