Osnabrück  Richtig heizen, einkaufen, versichern: Mit diesen Tricks haushalten Sie sparsam

Corinna Clara Röttker
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Von Corinna Clara Röttker
| 28.08.2022 07:11 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 6 Minuten
Eine abwechslungsreiche Ernährung muss nicht teuer sein. Foto: Benjamin Nolte/dpa
Eine abwechslungsreiche Ernährung muss nicht teuer sein. Foto: Benjamin Nolte/dpa
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Ob beim Strom, Wasser, Lebensmitteln oder Versicherungen: Wer alltägliche Fehler im Haushalt vermeidet, kann schnell Hunderte Euro sparen. Tipps für den Alltag.

Seit Monaten steigen die Verbraucherpreise in Deutschland. Im Juni betrug die Inflationsrate laut dem „Statistischen Bundesamt“ 7,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Das Problem: Die höhere Inflation schwächt die Kaufkraft von Verbrauchern, weil sie sich für einen Euro weniger kaufen können als zuvor. Doch im Alltag gibt es viele Möglichkeiten zum Geld sparen. Ein Überblick.

Bei wiederkehrenden Ausgaben wie Versicherungs- aber auch Mobilfunkverträgen lohnt sich das Hinschauen besonders. „Das größte Sparpotenzial verwirklicht sich da, wo man sich um die Verträge kümmert und diese nicht unbeachtet im Ordner schlummern lässt“, sagt Elke Weidenbach, Versicherungsexpertin bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Gespart werden kann zum Bespiel schon über die Wahl der Zahlungsweise. So sollten Versicherungsbeiträge immer jährlich gezahlt werden, da bei monatlichen Teilzahlungen der Versicherer einen Ratenzahlungszuschlag von meist mindestens fünf Prozent verlangt.

„Bei bestehendem Versicherungsschutz können auch unwichtige Teile, wie oft im Lebensversicherungsbereich die Unfallzusatzversicherung gekündigt werden“, sagt Weidenbach. Manchmal haben Verbraucher beispielsweise auch noch eine Vollkasko-Versicherung, obwohl der Wert ihres Autos dies nicht mehr rechtfertigt oder sind in ihrer Hausratversicherung gegen Überschwemmungen versichert, obwohl sie mittlerweile in eine weniger gefährdete Region umgezogen sind. „Sind Bereiche versichert, die im Schadensfall nicht die Existenz bedrohen, beispielsweise eine Handyversicherung, kann auf den Schutz verzichtet werden“, so Weidenbach.

Die folgende Grafik zeigt: Die größte Sorge der Deutschen ist aktuell die Inflation.

Bei wichtigen Verträgen – insbesondere Haftpflicht- und Sachversicherungen – sei es hingegen empfehlenswert, regelmäßig zu überprüfen, ob der Versicherungsschutz bei einem anderen Versicherer günstiger zu erhalten ist. Dies gilt etwa für die Kfz-Versicherung, wo die Beitragsunterschiede mitunter erheblich sein können. So hat Stiftung Warentest ermittelt, dass beispielsweise für Fahranfänger zwischen dem günstigsten und dem teuersten Tarif der Haftpflichtversicherung mit Teilkasko eine Differenz von 1.000 Euro bestehen kann.

„Wer saisonal einkauft, geschickt bevorratet, selbst kocht und dann auch noch weiß, wie man übrig gebliebene Lebensmittel verwertet, kann sich ausgewogen und auch preiswert ernähren“, sagt Nicole Schlaeger, Expertin beim Thema gesunde Ernährung bei der Verbraucherzentrale. Mit das wichtigste um zu sparen sei eine gute Planung. Um den Einkauf von überflüssigen Sachen zu vermeiden, empfiehlt Schlaeger einen Speiseplan für mehrere Tage. „Wer im Supermarkt einkauft, sollte sich nicht vom Angebot überrollen lassen und nicht mehr einkaufen, als tatsächlich benötigt wird.“

Dabei gilt es Lebensmittel, die frisch verzehrt werden sollten, in den ersten Tagen und länger haltbare Produkte später in der Woche einzuplanen. Gemüse und Obst sollten saisonal eingekauft werden. „Wenn die Ernte gerade ihren Höhepunkt hat, sind einige Gemüse- und Obstsorten besonders günstig.“ Statt Fertigprodukte lohne sich oftmals auch die eigene Zubereitung. „Die fertigen Backofenpommes haben zum Beispiel einen bis zu vier Mal höheren Preis als frische Kartoffeln“, so Schlaeger. Als preiswerten Durstlöscher empfiehlt die Expertin zudem Leitungswasser anstelle von Mineralwasser. Und wer viel unterwegs ist, sollte sich Verpflegung von zu Hause mitnehmen.

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„Finanziell lohnt es sich nicht, pauschal Wasser zu sparen weil 1000 Liter inklusive Abwassergebühr vier bis sechs Euro kosten“, sagt Philip Heldt, Experte für Umweltfragen bei der Verbraucherzentrale. Was aber teuer ist, ist warmes Wasser. „Ein Hauptkostentreiber kann die Warmwasserbereitung sein, wenn der Haushalt per Strom, das heißt mit einem Durchlauferhitzer sein Wasser erwärmen muss“, sagt Energieexpertin Gerhild Loer von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

So kostet der Verbraucherzentrale zufolge bei einem elektrischen Durchlauferhitzer eine achtminütige warme Dusche bei einem Durchfluss von zehn Litern pro Minute und einer üblichen Temperatur von 38 Grad etwa 1,13 Euro. Auf das Jahr hochgerechnet macht das gut 400 Euro. Wer also seine Duschdauer reduziert, kann schon viel bewirken.

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Entscheidend aber ist, wie viel Wasser pro Minute durch den Duschkopf fließt. Bei normalen Duschköpfen sind das der Verbraucherzentrale zufolge oft 10 bis 12 Liter. Es gibt aber auch Brausen, die viel mehr Wasser verschwenden, so können es bei Regenduschen sogar 20 Liter sein. Verbraucherzentralen empfehlen daher einen Sparduschkopf. Er kostet etwa 20 Euro und spart bis zu 50 Prozent des Warmwasserverbrauchs, heißt es.

Jedes Grad weniger senkt den Energieverbrauch um etwa sechs Prozent. Die Verbraucherzentrale empfiehlt daher ein Thermostat, mit dem sich genau die gewünschte Temperatur einstellen lässt. Stufe drei auf der Heizung ist dabei ein guter Richtwert, da sie zu rund 20 Grad führt. Ein Absenken der Temperatur bei Abwesenheit spart zudem Energie.

Die folgende Grafik zeigt, wie stark sich die Energiekosten bereits Mitte April im Vergleich zum Vorjahr erhöht haben.

Außerdem sollte man den Verbraucherschützern zufolge darauf achten, dass sich keine Luft im Heizkörper befindet und sich dieser nicht hinter Vorhängen versteckt oder mit Möbeln zugestellt ist, da er sonst die Wärme nicht richtig an den Raum abgeben kann. Und: Mehrfach täglich stoßlüften. Denn wenige Minuten mit weit geöffnetem Fenster kosten weniger Energie als eine längere Kipplüftung.

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Das Angebot von Mobilfunk- und Internetverträgen ist groß und vielfältig. In dem Dickicht hat sich schon mancher verloren und Verträge abgeschlossen, die weder günstig waren, noch die Bedürfnisse wirklich erfüllten. Häufig ist zum Beispiel das Datenvolumen deutlich zu groß. „Der optimale Tarif sollte anhand der benötigten Leistung ausgewählt werden“, sagt Felix Flosbach, Telekommunikationsexperte bei der Verbraucherzentrale. Als Anhaltspunkt kann hier der aktuelle Verbrauch dienen und meist im Kundenportal oder der Rechnung gefunden werden.

Mit diesen Angaben sollten Verbraucher dann verschiedene Tarife vergleichen und dabei alle Kosten und Rabatte zusammenrechnen und gegenüberstellen. „So kann die Gefahr umgangen werden, Lockangebote oder später wegfallende Rabatte zu vergessen“, sagt Flosbach. Wer zudem seinen Vertrag frühzeitig kündigt, hat später eine bessere Verhandlungsposition. Im Gespräch mit dem Provider kommen diese dem Verbraucher nämlich bei Preis oder Leistung oftmals entgegen. Verbraucherzentralen raten mitunter auch zu Prepaid-Tarifen, da damit Kostenfallen vermieden werden können und im Zweifelsfall maximal das Guthaben verloren ist.

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