Tötungsdelikt in Leer  Mann mit Machete getötet – Fotos zeigen enorme Brutalität

Katja Mielcarek
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Von Katja Mielcarek
| 30.08.2022 16:19 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Der Prozess gegen den 55-Jährigen hat am Dienstag in Aurich begonnen. Foto: Ortgies
Der Prozess gegen den 55-Jährigen hat am Dienstag in Aurich begonnen. Foto: Ortgies
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Die Brutalität des Verbrechens hat ganz Leer geschockt. Der Angeklagte redet vor Gericht aber offen darüber, wie er seinen Mitbewohner mit einer Machete getötet hat.

Leer/Aurich - Die Anklageschrift liest sich wie das Drehbuch für einen Horrorfilm: Mit zahlreichen Hieben und Stichen mit einer Machete in Gesicht, Hals und Oberkörper soll ein heute 55-Jähriger aus Leer im März im Leeraner Ortsteil Loga seinen Mitbewohner getötet haben. Er soll selbst dann noch auf ihn eingeschlagen haben, als der Mann am Boden lag.

Seit Dienstag muss er sich vor der Ersten Großen Strafkammer des Landgerichts Aurich unter Vorsitz von Richter Björn Raab verantworten. Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft lautet auf Totschlag. Bilder, die auf einem großen Bildschirm im Gerichtssaal gezeigt werden, lassen die Brutalität erahnen, mit der der Täter vorgegangen sein muss. „Für Zartbesaitete nicht ohne“, hatte Raab gewarnt. Er hatte recht.

Angeklagter sagt aus

Der, der die Tat begangen haben soll, entspricht so gar nicht dem Bild eines brutalen Schlächters: Nicht besonders groß, nicht auffällig muskulös, schlank, mit Bürstenhaarschnitt und Brille mit schmalem Rand wird Jörg T. von zwei Wachleuten in Handschellen in Saal 3 des Auricher Landgerichts geführt. Sein Gesicht verdeckt der dreifache Vater nicht, trotz der Pressefotografen, die auf ihn warten. Für viele überraschend sagt der Angeklagte selber aus – und das sehr redegewandt.

Er berichtet von einem harmonischen Miteinander mit dem Mann, der ihn erst im Januar als Untermieter in seiner Mietwohnung in Leer-Loga aufgenommen hatte. Davon, dass er sich gefreut habe, als sein späteres Opfer an diesem 25. März von einem Urlaub zurückgekommen sei. Von entspannten Gesprächen am Nachmittag, bei denen der später Getötete von seinem Kummer erzählte. Unter anderem war sein Vater gerade gestorben.

Zum Alkoholtrinken überredet

Jörg T. berichtet, wie ihn sein Mitbewohner überredet hatte, nach gut zweijähriger weitgehender Abstinenz mit ihm Alkohol zu trinken – so viel, dass er bald drohte, „die Kontrolle über die Situation zu verlieren“. So habe er seinem Mitbewohner erlaubt, mit seiner Armbrust zu schießen. Bisher habe er das trotz vielem Drängen immer verweigert. Ab da werde seine Erinnerung löchrig. „Ich habe nur noch einzelne Bilder und kurze Szenen, aber keine durchgehenden Abläufe mehr.“ Offenbar habe er sich auf ein Armdrücken mit ihm eingelassen, was damit endete, dass sein späteres Opfer ihm seinen Kopf auf die Tischplatte geschlagen habe.

Das nächste Bild in seinem Kopf sei er mit blutendem Mund auf seiner Bettkante im dunklen Zimmer und sein Mitbewohner, der ihn mehrfach energisch aufforderte, herauszukommen. Und dann: Er mit der Machete und sein Mitbewohner bewegten sich aufeinander zu, dann zwei oder drei Schläge mit dem Buschmesser.

Ratschläge für die Vertuschung der Tat

Daran, dass sein Opfer zu Boden gegangen war, erinnere er sich nicht. Genauso wenig daran, dass er mit einem Freund per Whatsapp-Chat beratschlagt habe, was zu tun sei. Der Chat wurde am Dienstag verlesen, Sprachnachrichten abgespielt. Sie geben teilweise ein groteskes Bild ab. Pure Verzweiflung wechselt sich mit Ratschlägen ab, die Heizung raufzudrehen, damit die Polizei den Zeitpunkt des Todes nicht präzise ermitteln könne, oder die Leiche einzufrieren, damit sie später besser zu zersägen sei. Der Freund war es, der die Polizei alarmiert hatte.

Was war der Anlass, zuzuschlagen, will der Richter vom Angeklagten wissen. „Ich habe keine Ahnung. Ich gehe davon aus, dass es Angst war, dass ich ihn vertreiben wollte.“ Und die Tatsache, dass er offenbar noch mehrfach auf sein Opfer eingeschlagen hat, als es schon reglos auf der Seite lag? Da fehlen dem 55-Jährigen zum ersten Mal die Worte: „Das kann ich mir nicht vorstellen, das kann ich mir einfach nicht vorstellen.“

Der Prozess wird am kommenden Dienstag ab 9 Uhr weitergeführt. Dann werden unter anderem Polizisten gehört und zwei Gutachter, die sich zu den Verletzungen der beiden Männer und der seelischen Verfassung des Angeklagten äußern werden.

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