Emder feiern Premieren-Sieg  Kickers-Held macht beim 3:0 auch Mama und Papa froh

| | 04.09.2022 15:16 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Glückselig feierten die Emder (vorne Trainer Stefan Emmerling und Bastian Dassel) den Erfolg. Fotos: Wagenaar
Glückselig feierten die Emder (vorne Trainer Stefan Emmerling und Bastian Dassel) den Erfolg. Fotos: Wagenaar
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Vor einer Woche war Kickers beim HSV II noch untergegangen. Für den Wandel im Emder Spiel war auch ein magisches Viereck verantwortlich.

Emden - Eine halbe Stunde nach Spielschluss kehrte der Held des Tages lächelnd aus der Kabine zurück. „Ich bin überglücklich“, strahlte André N‘Diaye. Der 21-Jährige hatte nach seinen zwei Toren für Kickers Emden beim 3:0-Sieg im Fußball-Regionalligaspiel über den Bremer SV nicht nur Komplimente von Mitspielern und Fans erhalten. Auch sein Handy vibrierte pausenlos. „Ich habe viele Glückwünsche von Freunden bekommen“, erzählte er. „Auch Mama und Papa haben sich gemeldet. Sie alle haben das Spiel im Livestream gesehen.“ Dort erlebten alle einen jungen Helden, der aus Hannover nach Emden gewechselt war und eine Kickers-Mannschaft, die sie gegenüber den vorherigen sieben Niederlagen in Folge kaum wiedererkannten.

André N‘Diaye (am Ball) war der Held des Tages.
André N‘Diaye (am Ball) war der Held des Tages.

Der zuvor punktlose Tabellenletzte stürmte vor 633 Zuschauern von der 1. Minute an mutig ins Glück. Erleichtert zeigte sich Coach Stefan Emmerling: „Es war eine harte Zeit. Sieben Niederlagen am Stück sind ein Brett“, begann er seine Analyse und endete sie mit einer klaren Ansage: „Wir sind jetzt in der Regionalliga angekommen.“

Trainer drückte Reset-Knopf

Eine Woche zuvor war Kickers noch mit 1:6 beim Hamburger SV II untergegangen. Emmerling schaffte mit seinem Team den Wandel innerhalb weniger Tage. „Nach dem HSV-Spiel haben wir uns noch einmal eingeschworen und den Reset-Knopf gedrückt.“ Bei der 0:2-Niederlage in Drochtersen am Mittwoch verteidigten die Ostfriesen schon mehr als 70 Minuten lang ein 0:0. Bei der reinen Abwehrschlacht monierte der Coach noch die fehlende Entlastung der Abwehr. „Also haben wir diesmal offensiver aufgestellt.“

Isaac Djokovic
Isaac Djokovic

Und schon nach wenigen Minuten kristallisierte sich im blauen Dress ein magisches Viereck heraus, das den Mitaufsteiger von einer Verlegenheit in die andere stürzte. André N‘Diaye und Ayo Adeniran leiteten blitzschnelle Angriffe ein. Und vorne wirbelte neben einem Tido Steffens mit Hochleistungsgarantie auch Neuzugang Vafing Jabateh. „Jaba hat sein bestes Spiel für uns gemacht“, lobte auch der Trainer.

Kurzfristiger Torwartwechsel

Dahinter agierte eine Defensive wie in besten Oberligazeiten. Dabei musste Kickers erneut auf die verletzten Defensivakteure Alagie Jabbie, Milad Faqiryar und Nick Köster verzichten. Beim Aufwärmen war der nächste Schock erfolgt. Torhüter Jannik Wetzel winkte sofort ab. „Er hatte sich bei einer Faustabwehr in Drochtersen die Hand geprellt. Vielleicht ist sogar was gebrochen“, erklärte Emmerling.

So rückte kurzfristig der 20-jährige Neuzugang Isaac Djokovic zwischen die Pfosten. Er fing nicht nur einige hohe Bälle unter tosendem Applaus sicher ab, sondern hielt auch bei der einzigen Gäste-Chance Mitte der ersten Halbzeit glanzvoll. Da tauchte er bei einem Zwölf-Meter-Schuss bravourös in die Ecke ab.

Das 1:0 war keine Absicht

Zu diesem Zeitpunkt führte Kickers bereits hochverdient mit 1:0. Nachdem Gästetorwart Malte Seemann einen Steffens-Schuss so gerade zur Ecke abgewehrt hatte, führte die Standardsituation zum frühen Tor. Der zunächst abgewehrte Eckball flog zurück zum Schützen André N‘Diaye. Dessen neuerliche Hereingabe landete direkt im langen Eck. „Absicht war es nicht“, lächelte er schelmisch. „Es sollte eine Flanke sein.“

Das 3:0: Nach Vorarbeit von Tido Steffens (rechts) schob Vafing Jabateh (links) den Ball ins Netz.
Das 3:0: Nach Vorarbeit von Tido Steffens (rechts) schob Vafing Jabateh (links) den Ball ins Netz.

Die Abwehr ließ auch in der Folge nichts anbrennen – und vorne wirbelte das magische Viereck. Steffens, Jabateh und Adeniran verpassten bei allerbesten Chancen nur um Zentimeter noch vor der Pause das 2:0. Das besorgte Super-André gleich nach dem Wechsel. 20 Meter vor dem Tor tänzelte er an seinem Gegenspieler vorbei und wuchtete den Ball wunderschön ins Eck.

Spieldaten

Emden: Djokovic, Dassel, Sillah, Eilerts, Visser (89. Braun), Goosmann (87. Wulff), Konda, N‘Diaye, Adeniran, Jabateh (89. Niehues), Steffens (90. Issa)

Tore: 1:0 N‘Diaye (4.), 2:0 N‘Diaye (55.), 3:0 Jabateh (63.)

Die Menge tobte. Und die Fans sangen leidenschaftlich: „Der BSV – ist wieder da!“ In der 63. Minute folgte gar das 3:0. Nach einem abgewehrten Eckball lief Tido Steffens einem Befreiungsschlag hinterher, erkämpfte sich an der Mittellinie den Ball – die Bremer monierten Foulspiel – und lief alleine aufs Tor zu. Da schob er den Ball quer zu seinem kongenialen Sturmpartner Jabateh, der das Leder ins Netz schob.

Freudenfest in den Endphase

Die Schlussphase war ein Freudenfest. Die Fans sangen und klatschten pausenlos, und die Emder Akteure hatten nach all den harten Wochen ihre Freude am Fußball wiederentdeckt. Rein gar nichts erinnerte im Stadion an die Partie eines Tabellenletzten: die Stimmung nicht, die Spielweise nicht und das Resultat nach zuvor 2:23 Treffern schon einmal gar nicht. „Der Knoten ist geplatzt“, sagte Mittelfeldrackerer Matthias Goosmann. „Nun müssen wir nachlegen.“

Stefan Emmerling ist guter Dinge. „Wir haben zuvor gegen die Ersten Fünf der Tabelle gespielt und gegen den Siebten. Nun kommen die Gegner, gegen die wir punkten können.“

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