Bremen  Neue GOP-Show „Keine halben Sachen“ feiert Premiere

Sophie Wehmeyer
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Von Sophie Wehmeyer
| 02.09.2022 19:40 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
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Endlich wieder Stimmung: Das GOP-Varieté-Theater in Bremen feiert mit der Show „Keine halben Sachen“ seine 50. Premiere - und wartet dabei gleich mit zwei komplett neuen Acts auf.

Am Donnerstagabend hat das GOP-Varieté-Theater in Bremen seine Türen für die Zuschauer geöffnet, die sich die Premiere der neuen Show „Keine halben Sachen“ nicht entgehen lassen wollten. Welche faszinierenden Welten sich hinter den roten Samtvorhängen des großen Saals auftun sollten, konnte der Titel der Show jedoch nicht ansatzweise fassen.

„Aufs Ganze gehen“ oder eher darüber hinaus wäre wohl treffender gewesen, denn die Künstler stellten mehr als einmal unter Beweis, dass die Leute vor der Bühne keine Vorstellung davon haben, zu welchen Ausnahmeleistungen Menschen fähig sind. Und das betrifft nicht nur die halsbrecherischen Kunststücke der Artisten, sondern auch die ruhigeren Darbietungen.

Doch nicht nur die Künstler entführten die Gäste in eine ihnen unbekannte Welt, sondern auch die Licht- und Farbspiele, die gewagten Kostüme und die musikalische Untermalung.

So erstrahlte die Ukrainerin Maryna Sakhokiia als eine der ersten Körperkünstlerinnen des Abends in einem goldenen, hautengen Anzug. Wie ein einziger Muskel bewegte sie sich anmutig im Takt der Musik und erinnerte mit ihrer Handstandakrobatik eher an eine wendige Schlange. Geschmeidig, als wäre jede Bewegung ein Kinderspiel, verzauberte sie das Publikum mit ihrer Körperbeherrschung.

Im Duo knüpften Carola Serrano aus Argentinien und Fabian Galouye aus Frankreich mit ihrer Strapaten-Darbietung an diese akrobatische Leistung an. In schwindelerregender Höhe führten die beiden gewissermaßen ein Paartanz in der Luft durch. Eng ineinander verschlungen oder nur durch einen festen Handgriff miteinander verbunden, interpretierten sie ihre persönliche Lovestory direkt unter der Decke des Saals.

Auf dem Boden geblieben, aber nicht weniger spektakulär waren die Jonglage- und Hula-Hoop-Darbietungen von der Südamerikanerin Jessica Savalla.

Um die Nerven der Gäste nicht zu sehr zu strapazieren, war der Abend gespickt von musikalischen und komödiantischen Einlagen des Moderators und Magiers Marcel Kösling. Angekündigt als treibende Kraft, der die GOP-Familie zusammenhält, sorgte Kösling mit Witz und Zaubereinlagen für ausgelassene Stimmung.

Vor allem die Acts, in denen das Publikum involviert wurde, zeigten den Einfallsreichtum und die Spontanität des Moderators. Lediglich die deutschen Texte der selbst geschriebenen Songs hätten etwas kreativer ausfallen können, doch selbst dadurch ließ sich die Stimmung nicht trüben. Als der Titelsong „Keine halben Sachen“ das zweite Mal ertönte, sangen die ersten Gäste bereits mit.

Zu Recht wurden die Luftkugel und das Schleuderbrett, die das erste Mal im GOP Bremen zu sehen waren, als Highlight der Show angekündigt. Die Zuschauer, die schon bei den ersten akrobatischen Darbietungen mit flatternden Nerven zu kämpfen hatten, mussten sich spätestens bei den folgenden Acts die Augen zuhalten.

In der sogenannten Luftkugel, einer großen Plastikkugel, die sich in der Luft hängend dreht, kombinierte Svetlana Wottschel elegante Akrobatikchoreografien mit waghalsigen Verrenkungen. Was sich auf den ersten Blick nicht erkennen ließ, war, dass die Kugel nicht fest verschlossen werden konnte.

Ebenso nervenaufreibend war das Duo aus Kasachstan und Belarus. Die muskulösen Akrobaten Roman Karpovich und Artur Ivankovich sorgten für reichlich Adrenalin im Publikum, als sie sich gegenseitig mit dem sogenannten Schleuderbrett mehrere Meter in die Luft katapultierten und atemberaubende Saltos und Schrauben hinlegten. Der ein oder andere Wackler bei der Landung führte zu sorgenvollen Ausrufen im Publikum.

Einen weiteren nervenaufreibenden Act brachte erneut Maryna Sakhokiia mit ihrem Ehemann Chris Tees auf die Bühne. Auf einer denkbar kleinen Plattform wirbelte Tees seine Frau auf Rollschuhen durch die Luft. Den Höhepunkt der Rollschuhakrobatik bot der Moment, in dem Sakhokiia lediglich durch ein Seil am Kopf befestigt um ihren Mann herumkreiste.

Wer jedoch denkt, dass nur die waghalsigsten Performances für Begeisterung im Publikum sorgten, täuscht sich. Denn ein Act, der nach diesem Abend wohl am meisten in Erinnerung bleibt, war die Pantomime-Vorführung von Rocco Menzel.

Silent Rocco, wie sich der Künstler selbst nennt, verstand es, das Publikum mit auf eine Reise in die Tiefen des Meeres zu nehmen. Ohne Utensilien und Kulisse erzeugte er stumm das Bild eines Tauchers, der Freundschaft mit einer kleinen Qualle schloss. Was zuerst ungewöhnlich klingt, war der Versuch, der klassischen Form der Pantomime einen völlig neuen Impuls zu geben.

Und dieser Vorsatz, die Kunstformen auf der GOP Bühne zu modernisieren, zog sich wie ein roter Faden durch den Abend. Mit der richtigen Mischung aus Witz, Magie, Spannung sowie modernen und neuen Acts ließ sich das Publikum bei der mittlerweile 50. Premiere im Bremer GOP begeistern.

„Keine halben Sachen“ ist noch bis zum 30. Oktober im Bremer GOP-Varieté-Theater (Am Weser-Terminal 4) zu sehen. Tickets für die zweistündige Show gibt es ab 39 Euro. In der Zeit vom 14. bis zum 30. Oktober bietet das GOP zudem das Ferien-Special „Kids für Nix“ an: Kinder bis 14 Jahre sehen die Show gratis, nur die erwachsene Begleitung zahlt den regulären Preis. Weitere Informationen gibt es unter der Telefonnummer (0421) 89898989 oder unter variete.de/bremen.

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