Berlin Hetze gegen Baerbock: So geriet das Video in Umlauf
„Hochverrat“, „Rücktritt“, „Gefahr für unser Land“: Ein Video von Annalena Baerbock hat Deutschland in Aufruhr versetzt – und großen Schaden verursacht. Recherchen des „Spiegels“ zeigen nun: Ein kremlnaher Account brachte das Video in Umlauf.
Die Aufregung am Donnerstag war groß. In den sozialen Netzwerken kursierte ein Video, das Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (Grüne) bei einer Podiumsdiskussion in der tschechischen Hauptstadt Prag zeigt. Die deutsche Politikerin werde nach eigenen Aussagen den Ukrainern „zur Seite stehen, so lange, wie diese das brauchen und egal was meine deutschen Wähler sagen.“
Video: Kritisiertes Baerbock-Video sinnentstellend geschnitten?
Laut Recherchen des „Spiegels“ stehen hinter der Aktion russische Propagandisten. So soll das Video von einem kremlnahen Account aus gepostet worden sein, bevor es auf Plattformen wie Twitter oder Facebook in Umlauf geriet. Der wichtigste Faktor ist nach Angaben des Rechercheteams aber, dass das Video sinnentstellend geschnitten wurde.
Demnach zeigt eine Analyse des „Disinformation Situation Center“, dass Zitate Baerbocks verkürzt dargestellt wurden und bestimmte Aussagen aus dem Englischen falsch übersetzt wurden. Ein Beispiel: In dem Video sagt die Außenministerin unter anderem, sie „werde die Ukraine an erste Stelle setzen, egal was deutsche Wähler denken.“
Es fehlt, dass sie ebenfalls sagte, dass es in einer Demokratie „glücklicherweise“ die Möglichkeit gebe, dass die Wähler Baerbock dafür abstrafen könnten, wenn diese mit ihrer Politik nicht zufrieden wären. Somit betont die Grünen-Politikerin, dass sie sich nicht an Umfragen orientiert, sondern an ihre Versprechen.
So oder so, der Schaden ist groß. Zahlreiche Bürger und Politiker teilten das Video in den sozialen Netzwerken. „Der deutschen Außenministerin ist es egal, was die Bürger in Deutschland denken, die Ukraine steht bei ihr an erster Stelle“, twitterte etwa AfD-Chefin Alice Weidel. Kritik kam aber auch von Sahra Wagenknecht (Linke) und mehreren Politikern der CDU.
Dennoch soll die Verbreitung des Videos nicht ohne juristische Folgen bleiben. Nach Angaben des „Spiegels“ hat die gemeinnützige Organisation HateAid Anzeige gegen die Verbreiter der Zitate gestellt. Man hoffe auf eine konsequente Strafverfolgung, um die vorliegende Desinformationskampagne zu ahnden, erklärte die Leiterin der Organisation.