Artikel 1, GG  Nichts weiter als ein Einzelfall

Canan Topçu
|
Eine Kolumne von Canan Topçu
| 07.09.2022 09:17 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Canan Topçu
Canan Topçu
Artikel teilen:

Mittwochs geht es hier um den Umgang mit unterschiedlichen Kulturen. Diesmal beschäftigt sich unsere Kolumnisten mit einem merkwürdigen Fall.

Mal war es eine Scheibe am Auto, die eingeschlagen wurde, mal ein Hakenkreuz mit roter Farbe, mit dem es beschmiert wurde. Zuletzt war es eine Rasierklinge nebst Morddrohung, unterzeichnet mit NSU 2.0, die laut Medienberichten ein Lokalpolitiker aus Nordrhein-Westfalen per Post erhielt. Wenn ein Mensch mit dem sogenannten Migrationshintergrund, dann auch noch dem äußeren Anschein nach, von solchen Attacken berichtet, sollte es ernst genommen werden. Das hat denn auch der Staatsschutz gemacht und ermittelt. Das Ergebnis ist verheerend – verheerend für den, der Rechtsextreme für diese Taten verantwortlich machte. Denn er täuschte alles vor, wie die Ermittlungen ergaben. Dem Stadtrat der Grünen, dessen Eltern aus Sri Lanka stammen, blieb nichts anderes übrig, als zuzugeben, was er sich ausgedacht und umgesetzt hat, um… ja, warum eigentlich?

Was nunmehr folgt, ist Spekulation, denn über die Motive des 33-Jährigen ist (noch) nichts veröffentlicht. Vermutlich wollte der Mann Aufmerksamkeit auf sich lenken, denn all die, die bisher solche Morddrohungen erhalten haben, sind über die Medienberichte zu bundesweit bekannten Personen geworden; vermutlich hat er ein psychisches Problem; vermutlich ist er nicht ganz so helle, denn: Wer auf das eigene Auto ein Hakenkreuz malt und den Farbtopf zuhause aufbewahrt, der scheint eins und eins nicht zusammenzählen zu können. Vielleicht hat der Mann sich aber auch gedacht, dass die Staatsschützer bei den Ermittlungen zu den NSU-Morden vieles auch nicht so genau genommen haben und bei der Durchsuchung seines Hauses das Corpus Delicti nicht entdecken würden; vielleicht war die vorgetäuschte Morddrohung von Rechtsextremen ein Hilferuf eines Menschen, der mit seinem Leben nicht klar kommt.

Egal, was die Beweggründe des Mannes waren: Der Schaden, den er angerichtet hat, wird erst dann groß, wenn wir es nicht als das bewerten, was es ist. Es ist ein Einzelfall und leider sind Morddrohungen durch Rechtsextreme die Realität.

Kontakt: kolumne@zgo.de

Ähnliche Artikel