Rostock  Romeo Tiberiade berichtet über Rostock-Lichtenhagen 1992

Milad Khoshdel
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Von Milad Khoshdel
| 25.08.2022 20:41 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
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Romeo Tiberiade kam mit seiner Familie 1992 nach Rostock-Lichtenhagen. Er war direkt von den Ausschreitungen betroffen und erzählte im Peter-Weiß-Haus, wie er die Ausschreitungen wahrnahm.

„Wenn ich vom demokratischen Deutschland höre, denke ich an Feuer. Vor meinem geistigen Auge erscheinen viele Jugendliche, die das gesamte Gebäude in Brand gesetzt haben“, sagt der Zeitzeuge Romeo Tiberiade mit Blick auf das Lichtenhagen-Pogrom 1992. Er kam mit seiner Familie in diesem aus Rumänien nach Deutschland und wollte eigentlich am Mittwoch im Peter-Weiß-Haus (PWH) mit seiner Tochter über die Flucht nach Deutschland, das Pogrom und das Leben reden. Wegen einer kurzfristig Erkrankung konnten jedoch nur Video-Interviews abgespielt werden.

Aber seine Tochter Izabela Tiberiade stand für Schilderungen der damaligen Situation und Fragen der Zuschauen bereit. Sie führt zusätzlich Videointerviews von Betroffenen des Pogroms vor. Diese berichten über ihre Flucht nach Deutschland, die rassistischen Angriffe und die Zeit nach dem Pogrom.

Tiberiade habe große Probleme bei Videointerviews der Opfer gehabt, denn niemand wollte mit ihr darüber sprechen, sondern lieber vergessen.

Zeitzeuge Mario Dumitru äußerte sich jedoch vor der Kamera. „Deutschland war ein besserer Ort, an dem genug Geld verdient werden konnte und unsere Familien sicher leben konnten“, erklärte Dumitru die Gründe für sein Kommen nach Deutschland. In Rostock angekommen sei er beim Einkauf in Rostock von Vermummten und von Nazi-Symbolen begrüßt worden. „Ich sehe Flammen, die Türen waren verschlossen. Wir brachen sie auf, um unsere Familien aus dem Feuer zu holen“, erinnert er sich. „Die Polizei hat nur zugeguckt und wir mussten selbst fliehen.“

Nach Lichtenhagen, kamen sie 300 Kilometer von Rostock entfernt in einem anderen Auffanglager unter. „Wenn ich über dieses Ereignis nachdenke, denke ich, dass sie das Gleiche [was im Zweiten Weltkrieg passierte, Anm. der Red.] mit uns machen wollten“, berichtete Dumitru. Wenn er könnte, würde er den Hass dieser Menschen anklagen.

„Ich wollte in ein Land, in dem es Menschenrechte gibt“, sagte Romeo Tiberiade. „Denn in Rumänien wurden Menschenrechte nicht geachtet.“ Er erinnere sich nicht gerne an Rostock-Lichtenhagen und hätte nicht gedacht, dass die Menschen in Deutschland so unfreundlich wären. 

Nach Lichtenhagen wurden er und seine Familie in einen anderen Ort gebracht und lernte das warmherzige und gastfreundliche Deutschland kennen. Mittlerweile ist Tiberiade nach Rumänien zurückgekehrt und dort Berater des Bürgermeisters der Stadt Craiova für die Rechte der Roma.

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