Energieversorgung Astora plant Wasserstoffspeicher in Jemgumer Kavernen
Seit neun Jahren wird in der Kavernenanlage in Jemgum schon Erdgas gespeichert. Jetzt will die Astora GmbH dort auch einen Wasserstoffspeicher errichten – und die Planung geht sogar noch weiter.
Jemgum - Ob Urlauber oder Einheimische – wer in die nördlichen Ortschaften des Rheiderlands will, kommt zwangsläufig an der riesigen Industrieanlage vor den Toren Jemgums vorbei. Dass dies eine der größten Gasspeicheranlagen Europas und strategisch wichtiger Teil des Gastransportsystem ist, wissen viele gar nicht. Jetzt will die Astora GmbH mit Sitz in Kassel auch in die Wasserstoffwirtschaft einsteigen.
Was und warum
Darum geht es: Die Astora GmbH hat vor, in Jemgum eine Kaverne zum Speichern von Wasserstoff zu anzulegen.
Vor allem interessant für: Jemgumer und alle, die sich für die Energieversorgung interessieren
Deshalb berichten wir: Die Astora GmbH hatte für diesen Freitag zu einem Informationstag eingeladen. Die Autorin erreichen Sie unter: t.gettkowski@zgo.de
Die Erdgasspeicheranlage in Jemgum ist seit neun Jahren in Betrieb. Die Speicherkapazität ist so hoch, das mit der Gasmenge 500.000 Haushalte ein Jahr lang versorgt werden könnten. Wie Astora-Geschäftsführer Eduard Schmitke an diesem Freitag am Randes des Informationstages auf dem Kavernengelände berichtete, ist zunächst eine zusätzliche Kaverne für die Speicherung von Wasserstoff geplant.
Machbarkeitsstudie liegt schon vor
Im Rahmen einer Machbarkeitsstudie hatte das Unternehmen bereits vor eineinhalb Jahren untersuchen lassen, unter welchen Rahmenbedingungen die Speicherung von 100-prozentigem Wasserstoff in einer Kaverne möglich ist. Laut Schmitke zeigten die Ergebnisse, dass die Umstellung des Speicherns von Erdgas auf Wasserstoff grundsätzlich machbar sei.
Aktuell prüft Astora die Errichtung einer gastechnischen Anlage, die dem zukünftigen Wasserstoffmarkt gerecht wird. „Die technische Entwicklung und das Genehmigungsverfahren werden einige Zeit in Anspruch nehmen“, machte Schmitke deutlich. Mit einem Baubeginn sei frühestens 2026 zu rechnen. Bis der erste unterirdische Wasserstoffspeicher in Betrieb gehen kann, werden nach seiner Einschätzung acht bis zehn Jahre vergehen.
Wasserstoffproduktion vor Ort?
Diese Planung soll der Startschuss für weitere zukunftsgerichtete Entwicklungsmöglichkeiten sein. Das Unternehmen denkt nämlich auch darüber nach, selbst Wasserstoff zu produzieren und ihn in Jemgum zu speichern. Direkt vor Ort produziert werden könnte der CO²-freie Wasserstoff mit Strom aus erneuerbaren Energiequellen. „Sonne und Wind für Photovoltaik- und Windkraftanlagen haben wir hier ja“, machte Schmitke deutlich. Gewonnen werden kann dieser Wasserstoff durch eine sogenanntes Elektrolyseverfahren. Das sei laut Schmitke zwar noch Zukunftsmusik, „erste Gespräche mit Unternehmen haben wir aber schon geführt“.
Die durch komplizierte Unternehmensstrukturen entstandene Verbindung von Astora zum russischen Energiekonzern Gazprom wurden inzwischen übrigens gekappt. Astora gehört zur neuen Sefe-Gruppe, die unter treuhänderischer Aufsicht der Bundesnetzagentur steht. „Wir haben vom Wirtschaftsministerium den Auftrag, für die Versorgungssicherheit zu sorgen“, erzählte Schmitke. Aktuell sei der Speicher in Jemgum zu rund 80 Prozent gefüllt. Insgesamt zwölf Kunden aus dem europäischen Raum nutzen die Kapazitäten in Jemgum, um Gas zu kaufen, in Jemgum einzuspeichern und wieder zu verkaufen. Woher das Gas kommt und wohin es fließt, sei aber nicht nachvollziehbar.
Energiegenossenschaft als Ziel
Jemgums Bürgermeister Hans-Peter Heikens begrüßt die Pläne des Gasspeicherunternehmens. „Wir könnten als kleine Gemeinde im Zusammenspiel mit den Kavernen als Speicherort für erneuerbare Energien eine Vorreiterrolle für andere Kommunen übernehmen.“ Das deutsche Energiesystem müsse „im Teslar-Geschwindigkeit auf erneuerbare Energien umgebaut werden“. Es sei wichtig, vor Ort zügig Flächen für den Ausbau von Photovoltaik und Windkraft bereitzustellen. Heikens regte die Gründung einer Energiegenossenschaft auf Rheiderland-Ebene an. Ziel müsse es sein, mit Partnern aus dem Energiebereich, Photovoltaik-, Windkraft- und Wasserstoffanlagen zu betreiben. Ziel müsse es sein, den Menschen möglichst schnell Energie zu verlässlichen und bezahlbaren Preisen anzubieten.
Heikens richtete einen Appell an den Bund, Umlagen für erneuerbare Energien in Anteilen den Haushalten der Kommunen zukommen zu lassen, in denen diese Anlagen stehen. „Ich fordere den Bund hier und heute dazu auf, diesen Ansatz auf alle Energiebereiche und -standorte zu übertragen.“
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