Emden Couch im Kino? So rüsten Kinoketten nun ihre Säle um
Weniger Sitze, neue Sofas zum Liegen: In Ostfriesland zeigt Deutschlands größte Kinokette, wie sich die Betreiber das Kino der Zukunft vorstellen.
Hochwertige Tontechnik, XXXL-Bildschirme und jederzeit abrufbare Blockbuster-Mediatheken – das Fernsehen hat sich verändert, auch in vielen Wohnzimmern. Wer Geld ausgibt, kann dem Kinoerlebnis ein gutes Stück näher kommen, ohne das Zuhause zu verlassen. Das setzt Kinobetreiber unter Zugzwang. „Man kann schon von einem Trend hin zu noch mehr Komfort und Vielfalt sprechen“, sagt Christine Berg, Vorsitzende des Branchenverbands HDF Kino. Was sie damit meint, lässt sich seit dieser Woche im ostfriesischen Emden erfahren.
Dort steht eines der bundesweit rund 50 Cinestar-Kinos. In dem Filmspielhaus am Wasserturm wurden jüngst die Säle 1 und 2 renoviert. Sämtliche Stuhlreihen wurden erneuert und gleichzeitig stark gelichtet. Unter dem Strich büßte das Kino dabei fast 100 Plätze für beide Säle zusammengenommen ein.
Denn: Die Besucher sollen es vor allem bequemer haben. Sämtliche Stühle beziehungsweise deren Sitzfläche sind laut dem Standortleiter in Emden, Andreas Huismann, zehn Zentimeter breiter geworden.
Der eigentliche Modernisierungsschritt aber betrifft die erste Reihe. Dort gibt es zum ersten Mal Kuschelsofas – breite Couches, auf denen mindestens zwei Personen nebeneinander liegen können. Huismann geht davon aus, damit Vorreiter in Ostfriesland zu sein.
Nach Cinestar-Angaben setzt das Unternehmen aus Lübeck seit etwa vier Jahren auf diese Sonderausstattung in Kinosälen, „als erstes in unserem damals neuen Standort Augsburg“, teilt eine Sprecherin mit. Seitdem wurde das Angebot auch auf andere Orte ausgeweitet. Es richte sich gezielt an Familien mit kleinen Kindern, sagt die Sprecherin.
Die Liegeflächen vor der Leinwand kosten zumindest in Emden bislang genauso viel wie ein regulärer Sitzplatz im Parkett. Insgesamt gibt es 14 dieser Sofas mit jeweils zwei Sitzplätzen. Gebucht werden können sie wie jeder andere Platz direkt über das Internet, sofern sie noch verfügbar sind. Wer zu dritt oder viert darauf liegen und den Film gucken möchte, zahlt pro Person.
Auch andere Kinoketten haben vielerorts bereits Sofas in Kinosälen aufgestellt. Von solchen Neuerungen dürfte sich die Branche insgesamt einen Schub erhoffen. Schon vor der Pandemie verzeichneten die Kinos bundesweit rückläufige Besucherzahlen. Gemessen in Gästen war 2001 laut dem Statistikdienstleister Statista mit 173 Millionen Besuchern das stärkste Jahr seit dem Milleniumswechsel. 2019 kamen 113 Millionen. Es folgte ein dramatischer Einbruch in den ersten beiden Corona-Jahren.
Astrid Muckli, Geschäftsführerin einer Kino-Betreibergesellschaft mit den Standorten Leer, Aurich, Papenburg und Meppen zeigt sich mit dem Neuanfang nach den pandemiebedingten Einschränkungen „im Großen und Ganzen“ zufrieden. Im aktuellen Geschäftsjahr hätte allerdings das Wetter gerne ein bisschen schlechter sein dürfen, sagt sie halb im Scherz. Bei sommerlichen Temperaturen und Sonnenschein zieht es eben deutlich weniger Besucher vor die Leinwand – daran ändert auch das komfortabelste Kuschelsofa nichts.