Der Klimawandel und die Folgen Wie man im Rheiderland Wetterextremen trotzen will
Die Folgen des Klimawandel sind im Rheiderland spürbar. Entweder herrscht Land unter oder es ist viel zu trocken. Jetzt wollen die Kommunen neue Strategien entwickeln, um in Zukunft gerüstet zu sein.
Rheiderland - Was für eine wichtige Rolle die Sielacht spielt, ist vielen Rheiderländern wahrscheinlich gar nicht so richtig bewusst. Der Wasser- und Bodenverband sorgt nämlich auch dafür, dass die 29.000 Menschen in dieser Region trockene Füße behalten. Die Folgen des Klimawandels werden aber zunehmend zu einer Herausforderung. Im Rheiderland soll daher Konzept für das Wassermanagement entwickelt werden. Die Gemeinde Jemgum hatte daher Dr. Leena Karrasch von der Uni Oldenburg eingeladen. Sie gilt als eine Expertin für nachhaltiges Wassermanagement und hat in der Küstenregion bereits viele solcher Forschungsprojekte begleitet.
Was und warum
Darum geht es: Zu viele Niederschläge auf der einen Seite, zu lange Trockenperioden stellen die Sielacht im Rheiderland zunehmend vor Probleme. Was kann man tun?
Vor allem interessant für: alle, die sich für die Folgen des Klimawandels interessieren.
Deshalb berichten wir: Im Umweltausschuss gab es einen Vortrag zum Thema Wassermanagement. Die Autorin erreichen Sie unter: @zgo.de
Der Klimawandel bringt nach Worten der Expertin zwei ganz gegensätzliche Probleme mit sich: Entweder gibt es zu viel Wasser oder zu wenig. „Es kommt immer öfter zu Winterniederschlägen und Starkregenereignissen“, so Karrasch. Die Wassermassen könnten häufig nicht schell genug abfließen. Es herrscht Land unter: Straßen werden überflutet, Keller laufen voll. Aber auch auf den Weideland und Äckern staut sich das Wasser – mit all den negativen Folgen für die Landwirtschaft und manchmal auch für brütende Vögel.
Versalzene Viehtränken
Trockene Sommer wie auch der in diesem Jahr sind eine weitere Folge des Klimawandels. „Bei langen Dürreperioden kann Salzwasser ins Grundwasser gelangen“, machte Karrasch eine Folge deutlich. Wie Sielrichter Willem Berlin berichtet, sei dieses Phänomen beispielsweise in Pogum zu beobachten. „Die Brunnen auf den Weiden sind dann nicht mehr für Viehtränken geeignet.“ Auch die Pflanzen seien darauf nicht eingestellt.
Gefragt ist daher ein effektives Wassermanagement. Eine mögliche Maßnahme könnte der Bau von Stauanlagen sein. „In höher gelegenen Gebieten wie in Diele, Weener oder Bunde läuft das Wasser aus den Gräben relativ schnell ab“, sagte der Obersielrichter im Nachgang der Sitzung auf Nachfrage. Durch Stauanlagen, die sich individuell regulieren lassen, könnte das verhindert werden.
Wasserreservoir in Marienchor?
Untersucht werden sollen auch Möglichkeiten, Wasser großflächig aufzustauen, wie in einem überdimensionalen Regenrückhaltebecken. „In Marienchor gibt es beispielsweise ein Gewässer vom damaligen Autobahnbau.“ Mit einer Art Wall eingefasst, könnte die See für die Aufnahme größerer Wassermengen hergerichtet werden. Die Gewässer breiter zu machen oder weiter auszubaggern, macht laut Willem Berlin wenig Sinn. Durch den klebrigen Untergrund setze sich der Boden der Gewässer schnell wieder voll.
Die 14 Schöpfwerke hingegen spielen eine wichtige Rolle. In den vergangenen zwei Jahren wurde bereits damit begonnen, die Pumpen und Steuerungstechnik der Bauwerke auf Vordermann zu bringen. Insgesamt werden laut Berlin hierfür fünf Millionen Euro investiert. Die Projekte sind etwa zur Hälfte abgeschlossen.
Antrag auf Fördergeld gestellt
Mit Blick auf den Klimawandel unterstützt das Land Niedersachsen Verbände bei Vorhaben zum zielgerichteten Umgang mit der Ressource Wasser. „Wir haben zum 31. August einen Förderantrag bei der N-Bank gestellt“, berichtet der Obersielrichter. Grundlagenarbeit und die Erstellung von Konzepten, Machbarkeitsstudien und Planungen wird mit 90 Prozent der zuwendungsfähigen Ausgaben, höchstens aber 300.000 Euro unterstützt. Berlin hofft auf eine Entscheidung noch in diesem Jahr. Unter anderem gehe es darum, Daten zu Pegelständen zu sammeln, um mit moderner Steuerungstechnik in den Schöpfwerken noch vorausschauender auf Wettervorhersagen reagieren zu können.
Im Ausschuss entstand die Idee, gemeinsam mit allen Rheiderlandkommunen und Interessensvertretern rund um das Thema Wasserwirtschaft einen Runden Tisch zu bilden – idealerweise unter der Moderation der Expertin von der Uni Oldenburg.