Gedenken in Lichtenhagen  Multiples Staatsversagen

Michael Seidel
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Ein Kommentar von Michael Seidel
| 25.08.2022 16:54 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 1 Minute
30 Jahre nach den ausländerfeindlichen Ausschreitungen in Rostock-Lichtenhagen. Foto: Büttner/dpa
30 Jahre nach den ausländerfeindlichen Ausschreitungen in Rostock-Lichtenhagen. Foto: Büttner/dpa
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Die Ausschreitungen von Rostock-Lichtenhagen sind die bis dahin schlimmsten rassistischen Übergriffe in der Bundesrepublik. Das Erinnern lässt aber einiges vermissen.

Was Ende August 1992 in Lichtenhagen geschah, ist durch nichts zu entschuldigen. Dieser hemmungslose Rassismus, die Instrumentalisierung durch die rechtsextreme Szene, die Menschenverachtung der Claqueure – das über Tage andauernde Pogrom von Lichtenhagen ließ die Republik in die Abgründe der menschlichen Seele blicken.

Das ritualisierte mediale Erinnern an diese Ausschreitungen lässt indes vielerlei vermissen: So spielen bei den meisten Abhandlungen die Ursache und der Anlass eine untergeordnete Rolle. Wenn konstruktive Lehren aus den unentschuldbaren Ausschreitungen gezogen werden sollen, gehört das in zwei parlamentarischen Untersuchungsausschüssen und externen Studien nachgewiesene multiple Staatsversagen beim Management der Flüchtlingsbewegung zwingend dazu. Überfüllte Aufnahmestellen, fehlende Behördenvernetzung, die kriminelle Auswüchse beförderte sowie misslingende Integration von Flüchtlingen sind leider kein Phänomen vom Anfang der 1990er Jahre. Wären frühzeitig ernsthaft Lehren aus 1992 gezogen worden, hätte manche neu sichtbar werdende Überforderung während der Flüchtlingskrise 2015 nicht passieren müssen.

Wenn also heute symbolpolitisch zum „Kampf“ gegen Rechtsextremismus aufgerufen wird, dann sollte das als Auftrag an gewählte Mandats- und besoldete Amtsträger mitgenommen werden.

Den Autor erreichen Sie unter mantel@zgo.de

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