Hamburg Hubertus Heil und die „Chancenkarte“: Die Fehler der Vergangenheit dürfen sich nicht wiederholen
Mindestens ebenso wichtig wie die „Chancenkarte“ ist der „Spurwechsel“ für jene Menschen, die schon hier sind: Sie müssen eine nachhaltige Chance auf Erwerbstätigkeit erhalten.
Die kanadische Einwanderungspolitik gilt hierzulande immer als vorbildlich – nun soll auch Deutschland also ein Punktesystem bekommen, um mit der von Hubertus Heil ersonnenen „Chancenkarte“ mehr Fachkräfte aus dem Ausland anzuwerben.
Ob das aber ausreicht, um die so adressierten Hochqualifizierten ausgerechnet nach Deutschland zu locken: Unklar. Zudem fehlen hier nicht nur sogenannte „High Potentials“. Personal fehlt an allen Ecken und Enden. Bei Handwerkern, Ärzten oder Ingenieuren geht es tatsächlich um hochqualifizierte Fachkräfte. Aber auch die anderen, bislang weniger Qualifizierten brauchen wir dringend: Menschen, die körperlich in der Lage sind, am Flughafen das Gepäck zu sortieren. Die, wie in vielen Dienstleistungsberufen nötig, auch in größerem Stress die Ruhe bewahren und dabei freundlich zu Kunden sind. Die einfach mit anpacken bei dem, was halt anliegt.
Bei genauerem Hinsehen arbeiten auch in Kanada viele Eingewanderte letztlich unter ihrem Bildungsniveau und zu schlechteren Konditionen als Einheimische – das gilt vor allem für jene, die ohne ein konkretes Jobangebot zugezogen waren.
Das könnte auch hier drohen, denn mit der Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse tun sich deutsche Behörden nach wie vor schwer. Ob eine vorher ausgeübte Berufstätigkeit wirklich einen entsprechenden Abschluss ersetzen kann, muss sich zeigen. Nicht wiederholen sollte sich, was Deutschland in den 1960ern und 1970ern mit dem damaligen Gastarbeiterprogramm verursachte: Eine nur temporäre Anwerbung von Fachkräften aus dem Ausland, die zu schlechteren Konditionen arbeiten als die hier Geborenen und ohne intensive Bemühungen, sie dauerhaft in den deutschen Arbeitsmarkt und die Gesellschaft zu integrieren.
Mindestens ebenso wichtig wie die „Chancenkarte“ ist deshalb auch der „Spurwechsel“ für Menschen, die schon hier sind: Ihnen muss eine fundierte Chance auf Erwerbstätigkeit gegeben werden, denn davon profitieren nicht nur die Menschen selbst, sondern die ganze Gesellschaft. Der Schlüssel dafür ist Bildung. Deutschkurse, Schulbildung, Ausbildung, und zwar mit der klaren Perspektive, hierbleiben zu können. Es könnte doch alles so einfach sein: Wer bereit ist, mit anzupacken, ist auch jenseits des Asylrechts herzlich willkommen.