Michail Gorbatschow  Jeder kann etwas von ihm lernen

Bukrhard Ewert
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Ein Kommentar von Bukrhard Ewert
| 31.08.2022 16:09 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Michail Gorbatschow 1989 in Bonn – die Menge feierte ihn. Foto: Kleefeldt/DPA
Michail Gorbatschow 1989 in Bonn – die Menge feierte ihn. Foto: Kleefeldt/DPA
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Michael Gorbatschow ist gestorben. Einen politischen Erben hat er nie gefunden. Dann muss das halt jeder ein Stück weit selbst übernehmen, kommentiert unser Autor.

Perestroika und Glasnost: Wer in den 80er Jahren im einen oder anderen Deutschland lebte, den begleiteten diese Worte auf Schritt und Tritt. Übersetzt aus dem Russischen bedeuten sie Umgestaltung und Offenheit. Ihr Vater war Michail Gorbatschow, der als Generalsekretär der Kommunistischen Partei und Präsident der Sowjetunion diesen Weg prägte.

Gedankt haben es ihm im Kern nur die Deutschen, denen er zu ihrer eigenen Überraschung die Einheit brachte. In Russland hielten ihn nicht wenige für einen Verräter – so auch der jetzige Präsident Wladimir Putin. Er konnte den Verlust an Bedeutung nie verwinden. Aber der Westen reagierte nicht weniger unbesonnen. Es dominierten Triumph-Geheul und eine Art Phantomschmerz über den verloren gegangenen Erzfeind. Eine Partnerschaft war nicht gewollt.

Es liegt auch daran, dass die Dinge heute sind, wie sie sind. Gorbatschow konnte es nicht mehr beeinflussen. Nun ist er tot. Kein Staatsmann hat sein Erbe angetreten, weder im Osten noch im Westen. Aber vielleicht kann ja jeder selbst ein wenig wie Gorbatschow sein. In seinem Sinne zu handeln hieße, Russland gerade in der jetzigen Lage nicht eindimensional zu betrachten. Mehr aber noch könnte es bedeuten, Menschen nicht zu ihrem Glück zwingen zu wollen, sondern ihre Freiheit ernst zu nehmen. Von Gorbatschow kann in dieser Hinsicht auch im Westen so mancher noch lernen.

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